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Gedanken zu Mai-HiME

September 28, 2009

Ein großer Fan von Animes wird über kurz oder lang über Mai-HiME, eine Serie aus dem magical Girls Genre, stolpern. Obwohl sie eher der seichten Unterhaltung und nicht der anspruchsvollen zuzurechnen ist, enthält die Handlung einige Elemente, über die es sich lohnt Gedanken zu machen. Das Konzept der Serie ist denkbar einfach, baue in einem ersten Teil die Charaktere auf bis sie dem Zuschauer so richtig ans Herz gewachsen sind und räume sie in einem zweiten Teil einen nach dem anderen ab.

Zugegeben der erste Teil (Die Folgen 1 bis 12 oder 13) hat seine Längen und wäre nur durchschnittlich, wenn nicht der Soundtrack einiges hermachen würde (Yuki Kajiura!). Im zweiten Teil gewinnt die Serie jedoch deutlich an Dramatik und Tiefe. Um die einzelnen Charaktere abzuräumen entfalten sich eine Reihe interessanter Konflikte. Einer dieser Konflikte ist der Grund dafür, dass ich über Mai-HiME schreibe.

Wahrscheinlich ist schon jeder mit Interesse an philosophischen Fragen auf folgendes Paradox gestoßen: Ein Altruist bezieht sein Wohlergehen aus dem Glück anderer Menschen. Wenn nun jeder Altruist wäre, um wen müssten sich die Menschen kümmern? Tatsächlich wäre das der Punkt, an dem sich der Altruismus spätestens selbst aufhängen würde. Obwohl ich diese Argumentation logisch für vollkommen überzeugen halte, konnte ich mir keine Situation vorstellen in der dieses Problem tatsächlich relevant würde. Bis ich Mai-HiME gesehen haben. Dort kommt die Beziehung der Hauptprotagonistin, Mai Tokiha, zu ihrem Bruder Takumi dem Scenario des Paradoxes erstaunlich nahe.

Die Geschichte von Mai und Takumi trägt zum Dramafaktor der Serie bei. Sie verloren in der Kindheit ihre Eltern und wäre das nicht genug leidet Takumi an einer Herzkrankheit die ihn körperlich anfällig und von regelmäßiger Medikamenteneinnahme abhängig macht. Abhilfe verspricht allein eine teure Operation in einer amerikanischen Spezialklink. Mai glaubt die Schuld an dem Zustand ihres Bruders zu haben und opfert den größten Teil ihrer freien Zeit, um Nebenjobs anzunehmen, die das für die Operation nötige Geld einbringen sollen. In der Serie wird hervorragend dargestellt mit welchen Entbehrungen Mai in dieser Situation zu kämpfen hat. Obwohl sie äußerlich immer gut gelaunt wirkt, ist sie innerlich verzweifelt. Als Tkumis Operation schließlich möglich wird, zögert er, sehr zu Mais Überraschung. Er weiß um Mais Seelenzustand und verurteilt sich für die Belastung, die seine Existenz für Mai bedeutet. Als Mei davon erfährt ist sie dem Zusammenbruch nahe; ihr harter Kampf erscheint vergeblich und kontraproduktiv gewesen zu sein. Die Dinge kommen zu einer guten Wendung als es einem Freund gelingt Takumi davon zu überzeugen,  dass er es wert sei weiterzuleben.

Mai und Takumi sind sich gegenseitig so wichtig, dass sie auf ihr eigenes Glück verzichten, wenn es für das Wohlergehen des anderen nötig ist. Aber anstatt das es sie einander stärkt, würde diese Art Beziehung in eine Katastrophe führen, wenn nicht beide fähig wären sich selbst etwas gönnen (was in der Serie sicherlich besser dargestellt ist als ich es hier beschreiben kann).

Mai-HiME ist eine Serie, die man sich ansehen sollte, wenn man die Gelegenheit dazu hat. Die Charaktere sind, obwohl sie auf den gängigen Animeklischees aufbauen, sehr glaubwürdig. Die Motive einiger von ihnen fordern das moralische Urteilsvermögen des Zuschauers heraus, ein Charakter demonstriert das destruktive Potential eines manichäischen  Weltbilds. Vielleicht hat mir das Anime auch wegen seiner liberalen Botschaften so gut gefallen.

Manipulative Charaktere – Vier, Der Anwalt

Februar 9, 2009

Neulich hatte ich mit einem Kollegen eine äußerst unerfreuliche Auseinandersetzung. Mein Kollege ist was Essen angeht etwas eigen und kann es z.B. nicht vertragen, wenn jemand Lebensmittel wegwirft. So eröffnete er das Gespräch mit der Theorie, es sei O.K. die Kantine um eine Extraportion zu betrügen, da sie das Essen nachher sowie so wegschmeißen. Dieser Einwurf erntete prompt Widerspruch, es sei für die Betreiber unmöglich so zu planen, dass die Portionen genau aufgehen. Daraufhin entgegnete mein Kollege er sehe nicht die Notwendigkeit etwas wegzuwerfen, da es immer noch jemanden gäbe dem man das Essen schenken könnte. An dieser Stelle verlor ich die Geduld und es entschlüpfte mir ein ‚wo lebst du eigentlich‘. Daraufhin bemühte ich mich das Gespräch schnell abzubrechen, allerdings konnte mein Kollege noch einem ‚wie unsachlich‘ ein ‚Hauptsache dir geht es gut‘ nachschieben.

Interessant an dieser Begegnung finde ich, dass sie etwas Einblick in die Motive der Menschen verschafft, die völlig zweifelbefreit ihrer Position durchzudrücken versuchen. Der Zweck den mein Kollege zu verfolgen scheint, ist das Los der verarmten besser zustellen. Weil seine diesem Ziel dienenden Forderungen offenbar unsinnig sind, kann man davon ausgehen, dass er sich nie darüber Gedanken gemacht hat, was ihm förderlich ist und was nicht. Wenn sein Interesse aber nicht dem Zweck seiner Forderungen gilt, muss es die Forderung, andere sollen ihre Handlungsweisen ändern, selbst sein, was er beabsichtigt. Mit anderen Worten es geht ihm um Macht. Dazu passt, dass er in sein Verhalten häufig Dominanzgesten einfügt.

Sich zum Anwalt fremder Interessen zu machen ist aus zwei Gründen für solche Menschen günstig. Zum ersten kommt es einem Bedürfnis nach Harmonie entgegen, wenn die Gegensätze der Bedürfnisse Einzelner durch ein vermeintlich gemeinsames Ziel verdeckt werden können und ist damit geeignet den Gesprächsparteien Entspannung zu verschaffen. Da es angenehmer ist auf so einer Grundlage zu argumentieren, erlernt man sehr früh gemeinsame Ziele und Altruismus als etwas Erstrebenswertes zu sehen. Zum zweiten gelingt es eine Bitte an die Gesprächspartner heranzutragen ohne der Gefahr ausgesetzt zu sein, das Erwartungen nach Gegenleistungen geweckt werden. Richtet jemand eine Bitte an uns neigen wir dazu dieser nachzukommen, da wir den Bittsteller nicht unnötiger Weise vor den Kopf stoßen wollen, allerdings erwarten wir auch, dass sich man sich bei Gelegenheit bei uns revanchiert. Dem Anwalt gelingt es diese Verhaltensweise dazu zu verwenden, ein Machtgefälle aufzubauen, in dem er Bitten an der Stelle von Menschen vorträgt, die gar nicht anwesend sind. Die Anderen werden sich in aller Regel, schon aus einem Reflex heraus, von ihm beeinflussen lassen, können aber keine an ihn gerichteten Erwartungen aufbauen, da dieser vordergründig nicht der Begünstigte war. Auf diese Weise kann der Anwalt das Spiel beliebig oft wiederholen, ohne gefahrzulaufen die Anderen zu verärgern. In dem Moment, da sich andere nach den Anweisungen des Anwalts richten, ist das Machtgefällt aufgebaut.

Meines Erachtens ist der wesentliche Grund dafür, dass Intellektuelle zu linken Positionen neigen, der, dass diese besonders gut geeignet sind, die Position des Anwalts einzunehmen. Vermutlich wurde der Gutteil linker Positionen zu diesem Zweck entwickelt.

Anmerkung: Dem Leser, der durch die Darlegungen meines Kollegen verwirrt wurde und sich auch nicht durch das Argument zufrieden stellen lässt, dass die Betreibergesellschaft neben ihren eigentlichen Zwecken unmöglich allen Forderungen nachkommen kann, die ihre Kunden an sie richtet, sei Folgendes nahe gelegt. Jedem Sozialhilfeempfänger ist es zuzumuten, sich seine Lebensmittel selbst zu kaufen. In Frankfurt geht man von etwa 300 Obdachlosen aus, der Betreiber verköstigt pro Tag mehrere zehntausend Menschen. Die Schwierigkeit ist es also nicht die Nahrung bereitzustellen, von der gibt es mehr als genug, sondern die Hilfsangebote in einer Weise darzubieten, in der sie auch angenommen werden (niedrigschwelleige Angebote).