Was für wirtschaftliche Freiheit spricht

Liberale stehen im Verdacht herzlose, kalte Menschen zu sein, denen Geld wichtiger ist, als Wohl und Wehe von Unbill betroffener Menschen. Eine Ursache hat diese Wahrnehmung m.E. in den ökonomischen Argumenten, denen sich Liberale bedienen. Blickt man in ein Lehrbuch der Ökonomie ist die oberste Frage tatsächlich die, ob effizient mit Ressourcen umgegangen wird. Dies ist der eigentliche Gegenstand der ökonomischen Forschung. Obwohl wissenschaftlich einwandfrei schaffen es ökonomische Argumente in der Regel nicht die Öffentlichkeit zu überzeugen, das legt den Verdacht nahe das Werturteile der Grund für den Dissens sind.
Wenn man sich schon an utilitaristischen Normen orientiert, ist ein Indikator für die Lebenszufriedenheit aussagekräftiger als rein materielles Wohlergehen. Tatsächlich zeigt die Glücksforschung, dass materieller Reichtum auf die Lebenszufriedenheit nur geringen Effekt hat, wenn ein bestimmtes Niveau (1995: 13,000$) überschritten wurde (1). Insofern hat die Geringschätzung schnöden Mammons eine gewisse Berechtigung. Es erscheint daher ratsam, dass man in politischen Auseinandersetzungen weniger Anhand des materiellen Reichtums argumentiert, sondern andere Kriterien zurate zuziehen. Ein wichtiges Kriterium, das in polit-ökonomischen Entscheidungen eine Rolle spielt und deutlich mit der Lebenszufriedenheit korreliert, ist die Kontrolle über das eigene Leben (2). Politische Maßnahmen sollten nicht dazu führen, dass Individuen diese Kontrolle verlieren.

Linke sprechen in diesem Zusammenhang oft den Unterschied zwischen negativer und positiver Freiheit an und befürworten die positive. Die bedeutet in der Praxis nicht anderes als alle Menschen ohne Vorbedingung mit ein bestimmtem Einkommen auszustatten. Was hier übersehen wird, ist das Kontrolle über das eigene Leben zu haben die Möglichkeit, zu scheitern, einschließen muss. Martin E.P. Seligman konnte zeigen, dass Menschen, denen unabhängig von den eigenen Handlungen ausschließlich positives Wiederfährt, erst den Antrieb verlieren selbst aktiv zu werden und dann depressiv werden (3). Die Menschen sollten nicht vor den Konsequenzen ihrer Handlungen geschützt werden. Eine Person, die Kontrolle ausübt und die Konsequenzen dafür trägt, hat Verantwortung.

Es ist also sinnvoll Maßnahmen zu unterstützen, die die Verantwortung der Personen für ihr Leben achten und bewahren, selbst wenn dies mit materiellen Einbußen verbunden ist. Dies wird durch die Institutionen des Privateigentums und der Vertragsfreiheit gewährleistet. Auf politischer Ebene ist der Respekt vor diesen Institutionen das Maß an wirtschaftlicher Freiheit. Nach diesen Ausführungen wird es nicht überraschen, dass es einen starken Zusammenhang zwischen der wirtschaftlichen Freiheit und dem subjektiven Glücksempfinden in einem Land gibt (4), sogar einen stärkeren als, den zwischen der politischen Freiheit oder der persönlicher Freiheit und Glücksempfinden.

Was anfing als quasi-utilitaristische Argumentation endet als Plädoyer für liberale Prinzipen, die auch deontologisch begründet werden. Liberale haben allen Grund auf diese Prinzipien stolz zu sein. Um sie zu vermitteln sollte weniger an den Geldbeutel der Menschen appelliert werden, sondern an die Fähigkeit, Einfluss auf sein eigenes Leben zu haben.

Ich gebe zu das war sehr komprimiert argumentiert, daher empfehle ich zur Vertiefung die Beschäftigung mit meinen Quellen:

[1] R Inglehart, HD Klingemann – Culture and subjective well-being, 2000

[2] R Larson – Psychological Reports, Is feeling“ in control“ related to happiness in daily life?  1989

[3] Martin E.P. Seligman – ‘Helplesness. On Depression, Development and Death’, San Francisco 1975 (dt. ’Erlernte Hilflosigkeit’ ISBN 978-3-407-22016-5)

[4] R Veenhoven – ‘FREEDOM AND HAPPINESS A comparative study in 46 nations in the early 1990’s’, Punkt 4.2

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