Warum es unmoralisch ist seine eigenen Interessen zu vernachlässigen

Ich bin gerade dabei „Clean Coder“ von Robert C. Martin zu lesen. In dem Buch geht es eigentlich darum, wie Professionalität in der Software-Entwicklung aussieht, aber einige Ideen sind sehr aufschlussreich und lassen sich weiter spinnen. Eine zentrale Forderung Martins ist das ein Entwickler Verantwortung übernehmen muss. Er ist der Meinung, dass viele Probleme daher rühren, dass Entwickler nicht bereit sind sich verantwortungsvoll und professionell zu verhalten. Warum es so schwer ist Verantwortung zu übernehmen wird besonders beim Thema Nein-Sagen deutlich, dem Martin ein eigenes Kapitel gewidmet hat.

Das Thema Nein-Sagen ist so wichtig, weil Entwickler einem massiven Druck ausgesetzt sind, Zusagen zu treffen, die sie nicht einhalten können. (Zum Beispiel eine neue Funktionalität bis zu einem bestimmten Termin fertig zu stellen.) Laut Martin beugen sich viel diesem Druck, weil es als der einfachste Weg erscheint, eine Konfrontation zu vermeiden. Die Folge ist, dass diese Entwickler nicht mehr ernst genommen werden. Für sie ist es ok, denn wer nicht mehr ernst genommen wird, von dem wird die Last genommen Verantwortung zu tragen. Was aber darunter leidet, ist der Erfolg des Unternehmens, weil zum Beispiel Zeitpläne oder Zusagen gegenüber Kunden nicht eingehalten werden können.

Der Druck entsteht dadurch, dass viele Parteien ein Interesse daran haben ihre Ziele zügig umzusetzen oder selbst Zusagen gegenüber Kunden machen müssen. Der Druck entsteht nicht nur aus eigennützigen Ambitionen, sondern dient durchaus dem Gesamterfolg. Problematisch wird er da, wo ein Korrektiv fehlt. Dieses Korrektiv ist das Eigeninteresse des Entwicklers. Ob es also zu bestimmten Zusagen kommt,  hängt vom Verhandlungserfolg zwischen Entwickler und anderen Parteien ab. Dieses Vorgehen ist effizienter als die Alternativen, die darin bestünden, dass ein Vorgesetzter die Planung seiner Mitarbeiter übernimmt. Das würde den Vorgesetzen stark belasten und zu schlechteren Ergebnissen führen, weil der Entwickler am besten einschätzen kann, welche Zusagen er machen kann und welche nicht.

Dem gemeinsamen Interesse ist also dann am besten gedient, wenn die Einzelnen ihre Eigeninteressen verfolgen und in Verhandlung mit anderen Übereinstimmungen suchen. Der Grund ist, dass keine Einzelperson oder kein einzelner Funktionsträger über genügen Information verfügt, um entscheiden zu können auf welche Weise das gemeinsame Interesse am besten verfolgt werden kann. Wenn also eine Partei ihre Interessen nur unzureichend nachkommt, gehen Aspekte verloren, die das Gesamtergebnis bereichern würden.

Eine Einschränkung muss ich jedoch machen. Es gibt eine Situation in der es nicht zutrifft, dass es geboten ist seine eigenen Interessen in aller Härte zu verfolgen. Das ist, wenn eine Partei Zwang gegen die andere ausüben kann. Das gilt insbesondere auch für mittelbaren Zwang. Also wenn zum Beispiel ein Unternehmensvertreter Regulierungen zu seinen Gunsten durchsetzt. In dieser Situation führen harte Verhandlungen nicht zum besten denkbaren Ergebnis, sondern zu einem ähnlichen Ergebnis, als wenn eine Seite zu nachgiebig gewesen wäre. Um das beste mögliche Ergebnis zu erzielen ist es also notwendig auf Zwang zu verzichten.

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