Manipulative Charaktere – Null, Auftakt

Vor etwa zwei Jahren fing ich an Erfahrungen zu machen, die heute meine Wahrnehmung der Welt entschieden geprägt haben und zwar so stark, dass sie sich weit von der des Durchschnittsbürgers entfernt hat.

Die erste Phase begann als ich über einige Libertäre Blogs und Seiten stolperte. Als Liberaler, der ich damals war, hatte ich sowieso eine große Affinität zu den dort präsentierten Gedanken. Die kritische Sichtweise auf den Staat und seine Akteure und die Erkenntnis, das Eigeninteresse die Politik weit stärker bestimmen, als man es für gewöhnlich wahrnimmt, überzeugten mich sehr schnell. Länger brauchte es um auch das Non-aggression principle zu akzeptieren. Obwohl ich es als evident empfand, erschienen mir einige Konsequenzen (z.B. Streichung der Sozialhilfe) als zu krass. Je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr fiel mir auf das die Verluste entweder zu vernachlässigen waren oder häufiger die Lösungen, die sich in einer Freien Gesellschaft ergeben, denen die uns der Staat aufzwingt überlegen sind. Im Laufe dieses Prozessen änderte sich auch die Art, wie ich Politikerstatements betrachtete: wo ich zuvor die Absicht zu argumentieren und Handlungen zu begründen sah, konnte ich später nur noch Bullshit sehen, Politikern ist es völlig egal was sie sagen und welche Konsequenzen ihr tun hat, solange es der Öffentlichkeit positiv erscheint.

Der Auslöser der zweiten Phase, etwa ein dreiviertel Jahr später, war privater Natur und will ich hier nicht breittreten. Er führte zu der Erkenntnis das die Form von Beziehungen und das Verhalten das in ihnen erwartet wird zur emotional und materiellen Ausbeutung der Männer führen. Auf der Suche nach ähnlich denkenden Menschen probierte ich das Stichwort Maskulismus aus und wurde zu meiner Überraschung fündig. Es war zwar nicht exakt das worauf ich aus war, Meinungen zum privaten Geschlechterverhältnis, aber es passte zu den Folgerungen, die sich aus meinen Erfahrungen ergaben. Dinge, über die ich mich kurz geärgert und dann vergessen habe, gerieten in Zusammenhang und bekamen neues Gewicht. Nachdem ich alles gelesen hatte, was die maskulistischen Seiten hergaben, bestand für mich kein Zweifel mehr: Männer werden in diesem Staat als Menschen zweiter Klasse angesehen. Im Laufe diesen Prozesses begann ich die Medien in einem anderen Licht zu sehen: Anstelle eines Pluralismus von Meinungen, wird versucht ein einheitliches Paradigma durchzusetzen und dies beängstigend erfolgreich.

Nach etwa zwei Monaten hatte ich genug von den Geschlechterfragen auf gesellschaftlicher Ebene und wand mich wieder der zwischenmenschlichen zu, nach kurzer Zeit stieß ich auf Pick-Up, was die dritte und letzte Phase meines Paradigmenwechsels einläutete. Bei Pick-Up handelt es sich um die Beschäftigung junger Männer Frauen zum Sex zu bewegen in systematische Form gebracht. Die Erfahrungen von Tausenden wurden gesammelt und einige grundlegende Einsichten aus ihnen gewonnen. Es wurde identifiziert mit wem, welche Frau Beziehungen eingeht und mit welchen sie schläft, für Details empfehle ich ‚Lob des Sexismus‘,Lodovico Satana oder das Forum aus dem Randfenster. Meine Ansichten über Frauen änderte sich erstaunlich wenig, dass hat der Auslöser der zweiten Phase schon zu genüge, aber sie wurden differenzierter und valider: Frauen täuschen und testen Männer mit größter Ausdauer, ohne die geringste Spur eines Schuldbewusstseins zu haben.

Allen diesen Entwicklungen war gemeinsam, dass ich mich mit Manipulationen sehr grundlegender Art auseinandersetzen musste. Im Laufe der Zeit begann ich anders über Statements politischer und ideologischer Gegner zu denken. Hielt ich es früher für wahrscheinlich, dass auch sie eine gewisse Berechtigung haben, neige ich nun dazu sie zunächst als Bullshit zu betrachten. Rechnete ich damals damit, dass mein Kontrahent genau so recht hatte wie ich, verwerfe ich heute diese Möglichkeit als allererstes. Damit geht zwar eine Möglichkeit verloren die eigene Meinung zu hinterfragen und sich weiter zu entwickeln, beseitigt aber auch viele Widersprüchlichkeiten, die mich früher verwirrt haben. Tatsächlich ging diese Verwirrung z.T. so weit das ich zeitweise an meinen Verstand zweifelte. Überwunden wurden diese Zweifel erst als ich mich zu folgender Erkenntnis durchrang: „Die Wirklichkeit macht mehr Sinn, wenn Du annimmst sie ist so, wie Du sie wahrnimmst, als wenn du denen Glauben schenkst, die behaupten sie sei anders. Du bist nicht wahnsinnig, andere versuchen dich zu manipulieren“. Es ist überraschend, wie verbreitet Manipulationen schon in Alltagswahrheiten, die fast jeder für richtig hält, sind. Daher will ich eine Serie von Artikeln schreiben, die sich mit einigen verbreiteten oder interessanten Arten von Manipulatoren, ihrer Motivation und was man ihnen entgegensetzen kann beschäftigt. Es würde mich interessieren welche Leser ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

4 Antworten to “Manipulative Charaktere – Null, Auftakt”

  1. Dirk Says:

    Hi Michel,

    das habe ich gern gelesen. Ich finde es immer wieder interessant, auf welche Art und Weise Menschen zum (ganz) konsequenten Liberalismus finden. Auffällig ist auch, dass das Finden der ethischen Regel des NAP auch zu einer Selbstfindung, einer Änderung im individuellen Verhalten hin zu mehr Selbstbewusstsein und Eigenverantwortung führt. Dabei wächst aber gleichzeitig häufig der Respekt für das Gegenüber, was wiederum zu einer besseren Stellung im sozialen Kontakt führt, oder wie Du vielleicht sagen würdest: zu einem besseren Frame.

  2. Michel Says:

    Schön das du mit dem Artikel etwas anfangen kannst. Meinen Selbstfindungsprozess hat vor allem die Erfahrung geprägt, dass es wichtig ist die eigenen Interessen einzubringen und vor allem Initiative zu zeigen. Voher hatte ich Defizite in diesen Bereich. Mit der Vermutung, dass ich mehr Alphaframe erworben habe, dürftest du richtig liegen.

  3. Dirk F. Says:

    Habe mich ein wenig mehr in PU eingelesen (hatte ich früher bereits einmal, weil yuri im alten Freiheitsforum dazu was geschrieben hatte. Es gibt sogar einen ef-Artikel dazu, falls Du den noch nicht kennst). Für mich persönlich hat Libertarismus einen ethischen Fixpunkt geschaffen, von dem aus ich anderer Leute Verhalten beurteilen kann. Ich weiß sicher, was richtig und was falsch ist. Die Kenntnis von und das Leben nach unverrückbaren Werten bewirkt größeres Selbstbewusstsein (der korrekte Ausdruck ist vielleicht nicht Frame, sondern inner game). Insofern stimme ich Dir zu, dass man die eigenen Interessen und Ansichten dominanter nach außen zeigen kann.

    P.S.: http://ef-magazin.de/media/assets/pdf/ef061-screen.pdf#page=40
    P.P.S.: Wegen der Serie an schönen Artikel bist Du jetzt in meiner Blogroll

  4. Michel Says:

    Den ef-Artikel kannte ich bisher noch nicht, konnte ich mir bei der eher konserativen Ausrichtung von ef auch nicht wirklich vorstellen.

    Dass man mit dem Eintreten für den Libartarismus einen Fixpunkt findet, deckt sich genau mit meinen Erfahrungen. In unseren demokratischen Zeiten
    gilt es ja schon fast als Sakrileg einen solchen Wahrheitsanpruch zu verfechten.

    Schön, dass dir meine Artikel gefallen, leider werde ich in der Vorweinachstszeit kaum dazu kommen mehr zu schreiben. Deinen Bolg habe ich jetzt auch verlinkt.

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