Manipulative Charaktere – Eins, Die Romantikerin

Mit die verbreitesten Manipulationen sind die Vorstellung, die die Kultur von der Liebe entwirft. Verbreitet werden sie durch Liebesfilme bis hin zu Ratgebern. Manipulativ sind diese Vorstellungen, weil sie zum einen dazu dienen, unsere Ängste zu rationalisieren, andererseits geben sie vor allem Frauen Rechtfertigungen für dreiste Forderungen und Verhaltensweisen. Obwohl die meisten Menschen die romantischen Vorstellungen als naiv abtun, gilt es als unhöflich sie in aller Schärfe zu kritisieren. Einige Beipiele:

‚Die Liebe ist das wichtigste im Leben‘ – Natürlich trägt eine intime Beziehung ungemein zur Lebenszufriedenheit bei, diesen Satz jedoch ernst zu nehmen würde bedeuten alle jenen, die aus verschiedenen Gründen keinen Partner finden, zum Unglück zu verurteilen. Die Verzweiflung, mit der einige Singles ihre Suche nach Liebe betreiben, ist ein Ergebnis dieser Vorstellung. Völlig unglaubwürdig wird sie, wenn man gelernt hat Shit-Test zu erkennen oder Gelegenheit hatte zu beobachten, wie sich wirtschaftliche Durststrecken auf das Bindungsverhalten von Frauen auswirken. Nach solchen Erfahrungen fragt mann sich, ob es nicht entspanntere Wege zum Glück gibt.

‚Es gibt den Richtigen‘ – Dieser Satz impliziert, dass das Scheitern in der Liebe nicht auf eigene Unzulänglichkeiten zurückzuführen ist, sondern auf eine Art Inkompatibilität. Jemand der dies zu ernst nimmt, wird um die Möglichkeit betrogen durch Arbeit am eigenen Charakter überhaupt erst die Fähigkeit zu erlangen eine erfüllende Beziehung zu führen, unabhängig davon ob man in einer Beziehung ist oder eine sucht. (Dieser Satz darf keinen Falls als Aufforderung verstanden werden sich dem Partner anzupassen.) Man sollte sich nicht darüber hinwegtäuschen, dass es einfacher ist sich selbst zu ändern als Andere.

Ein zweites ist in der Vorstellung angelegt, die Auffassung das wahre Liebe, hat sie sich einmal entfaltet, mehr oder statisch ist; Liebe ist quasi die Konsequenz zweier kompatibler Charaktere und nicht die eines bestimmten Verhaltens. Diese Auffassung führt etwa dazu, dass jemandem, der eine Beziehung einmal angezweifelt hat, vorgeworfen wird niemals wirklich geliebt zu haben oder zu der eitlen Hoffnung, dass die gegenseitigen Gefühle nicht enden werden. In Wirklichkeit ist diese Art von Gefühlen sogar äußerst dynamisch, verhält sich der Partner nicht mehr auf eine Art und Weise, die die Anziehung begründet, verfliegen sie. Hat es ein Mann geschafft eine Frau zu verführen, muss er diese Verführung solange fortsetzen, wie er Interesse an ihr hat.

‚Eifersucht ist proportional zur Intensität der Liebe‘- Eifersucht wird als Liebesbeweis gesehen, fehlende Eifersucht als Indiz führ die Abwesenheit tiefer Gefühle. Tatsächlich ist Eifersucht nicht anderes als Verlustangst und das Gefühl nicht genügend wert für den Partner zu sein. Äußerst unattraktive Eigenschaften, also ist es ratsam die eigene Eifersucht nicht zu zeigen, nicht auszuleben und nach Möglichkeit zu überwinden. Frauen versuchen häufig Männer eifersüchtig zu machen, um sich sicher zu sein diese gebunden zu haben. Stellt sie fest das sie ihn nicht ausreichend gebunden hat ist das zwar frustrierend für sie, sie wird aber mehr in die Beziehung investieren. Daher wird sie, um sich die Frustration zu ersparen, den Mann ermutigen seine Eifersucht offen zu zeigen, der Ursprung der Vorstellung Eifersucht sei gesund.

Die Liste lässt sich noch und noch verlänger, wer sich vor dem Romantizismus schützen will, dem empfehle ich sich in Pick-Up einzulesen. Man tut der Liebe unrecht, wenn man versucht sie zu einem Ideal zu überhöhen, dem sie nicht entsprechen kann. Überzogene Erwartungen sind der sicherste Weg zur Enttäuschung. Baut man seinen Lebensplan auf solche Ideale und Erwartungen, kann die folgende Enttäuschung existenzvernichtend sein.

3 Antworten to “Manipulative Charaktere – Eins, Die Romantikerin”

  1. Manifold Says:

    Endlich spricht mal jemand die Tatsachen aus. Jeder zweite Mann riecht den Braten, welche uns die Frauen in Sachen Romantik vorsetzen und spüren instinktiv, dass da mehr dahinter sein muss, als simple Nächstenliebe.

    Auch die übertriebene Unterwürfigkeit der Männer gegenüber ihren Frauen, wie sie sehr häufig in Filmen und Serien dargestellt wird, stösst mich ab. Zum Beispiel das Knien vor der Frau bei einem Heiratsantrag oder dass sich der Mann erst einmal für alles entschuldigen muss, damit eine Diskussion über den vorherigen Streitfall erfolgen kann. Oder dass er zugeben muss, dass er ein Arschloch sei …

    Die Liste ist lang und geht wohl ursprünglich auf den ritterlichen Minnedienst aus dem Mittelalter zurück und wurde dann über die Idee des Gentleman in die Moderne transportiert …

    Gruss,
    Manifold

  2. Michel Says:

    Instinktiv spüren das leider nur wenige. Schlechte Erfahrungen führen dazu die Rollenvorbilder zu hinterfragen, auch wenn es einen zunächst nicht bewusst ist, was genau einen zu schaffen macht. Zumindest mir ging es so das ich lange Zeit eine ungute Ahnung mit mir herumtrug, bis mir klar wurde wie es sich mit der Romantik wirklich verhält.

    Bei dieser Unterwürfigkeit kann ich inzwischen auch nicht mehr hinsehen.

    Gruß,
    Michel

  3. Medea Says:

    Überall stößt man auf Pick Up. Faszinierend :)
    Schön auf den Punkt gebracht, die „romantische Manipulation“, wenn auch schon länger her…und auch verständlich für Normalsterbliche, die nicht teil der „Szene“ sind. Cool!

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