Geistiges Eigentum und das kollektive Gedächtnis

Für viele Verfechter des geistigen Eigentums steht fest, dass es ohne geistiges Eigentum viel weniger kreative Schöpfungen existieren würden und Einschränkung der Freiheit, die mit dem geistigen Eigentum einher geht, damit gerechtfertigt ist. Ich halte diese These schon für gewagt, aber gehen wir einen Moment davon aus, das wegen dem geistigen Eigentum tatsächlich mehr Werke geschaffen werden. Heißt das automatisch auch der Pool an Werken, aus dem der Einzelne schöpfen kann, größer ist? Nein, denn durch das geistige Eigentum verschwinden auch viele Werke wieder aus dem kollektiven Gedächtnis.

Ein Buch, Computerspiel oder Film erhalten kurz nach ihrer Erscheinung die meiste Aufmerksamkeit. Viele Menschen verwenden neuerschienene Werke, sie sind in den Medien und man spricht darüber. In der Regel geraden diese Dinge aber wieder in Vergessenheit. Je länger seine Veröffentlichung zurückreicht, desto schwieriger wird es, das Werk zu an sich bringen. Wie jeder sicher selbst schon erlebt hat. Es kommen daher immer weniger Menschen damit in Kontakt. Damit schwindet auch das Wissen, dass es dieses Werk überhaupt gibt. Schließlich ist es ganz aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden. Es verstaubt in Bibliotheken ohne, dass es je ein Mensch wieder zur Kenntnis nimmt. Nur wenige Klassiker können diesem Schicksal entgehen.

Das Geistige Eigentum ist für diesen Prozess entscheidend. Es verbietet, ein Werk zu vervielfältigen, wenn man einer Kopie habhaft werden konnte und verhindert, dass man so zu seiner Weiterverbreitung beitragen kann. Das geistige Eigentum fordert, dass man Werke nur von einer Autorisierten Quelle beziehen kann. Dadurch schafft es Probleme, wenn sich der Lebenszyklus einer Schöpfung dem Ende nähert. Die Nachfrage ist dann so gering, dass alle Stellen, die dazu autorisiert wurden, den Vertrieb einstellen. Wäre es in diesem Stadium möglich, das Werk ohne weiteres zu kopieren, könnte jeder der es besitzt als Multiplikator dienen und es so im kollektiven Gedächtnis halten.

Der Nutzen des geistigen Eigentums ist also sehr fraglich. Selbst wenn es tatsächlich zu mehr künstlerischer Produktion führt, ist es wahrscheinlich, dass der Verlust durch in Vergessenheit geratene Werke den Gewinn übersteigt.

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2 Antworten to “Geistiges Eigentum und das kollektive Gedächtnis”

  1. ajal Says:

    Heute endet der Urheberrechtsschutz 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers. Das ist tatsächlich lang genug um aus dem Gedächntis zu verschwinden.

  2. Robert Michel Says:

    @ajal: Was mich besonders stört, ist dass es am Tod des Urhebers fest gemacht wird und nicht an der Veröffentlichung. Wenn man die Urheber nicht ermitteln kann, kann man sehr lange Zeit nicht sicher sein, ob man ein Werk verbreiten kann ohne Gefahr zu laufen verklagt zu werden.

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