Manipulative Charaktere – Vier, Der Anwalt

Neulich hatte ich mit einem Kollegen eine äußerst unerfreuliche Auseinandersetzung. Mein Kollege ist was Essen angeht etwas eigen und kann es z.B. nicht vertragen, wenn jemand Lebensmittel wegwirft. So eröffnete er das Gespräch mit der Theorie, es sei O.K. die Kantine um eine Extraportion zu betrügen, da sie das Essen nachher sowie so wegschmeißen. Dieser Einwurf erntete prompt Widerspruch, es sei für die Betreiber unmöglich so zu planen, dass die Portionen genau aufgehen. Daraufhin entgegnete mein Kollege er sehe nicht die Notwendigkeit etwas wegzuwerfen, da es immer noch jemanden gäbe dem man das Essen schenken könnte. An dieser Stelle verlor ich die Geduld und es entschlüpfte mir ein ‚wo lebst du eigentlich‘. Daraufhin bemühte ich mich das Gespräch schnell abzubrechen, allerdings konnte mein Kollege noch einem ‚wie unsachlich‘ ein ‚Hauptsache dir geht es gut‘ nachschieben.

Interessant an dieser Begegnung finde ich, dass sie etwas Einblick in die Motive der Menschen verschafft, die völlig zweifelbefreit ihrer Position durchzudrücken versuchen. Der Zweck den mein Kollege zu verfolgen scheint, ist das Los der verarmten besser zustellen. Weil seine diesem Ziel dienenden Forderungen offenbar unsinnig sind, kann man davon ausgehen, dass er sich nie darüber Gedanken gemacht hat, was ihm förderlich ist und was nicht. Wenn sein Interesse aber nicht dem Zweck seiner Forderungen gilt, muss es die Forderung, andere sollen ihre Handlungsweisen ändern, selbst sein, was er beabsichtigt. Mit anderen Worten es geht ihm um Macht. Dazu passt, dass er in sein Verhalten häufig Dominanzgesten einfügt.

Sich zum Anwalt fremder Interessen zu machen ist aus zwei Gründen für solche Menschen günstig. Zum ersten kommt es einem Bedürfnis nach Harmonie entgegen, wenn die Gegensätze der Bedürfnisse Einzelner durch ein vermeintlich gemeinsames Ziel verdeckt werden können und ist damit geeignet den Gesprächsparteien Entspannung zu verschaffen. Da es angenehmer ist auf so einer Grundlage zu argumentieren, erlernt man sehr früh gemeinsame Ziele und Altruismus als etwas Erstrebenswertes zu sehen. Zum zweiten gelingt es eine Bitte an die Gesprächspartner heranzutragen ohne der Gefahr ausgesetzt zu sein, das Erwartungen nach Gegenleistungen geweckt werden. Richtet jemand eine Bitte an uns neigen wir dazu dieser nachzukommen, da wir den Bittsteller nicht unnötiger Weise vor den Kopf stoßen wollen, allerdings erwarten wir auch, dass sich man sich bei Gelegenheit bei uns revanchiert. Dem Anwalt gelingt es diese Verhaltensweise dazu zu verwenden, ein Machtgefälle aufzubauen, in dem er Bitten an der Stelle von Menschen vorträgt, die gar nicht anwesend sind. Die Anderen werden sich in aller Regel, schon aus einem Reflex heraus, von ihm beeinflussen lassen, können aber keine an ihn gerichteten Erwartungen aufbauen, da dieser vordergründig nicht der Begünstigte war. Auf diese Weise kann der Anwalt das Spiel beliebig oft wiederholen, ohne gefahrzulaufen die Anderen zu verärgern. In dem Moment, da sich andere nach den Anweisungen des Anwalts richten, ist das Machtgefällt aufgebaut.

Meines Erachtens ist der wesentliche Grund dafür, dass Intellektuelle zu linken Positionen neigen, der, dass diese besonders gut geeignet sind, die Position des Anwalts einzunehmen. Vermutlich wurde der Gutteil linker Positionen zu diesem Zweck entwickelt.

Anmerkung: Dem Leser, der durch die Darlegungen meines Kollegen verwirrt wurde und sich auch nicht durch das Argument zufrieden stellen lässt, dass die Betreibergesellschaft neben ihren eigentlichen Zwecken unmöglich allen Forderungen nachkommen kann, die ihre Kunden an sie richtet, sei Folgendes nahe gelegt. Jedem Sozialhilfeempfänger ist es zuzumuten, sich seine Lebensmittel selbst zu kaufen. In Frankfurt geht man von etwa 300 Obdachlosen aus, der Betreiber verköstigt pro Tag mehrere zehntausend Menschen. Die Schwierigkeit ist es also nicht die Nahrung bereitzustellen, von der gibt es mehr als genug, sondern die Hilfsangebote in einer Weise darzubieten, in der sie auch angenommen werden (niedrigschwelleige Angebote).

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