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Warum ich (k)ein Biologist bin

Dezember 8, 2010

In zwei meiner früheren Artikel argumentierte ich mit biologisch vorgegebenen Dispositionen. In „Männlichkeit als Bedrohung und Triebfeder“ beschrieb ich das ausgeprägte Konkurrenzstreben von Männern und die gesellschaftlichen Reaktionen auf dieses. In „Warum Geschlechtsdifferenz nicht gleich Diskriminierung ist“ wie der Umstand, dass das Konkurrenzstreben bei Frauen weniger stark ausgeprägt ist, zu Unterschieden in den Lebensentwürfen führen, die sich auch in der Lohn- und Gehaltstatistik niederschlagen.

Solche Argumente haben immer etwas Anrüchiges. Konfrontiert man etwa Feministen mit Argumente, die auf evolutionsbiologischen Überlegungen basieren, wird auf diese gar nicht erst eingegangen, sondern bestenfalls wird darauf verwiesen, dass die Überlegungen das Produkt der herrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse sind und somit keine Beweiskraft haben. Trifft man auf die üblere Sorte kann es einen passieren, das einem unterstellt wird, Frauen von Natur aus einen Platz zuzuweisen oder den Nazis das Wort zu reden. Argumente, die sich auf die biologischen Vorgaben beziehen, müssen also zwei Kritiken standhalten einer erkenntnis- theoretischen und ethischen.

Die Erkenntnistheoretische Sicht geht auf den Ideologiebegriff Karl Marx zurück. Dem zufolge dienen die jeweils vorherrschenden Ideen der herrschenden Klasse, indem sie die eigentlichen Machtverhältnisse verschleiern und rechtfertigen. Es wird in solchen Kritiken eine Petitio principii unterstellt, die Machtverhältnisse strukturieren die Erwartungen an den Forschungsgegenstand und diese Erwartungen führen zu Thesen, die die Machtverhältnisse rechtfertigen.

Das ist oberflächlich gesehen plausibel. Dass diese Kritik falsch ist, ergibt sich erst wenn man sich mit den Details der Forschung beschäftigt. So ist es leicht sich Ergebnisse für offene Fragestellungen zu überlegen, die mit den Erwartungen und verwendete Methoden vereinbar sind, aber die Machtverhältnisse nicht decken. Oder man betrachtet die Ergebnisse die die gesellschaftlichen Strukturen nicht decken, etwa dass die sexuellen Vorlieben der Menschen nur teilweise der Monogamie entsprechen. Zu guter Letzt ist es noch nicht mal überraschend, dass sich die bestehende Verhältnisse durch manche empirischen Befunde rechtfertigen lassen, denn die Verhältnisse müssen sich an die empirische Realität anpassen, um bestehen zu können.

Eine Erkenntnistheoretische Kritik von Argumenten müsste weit mehr leisten als der Verweis auf die Ideologiekritik. Sie müsste zeigen welche Vorstellungen der kritisierten These zugrunde liegen, wie diese zustande kommen und dass ohne sie die These nicht aufrechtzuerhalten ist. Gerade der letzte Punkt erfordert viel Sachkenntnis. Mit ist jedoch kein Fall bekannt, in dem eine derart detaillierte Kritik geleistet wurde. Die meisten Poststrukturalisten bleiben auf der Ebene der Allgemeinplätze stehen.

Kommen wir zur normativen Kritik des Biologismus. Der verbreiteteste Vorwurf ist das durch ihn die gesellschaftlichen Rollen fixiert werden. Es wird ihm die Position untergeschoben, dass Frauen und Männer ein bestimmtes Wesen hätten und Abweichungen von diesem zu bekämpfen seien. Das folgt natürlich nicht, aus dem Verweis auf biologisch vorgegebenen Dispositionen. Die empirisch-induktive Methode der Naturwissenschaften macht es unmöglich endgültige Aussagen über das Wesen einer Sache zu treffen. Wenn man einen Menschen trifft, der von dem abweicht, was man für das Wesen des Menschen hält, erfordert die wissenschaftliche Methode, dass man die Vorstellung vom Wesen des Menschen revidieren und nicht die Erscheinung des Abweichenden bekämpfen. Daher sind Versuche Wesens- zuschreibungen biologisch zu stützen pseudowissenschaftlich.

Solche Wesenszuschreibungen können auf zwei Arten verwendet werden. Zum einen können Unterschiede zwischen Populationen verwendet werden, um Diskriminierungen auf individueller Ebene zu rechtfertigen. Das ist natürlich Unsinn, da das Verhalten und die Eigenschaften der Einzelnen durch die Zugehörigkeit zu einer Population nicht vollständig determiniert sind. Es besteht immer die Möglichkeit von Abweichungen. Weil Grünäugige im Schnitt bessere vertrauenswürdiger sind als Blauäugige, kann man per se nicht alle Grünäugigen den Blauäugigen vorziehen, wenn es darum geht verantwortliche Positionen zu besetzten. Zum anderen können Unterschiede zwischen Populationen geleugnet werden. Hier wird eine Wesensgleichheit behauptet, die faktisch nicht vorhanden ist. Im Beispiel würde man aus dem zu erwartenden Umstand, dass Grünäugige häufiger in verantwortliche Positionen zu finden sind, schießen das Blauäugige diskriminiert werden und Maßnahmen fordern, die diesen Umstand beseitigen.

Die Kritik das gesellschaftliche Rollen fixiert werden, geht noch weiter. Wenn sich durch tatsächlich gegebene Fakten der Natur sozialer Unterschiede rechtfertigen lassen, wird es schon attackiert, diesen Umstand zu benennen. Anders als in der erkenntnistheoretischen Kritik geht es hier nicht mehr, um die Frage ob die gegebenen Fakten soziale Unterschiede tatsächlich rechtfertigen, sondern allein dass Unterschiede gerechtfertigt werden, ist Anlass genug, die entsprechende These zu verwerfen. Der Fehler liegt hier bereits in der Prämisse, dass alle sozialen Unterschiede zu bekämpfen wären. Soziale Unterschiede an sich müssen nicht Ausdruck von Ungerechtigkeit sein, erst wenn sie durch ungerechte Handlungen herbeigeführt wurden, sind sie das. Um zu zeigen, dass die bestehenden Unterschiede ungerecht sind, müsste gezeigt werden, dass systematisch ungerechte Handlungen begangen werden, die zu diesen Unterschieden führen. Meist wird jedoch in die Gegenrichtung argumentiert. Der Umstand das soziale Unterschiede bestehen zeige, dass ungerechte Handlungen bestehen müssen. Gerade dieser Schluss ist falsch.

Wir haben also gesehen, dass die Kritik am sogenannten Biologismus auf weltanschaulichen Prämissen beruht, die beim näheren Hinsehen in der Luft hängen. Das trifft sowohl auf die poststrukturellen auf die Erkenntnismöglichkeiten zielenden, als auch auf die normativen Kritiken zu. Sie machen nur dann Sinn wenn man sich ohnehin im linken Denken bewegt, können aber niemanden überzeugen, der die linke Gesinnung nicht teilt.

Warum Geschlechtsdifferenz nicht gleich Diskriminierung ist

November 10, 2010

So ziemlich jedes Mal wenn eine Person des öffentlichen Lebens Frauen nicht als arme vom Patriarchat unterdrückte Opfer ansieht, sondern als mündige Menschen, die über ihr Leben selbst bestimmen können, wird Gehaltsdifferenzkeule ausgepackt. Zeigt nicht die Differenz in den Löhnen, dass Frauen massiv benachteiligt werden? Und wer das nicht sofort bejaht, wird sogleich beschimpft, er hätte ja keine Ahnung und solle die Klappe halten.

Aber die Differenz in den Löhnen zeigt tatsächlich nicht, dass Frauen massiv benachteiligt werden. Dem Schluss von der Differenz auf die Diskriminierung liegt die Annahme zugrunde, dass sich bei der Abwesenheit von Benachteiligungen eine Gleichverteilung einstellen würde und daher der Umstand, dass keine Gleichverteilung vorliegt, offenbart, dass Benachteiligungen vorliegen. Der Verweis darauf die Ungleichverteilung auf individuelle Entscheidungen zurückzuführen sind, die auf unterschiedliche Einkommenserwartungen bei Männer und Frauen führen, kann noch gekontert werden. Es müssen strukturelle Ursachen dafür benannt werden, dass Männer Berufe mit höheren Einkommenserwartungen wählen, bzw. dafür dass die Berufe die für Frauen besonders attraktiv sind an Ansehen und Gehaltsmöglichkeiten verlieren. Diese Ursachen würden die eigentlichen Benachteiligungen ausmachen, heißt es dann ohne zu konkretisieren, welche Ursachen das sein sollen.

Solche strukturellen Ursachen gibt es. Sie kommen dadurch zustande das Status für Männer und Frauen eine andere Bedeutung hat. Es haben zahlreiche Untersuchungen gezeigt, dass Status Männer für Frauen attraktiver erscheinen lässt. Damit lastete auf Männer der Selektionsdruck erfolgreich zu sein. Das heißt, dass Männer auch dann versuchen sich im Wettbewerb gegen andere Männer durchzusetzen, wenn es nicht dazu dient Frauen für sich zu gewinnen. Das hat natürlich gesellschaftliche Auswirkungen. Status und Anerkennung gibt es nicht umsonst, es liegt in ihrer Natur das man etwas aufgeben muss um sie erlangen. Daraus folgt, dass in den prestigekräftigen Berufen nur dann eine Gleichverteilung vorliegen würde, wenn die Abwägung, ob der Gewinn an Ansehen die Opfer wert ist gleich ausfallen würde. Damit ist jedoch nicht zu rechnen, da für Männer Status einen größeren Gewinn bedeutet als für Frauen. Sie sind auf diese Art von Status quasi von Natur aus gepolt. (Auch für Frauen ist Status wichtig es handelt sich jedoch um eine andere Art von Status, die sich nicht so stark in Einkommen und Beruf niederschlägt.) Solche Unterschiede stellen keine Benachteiligung dar.

Wie reagieren die Feministen auf derartige Argumente? Lassen sie sich überzeugen? Haben sie selbst überzeugende Gegenargumente? Weder noch! Für sie ist auf die Biologie Bezug zu nehmen pfui und Autobahn. Wer so etwas vertritt muss auf jeden Fall der NPD nahestehen und außerdem zeigt nicht dass es auch Frauen gibt, die in Berufen mit hohem Status oder unweiblicher Konnotation  arbeiten, dass biologische Argumente falsch sind, weil es auf das Individuum ankommt?

Natürlich ist der Einzelne durch die Biologie nicht vollständig festgelegt. Darüber hinaus gibt es in der Biologie kein Musterexemplar jeder Phänotyp weicht von den Grundbauplan seiner Spezies mehr oder weniger ab. Aber um die strukturellen Ursachen festzustellen, die zur Ungleichverteilung des Einkommens führen, reicht es aus Tendenzen aufzuzeigen und genau das haben wir getan.

Das gesagte schließt natürlich nicht aus das es weiter Mechanismen gibt die zur Ungleichverteilung beitragen und die sehr wohl eine Benachteiligung darstellen. Aber die Beweislast liegt bei den Feministen zu zeigen, dass es solche wirklich gibt, wie sie aussehen und wie sie empirisch zu belegen sind. Empirie befreites rumgeschwurbel kann man dem Feminismus nicht mehr durchgehen lassen.

 

Edit: Wie sich die besprochenen Tendenzen im Arbeitsverhalten niederschlagen, kann in der Statistik nachvollzogen werden. Das unterschiedliche Arbeitsverhalten von Männer und Frauen kann die Lohndifferenz zu großen Teilen erklären. Dem hat Christian ein Artikel gewidmet. Auch CK hatte sich schon früher mit diesem Staatsfeministschen Mythos auseinandergesetzt.