Posts Tagged ‘Reichtum’

Vom Reichtum einzelner profitieren alle!

Oktober 5, 2012

Mit der Veröffentlichung des Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung mehren sich wieder einmal die Stimmen, die nach mehr Umverteilung und mehr Besteuerung verlangen. Meiner Meinung nach zeugen solche Forderungen von einem schiefen Wertesystem. Es ist leicht zu durchschauen, dass das Motiv hinter diesen Forderungen nicht ist, das es den Armen besser geht, sondern den Reichen schlechter. Das erkennt man daran, dass durch Umverteilung gar nicht die Mittel bereitgestellt werden können, die nötig wären, um den Lebensstandard der breiten Bevölkerung dauerhaft zu beeinflussen. Die Umverteilung als Mittel für das vorgegebene Ziel also völlig ungeeignet ist.

So liegt das Gesamtvermögen in Deutschland bei etwa 8 Billionen Euro, pro Deutschem rund 100000 Euro. Auf den ersten Blick recht viel, aber das relativiert sich, wenn man überlegt, was man damit anfangen würde. Sicher angelegt würden 10000 Euro ein passives Einkommen von weniger als 170 Euro im Monat bedeuten, würde man das Vermögen der Welt auf jeden Erdenbürger verteilen reicht es sogar nur für ein passives Einkommen von 30 Euro. 170 Euro ist nicht wenig, aber nicht genug um von einem anderen Lebensstandard sprechen zu können. (Dank an Zettel für dieses Argument)Also ist in letzter Konsequenz das Ziel der Umverteilungsdebatte den Reichtum zu zerstören.

Ein weitaus besseres Mittel um den Lebensstandard der Armen zu heben, dürfte es sein den Reichen ihren Reichtum zu lassen und produktiv einsetzten zu lassen. Denn hinter dem Vermögen der Reichen steht letzten Endes der Kapitalstock, der erst die hohen Arbeitseinkommen der entwickelten Welt ermöglichen. Allein durch Investitionen in leistungsfähige Arbeitsmittel, wie etwa Maschinen oder Transportmittel kann die hohe Produktivität erreicht werden,  die sich in hohen Löhnen niederschlägt. Wird der Kapitalstock zerstört, wird auch die Basis für den Wohlstand der breiten Masse vernichtet.

Selbst dann, wenn gar nicht versucht wird den Kapitalstock zu zerstören, sondern ihn durch politische anstatt durch marktwirtschafliche Mittel zu organisieren, ist das Ergebnis die Zerstörung des Kapitalstocks. In der reinsten Form mussten diese Erfahrung die Kommunisten machen. Der Grund ist, dass das Kapital sich nur dann erhalten kann, wenn es wirtschaftlich eingesetzt wird. Das ist nur dann sichergestellt, wenn diejenigen, die über den Einsatz des Kapitals entscheiden, auch von den Erträgen, die das Kapital abwirft profitieren, kann. Andernfalls werden die Entscheidungsträger ihre Entscheidungen nach anderen Kriterien treffen, etwa um ihnen nahestehende Personen zu protegieren oder um politische Vorteile zu gewinnen.

Neben den gesellschaftlichen Nutzen, spricht auch die Moral gegen Umverteilung. Ob jemand Vermögen erwirbt oder nicht hängt direkt von den Entscheidungen ab, die er trifft. Wenn jemand trotz gutem Einkommen, er dieses lieber verkonsumiert, dreimal im Jahr in den Urlaub fliegt und sich ein großes Haus gönnt und kein eben Vermögen bildet, kann derjenige schlecht Ansprüche gegen jemanden anmelden, der sparsam lebt und sein Erspartes klug investiert. Große Vermögen entstehen durch unternehmerisches Engagement. Wer sich nicht unternehmerisch engagiert, kann nicht erwarten ein großes Vermögen aufzubauen und auch nicht von denen, den ein großes Vermögen gelingt, Entschädigung dafür verlangen, dass ihm kein großes Vermögen gelingt.

Vermögen setzt letztlich unternehmerisches Geschick, Risiko und Glück voraus. Glück wird meines Erachtens überschätzt, denn nur der kann sein Glück nutzen, der fähig ist seine Chancen zu erkennen und der sein Kapital im Risiko stehen hat. Ein Vermögen ist oft die Kompensation für das Risiko das man eingegangen ist. In der Regel bedeutet unternehmerisches Risiko wieder bei null anfangen zu müssen, wenn das Geschäft scheitert. Man hat also nur sehr wenige Chancen im Leben, ein großes Vermögen zu machen. Wenn Leute bereit sind ein derartiges Risiko auf sich zu nehmen, um eine Change auf Reichtum zu erhalten, tut man ihnen Unrecht, wenn man versucht sie im Erfolgsfall um ihren Erfolg zu betrügen. Auch Unternehmerisches Geschick fällt niemanden in den Schoß. Man muss es mühsam erwerben und sich dabei mit eher unspannenden Themen, wie Buchhaltung und Wirtschaftsrecht auseinandersetzten. Die Zeit die man opfert um ein guter Unternehmer zu werden, hätte man auch nutzen können um seine Persönlichkeit auf anderen Gebieten weiter zu entwickeln. Der Aufbau eines großen Vermögens ist also immer mit erheblichen Mühen und Risiken verbunden, daher wird ein großes Vermögen immer etwas Seltenes bleiben. Wer die Mühen und Risiken scheut kann auch kein Recht erwerben, an den Vermögen anderer beteiligt zu werden, er erleidet keine Ungerechtigkeit, wenn ihm kein Vermögen zufällt.

Natürlich hat nicht jeder Reiche sein Reichtum auf rechtschaffende Art erworben. Subventionen und Schutz vor Wettbewerbern spielen oft eine große Rolle. Daraus jedoch eine Forderung an jeden aus der Gruppe der Wohlhabenden zu konstruieren, ist dumpfster Kollektivismus. Wichtiger als sich in Vorurteilen gegen Vermögen zu ergötzen ist es die Bedingungen zu bekämpfen unter denen auf unrechtsschaffende Art und Weise Vermögen entstehen kann. Das heißt vor allem den Einfluss der Politik auf die Wirtschaft zurück zu drängen. (Siehe Nutz Wettbewerb den Starken mehr als den Schwachen?)

Wir haben also gesehen, dass Umverteilung im Endeffekt niemanden nützt, außer denen, die durch sie politische Macht erlangen. Dass sie den gesamtgesellschaftlichen Wohlstand bedroht, da mit zunehmender Umverteilung, die Kapitalbildung zurückgeht und das Kapital weniger effektiv eingesetzt wird. Schließlich dass das Vermögen des Einzelnen von seinen Lebensentscheidungen abhängt und die pauschale Verurteilung der Vermögenden, die man in der Reichtumsdebatte oft sieht, nicht gerechtfertigt ist. Rationaler als eine Umverteilung des Vermögens wäre eine Besteuerung der Intelligenz oder der sexuellen Attraktivität.

(Siehe auch Ars Libertatis zur Umverteilung)

Der Josephspfennig und seine Verspätung

August 24, 2011

In dieser von Währungskrisen geschüttelten Zeit ist die Anekdote vom Josephspfennig populär geworden.  Die Überlegung die dahinter steht ist folgende: Angenommen zu der Zeit Jesu hätte jemand einen Pfennig für 5% angelegt, dann wäre sein Vermögen im Laufe der Jahrhunderte auf gigantische 10 hoch 40 Euro angewachsen. Nimmt man zum Vergleich das weltweite Vermögen so findet man heute 10 hoch 14 in Worten einhundert Billionen Euro vor. Aus diesem Missverhältnis werden verschiedene Schlussfolgerungen gezogen.

Die sogenannten Zinskritiker argumentieren, dass es regelmäßig zu Krisen und Währungsreformen kommen muss, die das Geldvermögen immer wieder auf Null setzen, um derartige Übertreibungen zu verhindern. Da es unmöglich ist, die enormen Beträge zusammen zu tragen, müssen derartige Katastrophen jedem System immanent sein, dass das Zinsnehmen zulässt. Der Versuch den Zusammenbruch zu verhindern führe zu einem sogenannten Wachstumszwang und damit verbunden zu Umweltverschmutzung, Konsumterror usw.

Die Gegner der Zinskritiker weisen diese Argumentation zurück, ihnen zufolge werden die astronomischen Summen nicht erreicht, da es immer jemanden geben muss, der diese auch zahlt. Schulden würden nur aufgenommen, wenn es sich für den Schuldner lohnt. Die Zinskritiker verwechselten Ursache und Wirkung. Die Vermögen wachsen, weil sie es können, nicht weil der Zins das erzwingt. Verschätzen sich die individuellen Marktteilnehmer, gehen sie Bankrott und der Geldverleiher verliert sein Vermögen. Die Existenz des Zinses macht Krisen also mit Nichten unausweichlich.

So weit haben die Gegner der Zinskritiker recht, nur bleibt das Rätsel des  Josephspfennig damit noch ungelöst. Wenn der Kapitalstock jedes Jahr um 5% wächst, warum verfügen wir nicht über einen Kapitalstock in astronomischer Höhe? Wenn man annimmt, dass auch nach Abzug der Risikovorsorge ein Zinsüberschuss bleibt, müsste das exponentielle Wachstum des Kapitals im Laufe der Menschheitsgeschichte zu schier unglaublichen Vermögenssummen geführt haben. Nur ist von diesen kaum etwas zu sehen, zumindest nicht in der Höhe die der Josephspfennig nahe legt.

Die eigentliche Lösung des Rätsels ist nicht, dass das Vermögen immer wieder vernichtet wird. Das Kapital über das die Menschheit verfügt, ist allen Katastrophen zum Trotz recht stetig gewachsen. Natürlich gab es häufig Krisen, die viel Kapital vernichtet haben (oder besser aufgedeckt haben, dass Kapital nicht so werthaltig ist wie man dachte). Aber nach jeder Krise blieb mehr Kapital als nach der vorhergehenden. Selbst Kriege machen nur eine kleine Delle im langfristigen Wachstumstrend aus. Die eigentliche Lösung ist, dass bisher die Zeit gefehlt hat um astronomische Vermögen aufzubauen.

Wir müssen daran denken, dass zu Jesu Zeiten kaum jemand bereit gewesen wäre Geld für produktive Zwecke auszuleihen. Damals bestand Vermögen vor allem aus Ackerland, etwas anderes ist für eine agrarisch geprägt Gesellschaft kaum vorstellbar. Kapital im heutigen Sinne wurde nur von Handelsreisenden gebildet, aber hier war der Kapitalbedarf begrenzt.

Diese Situation hat sich erst im Frühkapitalismus geändert. Mit dem Ausbau des Fernhandels wuchs der Kapitalbedarf und neue es entstanden kapitalintensive Produktionsweisen wie beim Übergang vom Verlagswesen zur Manufaktur. Immer mehr Menschen verließen die Subsistenzwirtschaft und wurden Teil der arbeitsteiligen Wirtschaft. Erst ab diesen Zeitpunkt wurde es interessant betriebliches Kapital anzusammeln, erst jetzt konnten Privatpersonen mit beträchtlichen Vermögen, wie die Fugger, auftreten.

Durch den verkürzten Zeitspann ändert sich auch unser Zahlenspiel, der Josephspfennig 1500 angelegt wächst nur noch auf knapp 200 Millionen Euro. Oder ziehen wir ein realistischeres Beispiel zu rate. Jakob Fugger hinterließ 1525 ein Vermögen von 2 Millionen Gulden, was heute 125 Millionen Euro entspricht. Verglichen mit dem Vermögen der heutigen Spitzenreichen, wie Bill Gates mit 50 Milliarden, mag das moderat erscheinen. Man muss sich jedoch verdeutlichen, dass das etwa 10% der Wirtschaftsleistung des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation ausmachte, während ein Bill Gates nur über 0,5% der Wirtschaftsleistung der USA verfügt. Seinem Erben Anton Fugger gelang es dieses Vermögen in 40 Jahren zu verdreifachen, was einer durchschnittlichen Rendite von 2,5% entspricht. Schreiben wir diese Rendite bis auf die heutige Zeit fort, würde das Vermögen der Fugger auf 25,4 Billionen Euro wachsen. Dies wäre zwar immer noch sehr viel, aber ist mit dem heutigen Vermögen der Menschheit von 111 Billionen Euro vergleichbar. Wenn es den Fuggern gelungen wäre über einen so langen Zeitraum tatsächlich als Einheitliche Kapitalformation zu bestehen, wäre es durchaus denkbar, das ihr Kapital einen Betrag in dieser Größenordnung erreicht.

Wir sehen also, dass sich das Mysterium des Josephspfennig in Luft auflöst, wenn man realistische Annahmen zu Grunde legt. Dazu gehören, das man nur den Zeitraum betrachtet in dem auch wirklich Kapitalbildung betrieben wurde und man von einem Zinssatz ausgeht, der sich realistischer Weise langfristig erzielen lässt. Das heißt mit ausreichender Risikostreuung und über die booms and busts der Zeiten gemittelt. Eine Katastrophentheorie wie die Zinskritik ist nicht erforderlich. Vielmehr ist davon auszugehen, dass ebenso wie die heutige Vermögensfülle für eine Person der Vergangenheit unvorstellbar ist die Vermögensfülle der Zukunft für uns unvorstellbar bleibt.