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Welche Rendite kann man langfristig für Aktien erwarten?

Dezember 17, 2016

Wenn man plant mit welchen Mitteln man seine finanziellen Ziele erreichen möchte, ist es eigentlich unerlässlich zu wissen welche Renditen man mit die einzelnen Anlageklassen erreichen kann. Für die interessantesten Anlageklassen wie Aktien lässt sich das jedoch nicht im Vorhinein sagen. Darin unterscheiden sie sich von festverzinslichen Geldanlagen und das ist meines Erachtens die Ursache für ihre historische Überrendite gegenüber diesen. Um dem Dilemma aus möglichen Überrendite gegenüber Unkenntnis der zukünftigen Rendite zu entkommen, muss der Anleger eine Prognose erstellen welche Rendite er durch seine Aktienanlage erwartet. In diesen Artikel will ich erläutern, wie eine solche Prognose aussehen kann.

Prognosen haben den Nachteil, dass sie eigentlich nie eintreffen. Wir haben jedoch die günstige Situation, dass unsere Prognose nicht exakt sein muss. Es reicht wenn wir eine Mindestrendite angeben können, die mit hoher Wahrscheinlichkeit übertroffen wird. Die einfachste Schätzung der zukünftigen Renditen ist es die Renditen der Vergangenheit fortzuschreiben. Schon bei diesem Versuch lauern einige Fallstricke. Die Rendite an der wir interessiert sind soll eine Prognose des Zukünftigen Vermögens ermöglichen im einfachtesten Fall nach der Formel: zukünftiges Vermögen = heutiges Vermögen * ( 1 + Rendite ) ^ Anlagezeitraum

Nun ist die Rendite bei Aktien nicht konstant, sondern schwankt von Jahr zu Jahr und wird oft sogar negativ. Man muss also einen geeigneten Mittelwert finden. Setzt man in diese Formel das arithmetische Mittel ein, erhält man ein Vermögen das höher ist als das tatsächliche, wie man anhand einer Tabellenkalkulation leicht nachvollziehen kann. Was hingegen tatsächlich funktioniert ist das geometrische Mittel. Wir sind daran interessiert welche Renditen im geometrischen Mittel erzielt wurden und werden.

Der zweite Fallstrick ergibt sich aus der Frage ob das Vermögen zukünftig die gleiche Kaufkraft hat wie heute. Wieviel Inflationssteuer muss der Anleger also im Laufe der Zeit zahlen? Die Frage ist ähnlich schwierig wie die nach der Rendite am Aktienmarkt, denn die Inflation ist schwer zu prognostizieren und die Preissteigerung des eignen Warenkorbs kann von der des offiziellen Warenkorbs abweichen. Wir behalten diese Schwierigkeiten im Hinterkopf, aber verwenden der Einfachheit und Vergleichbarkeit halber die offizielle Inflationsstatistik. Die Frage die uns also interessiert ist, welche realen Renditen konnten an den Aktienmärkten im geometrischen Mittel erzielt werden.

Die beste Zusammenstellung der historischen Renditen, die ich kenne ist das Credit Suisse Investment return Yearbook. Zusammenfassend kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass von 1900 bis 2012 die weltweite, anualisierte Realrendite etwa 5% betrug. Die Renditen vielen jedoch von Nation zu Nation sehr unterschiedlich aus, so dass sich ein tieferer Blick in die Studie lohnt. Fälle die besonders herausstechen sind China und Russland, dort hat die jeweilige Machtergreifung der Kommunisten zu einen Totalverlust aller Anlagen geführt.

Lässt sich eine bessere Schätzung erreichen, wenn man weitere Informationen hinzunimmt? Die reale Rendite die am Aktienmarkt erreicht wird, richtet sich nach drei Faktoren: Die Anfänglichen Dividendenrendite, die Veränderungen der realen Gewinne je Aktie und der Veränderung des Kurs-Gewinn-Verhältnisses. Die anfängliche Dividendenrendite ist bekannt. Die Änderungen des Kurs-Gewinn-Verhältnis haben über lange Zeiten betrachtet nur einen geringen Einfluss auf die Rendite. Wir machen also sicher keinen großen Fehler, wenn wir einfach annehmen, dass es am Ende der Zeit ungefähr die gleiche Höhe hat wie heute. Die große Unbekannte ist also, wie sich die realen Gewinne je Aktie entwickeln.

Man könnte versucht sein, das langfristige Wirtschaftswachstum zu verwenden, um abzuschätzen wie sich realen Gewinne je Aktie entwickeln. Es hat sich jedoch gezeigt, dass die Gewinne pro Aktien deutlich hinter dem Wirtschaftswachstum zurückfallen. Die Gründe dafür sind, dass ein Teil des Wachstums auf neu gegründete Unternehmen entfällt und bestehende Unternehmen ihr Wachstum oft dadurch finanzieren, dass sie neues Kapital aufnehmen und somit der Gewinn pro Aktie verwässert wird. Des Weiteren kann sich der Anteil der Unternehmensgewinne am Sozialprodukt ändern. In den letzten Jahren war das Gewinnwachstum je Aktie überdurchschnittlich, was vor allem darauf zurückzuführen war, dass dieser Anteil gestiegen ist. Im langfristigen Mittel sind die Gewinne pro Aktie um 1,7% pro Jahr gestiegen. Bei einer Dividendenrendite von 2,7 Prozent für den DAX ergibt sich eine zu erwartenden reale Rendite von 4,4%.

Geht es noch einfacher? Der Autor dieses lesenswerten Artikel trifft eine Prognose allein auf Basis der relativen Nachfrage nach den unterschiedlichen Anlageklassen: the single greatest predictor of future stock market returns. Er kam in 2013 auf eine Prognose von 6% nominal Rendite.

Wir haben insgesamt gesehen, dass wenn man sich als Anleger Gedanken über die Rendite der verschiedenen Anlageklassen macht die reale geometrische Rendite ausschlaggebend ist. Nominalrenditen oder arithmetisch gemittelte Werte zeichnen ein zu positives Bild. Aktien haben sich historisch mit 5% rentiert, ausgehend von Ausschüttung von 2,7% und einem langfristigen Wachstum der Gewinne pro Aktien von 1,7% kann man für die Zukunft eine Rendite von 4,4% erwarten.