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Blogparade: Schülerfragen zur Eurokrise

Februar 22, 2013

Der Blicklog hat eine Blogparade zur Eurokrise ausgerufen. Die Herausforderung besteht darin in wenigen Absätzen eine Reihe von Fragen schülergerecht zu beantworten. Hier ist mein Beitrag dazu:

  1. Wer ist Schuld an der Krise?

Wahrscheinlich ist es die Euroeinführung gewesen. Der Euro hatte zur Folge das in den Ländern, die heute am stärksten von der Krise betroffen sind, viel zu sehr in bestimmte Dinge investiert wurde. Vor der Euroeinführung waren die Zinsen in Südeuropa und Irland (den GIPS) viel höher als in Deutschland und den Niederlanden. Mit der Euroeinführung wurde es um einiges attraktiver, Geld in den GIPS anzulegen als z.B. in Deutschland. Das haben wir auch sehr deutlich gespürt. Die Investitionen in Deutschland waren damals extrem niedrig und das Wirtschaftswachstum war das niedrigste in Europa.

Auf der anderen Seite war die Entwicklung für die GIPS zunächst sehr erfreulich, dort wurde sehr viel investiert und Wachstum und Lohnsteigerungen waren enorm. Jedoch hatte der Zufluss von Kapital auch den Effekt, der die Preise für Investitionsobjekte wie z.B. Häuser stark stiegen. Es wurde lohnend derartige Dinge zu produzieren, auch wenn es keine Nachfrage durch Endkunden dafür gab. Es gab immer jemanden der bereit war Investitionsobjekte in der Hoffnung zu halten, dass die Preise noch weiter steigen. Die Produktion in den GIPS fing an sich auf die Produktion von Investitionsobjekten zu spezialisieren, für die es keine echte Nachfrage gab.

Das änderte sich mit der Immobilienkrise, die von den USA ausging. Plötzlich war kaum einer bereit sein Geld einem Risiko auszusetzen und somit fiel die künstliche Nachfrage nach Investitionsobjekten in sich zusammen. Damit verloren zuerst diejenigen ihr Einkommen, die z.B. im Bau beschäftig waren. Dann sank die Nachfrage nach allem anderen und sorgte auch dort für den Verlust von Einkommen. Schließlich brachen auch den Staaten die Einnahmen weg und die Ausgaben stiegen z.B. für Bankrettungen. Da die Gläubiger der Staaten Zweifel bekamen, ob die Staaten unter diesen Umständen ihre Schulden begleichen können, wurde die Krise zur Staatsschuldenkrise.

  1. Haben wir das Schlimmste hinter uns oder steht uns das erst bevor?

Meines Erachtens haben wir das Schlimmste gesehen. Die GIPS haben aufgehört am eigentlichen Bedarf vorbei zu produzieren. Das war sehr schmerzhaft, weil es mit hoher Arbeitslosigkeit einherging. Aber es gibt einen Lichtblick: Die GIPS können nun ihre Ressourcen dafür einsetzten echte Nachfrage zu befriedigen, damit Geld zu verdienen und sich entschulden. Leider wird es sehr lange dauern bis dieser Prozess ins Rollen kommt, weil z.B. die Ausbildung der Arbeitskräfte und die Ausrüstung der Unternehmen noch auf die Dinge ausgerichtet sind, die jetzt keiner mehr braucht.

 Das schlimmste was passieren kann, ist das die Politik versucht zu verhindern dass es zu dieser Anpassung kommt. In Japan wurde das versucht, weil man geglaubt hat damit die Arbeitslosigkeit verhindern zu können. Das Ergebnis war, das die Unternehmen bis heute unrentable Geschäftsbereiche mitschleppen und die Kraft für echtes Wachstum fehlt. Die Leidtragenden dieser Politik wird die junge Generation sein.

  1. Sind die Schulden eigentlich rückzahlbar?

Teils, Teils. In Irland sicher, in Spanien wahrscheinlich, aber in Portugal ist es schon unsicher und Griechenland wird es sicher nicht schaffen. Der Grund ist das die Gesellschaften unterschiedlich stark von der Euroeinführung betroffen waren und die Bereitschaft die nötigen Anpassungen auf sich zu nehmen sehr unterschiedlich ausgeprägt ist. So hat Griechenland bisher kaum Anpassungsbereitschaft gezeigt.

  1. Kann man den Politikern eigentlich noch trauen?

Natürlich nicht. Die Aufgabe eines Politikers ist es mit einfachen Botschaften möglichst viele Menschen zu erreichen. Was sie verbreiten ist also bestenfalls stark verkürzt und extrem oberflächlich. Politiker treffen Entscheidungen immer so, dass es so aussieht als ob andere die Schuld hätten, wenn etwas schlecht läuft. Ihnen fehlt daher die Bereitschaft einen klaren Schlussstrich zu ziehen, was häufig das Beste gewesen wäre. Japan hat auf die Weise mehrerer Jahrzehnte verloren. In Griechenland wurde eine Währungsreform nie ernsthaft in Erwägung gezogen, obwohl das vermutlich der beste Weg für dieses Land wäre, die Krise zu bewältigen.

  1. Warum bekommen die Banken Geld, die Armen aber nicht?

Weil die Politiker Angst haben für die Konsequenzen verantwortlich gemacht werden, wenn die Bankpleiten immer weitere Kreise ziehen. Das Problem ist das die Politik nicht wirklich einschätzen kann, wie gut es den Banken wirklich geht. Sie sind also darauf angewiesen dem zu glauben, was die Banken über sich behaupten. Die  Befürchtung ist, dass wenn zu viele Banken bankrottgehen, die Wirtschaft zu wenig Kredite bekommt, die Konjunktur einbricht und die Arbeitslosigkeit stark steigt.

  1. Können Griechenland, Italien etc. eigentlich ihre Schulden abbauen?

Theoretisch reicht es mehr einzunehmen als auszugeben. Wenn sich die Konjunktur wieder erholt, werden die Einnahmen wieder steigen. Die Kunst ist lediglich die Ausgaben unter Kontrolle zu halten. Solange die Einnahmen fallen, weiß niemand wie sehr die Ausgaben gekürzt werden müssen. Daher kommt die Unsicherheit. Ein weiteres Problem ist, dass wenn der Staat seine Ausgaben stark kürz, auch vorrübergehend auch seine Einnahmen darunter leiden.

  1. Was würde passieren, wenn diese Länder keinerlei finanzielle Unterstützung mehr bekämen?

Es wäre dann für diese Länder sehr schwierig, die bestehenden Schulden zu verlängern. Es ist nämlich so, dass jedes Jahr ein Teil der Staatsschulden fällig wird und durch neue Kreditaufnahme ersetzt werden muss. Ohne finanzielle Unterstützung, würde das den GIPS schwerfallen. Für Italien und Irland wäre es vermutlich ausreichend, wenn sie höhere Zinsen anbieten und mehr Entschlossenheit zeigen, den Haushalt und die Wirtschaft zu sanieren. Für diese Länder wäre das sogar positiv.

Spanien und Portugal hätten größere Probleme und müssten vermutlich mit ihren Gläubigern neue Bedingungen aushandeln, damit sie vorrübergehend keine Zins und Tilgungszahlungen leisten müssen. Der Schaden für diese Länder wäre begrenzt, aber für die Finanzmärkte wär es die Hölle. Banken und Finanzmärkte würden unter der hohen Unsicherheit leiden, die während der Neuverhandlung herrscht. Die Politiker wollen dafür nicht verantwortlich gemacht werden und trauen sich daher nicht an diese Lösung heran.

Griechenland hätte die Staatspleite. Die Wirtschaft würde stark Einbrechen und die Arbeitslosigkeit auf 30% oder mehr steigen. Allerdings wäre das auch die Change für einen Neuanfang und das Ende der jahrelangen Agonie, die wir zurzeit haben.

  1. Was können WIR BÜRGER zur Verbesserung der Finanzen/Weltwirtschaft beitragen?

Vor allem ist es wichtig zu verstehen, das die Finanzprobleme des Staates nicht durch mehr Einnahmen gelöst werden kann. Wenn ein Staat mehr Geld einnimmt gibt er einfach mehr aus. Bestes Beispiel ist Deutschland. Trotz Rekordeinnahmen, macht der deutsche Staat immer weiter Schulden obwohl er mehr einnimmt als er vor wenigen Jahren ausgegeben hat. Wirklich erfolgsversprechend ist es nur, die Ausgaben zu begrenzen. Für den Bürger heißt das zu hinterfragen, ob es für die Dinge die er den Staat überlassen hätten nicht auch eigene Lösungen gibt und es heißt aufzuhören ständig auf staatliche Leistungen und Zuschüsse zu schielen, die wir eigentlich gar nicht brauchen. Sind wir wirklich auf Riesterrente angewiesen oder wäre ein selbstverwaltetes Wertpapierdepot nicht die bessere Altersvorsorge? Indem man solche Fragen stellt entwickelt man sich zu einem in vielen Dingen unabhängigen und mündigen Bürger.

Werden Euro-Zweifler jetzt saraziniert?

November 30, 2010

Unter der Überschrift „Henkel gibt den Euro-Sarrazin“ meldete am Freitag Spiegel-Online:

Zurück zur D-Mark, Euro abschaffen? Hans Eichel, Guido Westerwelle und sogar Oskar Lafontaine versuchten bei Maybrit Illner, der Krisenpanik Einhalt zu gebieten. Schließlich riss Hans-Olaf Henkel die Show an sich: Er sehnt sich nach einer Art Groß-Preußen, das den Süden nicht länger durchfüttern muss.

Die Meldung bezieht sich auf eine Sendung von Maybrit Illner in der Hans-Olaf Henkel für eine Aufspaltung der Währungsunion in einen Starkwährungsraum und einen Schwachwährungsraum plädiert hatte. Der Vorschlag geht meines Erachtens nicht weit genug, weil fundamentale Probleme, wie die langfristigen Auswirkungen staatlicher Zinspolitik, nicht gelöst werden. Aber er stellt gegenüber dem Status Quo eine Verbesserung dar, denn zum einen fällt der schmerzhafte Konvergenzprozess innerhalb der Eurozone weg und zum anderen kann die Geldpolitik besser in den institutionellen Rahmen eines Staates eingefügt werden. Der Letzte Punkt ist auch das Argument mit dem Henkel argumentiert.

Den radikalen Eurobefürwortern gilt jedoch der Umstand, dass es Unterschiede in den institutionellen Rahmen gibt bereits als nationalistisch. Dass der griechische Staat auf eine effektive Besteuerung  verzichtet und versucht die Einnahmelücke mit Seigniorage zu kompensieren, wird als Wesenszug der Griechen aufgefasst. Das Sprechen über unterschiedliche institutionelle Rahmen wird als Denken in nationalen Kategorien tabuisiert.  So Spiegel-Online über Henkel:

Er schwadronierte von Völkern mit bestimmten Eigenschaften. Warum sollte sich das nicht auf die Finanzpolitik eines Landes übertragen lassen? Wer nicht nach unseren Regeln spielt, so bellte es den Talkshow-Zuschauern vor ein paar Wochen noch entgegen, gehört abgeschoben. Jetzt, fließender Übergang, sollen die Pleite-Griechen mindestens raus aus der Währungsunion.

Diese Art der Kritik ist perfide und irrleitend. Sie ist irrleitend, weil sie impliziert, dass man sich um die drängenden ökonomischen Fragen dieser Zeit drücken kann, wenn man rein moralisch argumentiert. Wenn das Gute gewollt ist, spielt es keine Rolle welche Folgen das Handeln hat und daher ist es unnötig sich mit Alternativen auseinander zu setzten. Eine solche Moral ist in ihrem Kern egoistisch, sie kreist um sich selbst und ist nicht bereit sich auf das fremde einzulassen. Aus Angst davor vom Konsens abzuweichen, versucht man die Fragen zu vermeiden, die ihn in Zweifel ziehen könnten und verzichtet darauf die Folgen des eignen Handelns zu evaluieren.

Die Kritik an Henkel ist perfide, weil ihm niedere Motive unterstellt werden, um die inhaltliche Auseinandersetzung mit ihm zu vermeiden. Die Tatsache, dass es unterschiedliche finanzpolitische Stile gibt, die im Rahmen des Euros mehr oder weniger gut funktionieren, wird ignoriert, stattdessen wird der Hinweis auf diese Tatsache moralisch verurteilt.

Zu dieser Unredlichkeit gesellt sich ein gehöriges Maß an Doppelmoral. Was Henkel angelastet wird, ist dass er die Finanzpolitik die in Deutschland betrieben wurde und die Werte, mit der man diese verknüpfen kann, für funktionaler hält, als diejenigen in Griechenland. Der Export der als neoliberal geltenden Finanzpolitik wird als Verdrängungskampf deutscher gegen griechische Wesenszüge wahrgenommen, sprich als Chauvinismus. Wäre aber eine Finanzpolitik betrieben worden, die den Kritikern eher zusagt, was lediglich darauf hinauslaufen würde alle bestehenden Verschuldungsspielräume auch zu nutzten, fiele ihnen im Traum nicht ein ihren Export mit Chauvinismus in Verbindung zu bringen.

Ähnliche Reflexe wie die Position Henkels löst der Unmut aus, den der Bail-out der Krisenstaaten hervorruft. Es gilt schon als nationalistisch gesinnt, wer der Meinung ist, dass die finanziellen Belastungen der Steuerzahler zugunsten von Griechenland nicht gerechtfertigt sind, da der griechische Staat die Verantwortung für seine Politik selbst tragen muss. Die Sorge um den eigenen Wohlstand, ist nach dieser Denkart kein legitimes Anliegen. Das Zweifeln an der europäischen Solidarität amoralisch.

Wer Solidarität so auffasst, dass die Interessen als Einzelne neben ihr keinen Platz haben, missbraucht diesen Begriff als Waffe, um die eigenen Vorstellungen anderen aufzuzwingen. Eine Moral, die einen nötigt die eigenen Interessen aufzugeben, pervertiert den Sinn einer Moral.

Droht jetzt Hyperinflation?

Mai 25, 2010

Mit der Entwicklung in den letzten Wochen ist massiv Vertrauen in den Euro verloren gegangen. Grund genug sich genauer mit den Hintergründen von Inflation zu beschäftigen. Die wichtigsten Ziele, die mit der Inflation verfolgt werden, sind den Konjunkturzyklus zu manipulieren und dem Staat zusätzlich Einnahmen zu beschaffen. Meines Erachtens kann das erste Ziel nicht ohne dauerhafte Schäden erreicht werden. In unserer Situation ist das zweite Ziel jedoch viel wichtiger.

Um zu verstehen wie es zu Inflation und Hyperinflation kommen kann, muss man sich zunächst klar darüber sein, was der Staat als Einnahmen auffasst. Denn anders als private Akteure muss der Staat nicht darauf achten echte Einnahmen von buchhalterischen Fiktionen zu unterscheiden. Die Haftung für solche Fiktionen übernimmt stets der Bürger. Die Folge ist, dass der Staat alle Gelder als Einkommen begreift, die er unmittelbar ausgeben kann. Und der Staat ist dazu gezwungen auszugeben was er nur kann. Das ergibt sich aus dem Informationsproblem.

Anders als den auf dem Markt gehandelten Gütern sieht der Staat den meisten, der von ihm in Anspruch genommenen Leistungen, nicht an, was ihre Erzeugung wert ist. Den Preis, den er zahlen muss, wird von denselben Spitzenbeamten ermittelt, die ein Interesse daran haben ihn möglichst hoch anzusetzen, da dieser ihren eigenen Einflussmöglichkeiten entspricht. Die Beamten auf der höheren Ebene wissen nicht wie sehr sie das Budget kürzen können ohne Leistungseinbußen zu verursachen. Das Problem wiederholt sich auf jeder Hierarchiestufe.

Zu dem Informationsproblem kommt das Bündnisproblem. Jeder Politiker und Spitzenbeamte ist auf einen weiten Kreis von Unterstützern angewiesen, um seine Ziele erreichen zu können. Aussicht eines Ministers gehört natürlich auch die Ministerialbürokratie zu seinem Unterstützerkreis, mit dem er es sich nicht verderben darf. Es ist ihm also nicht möglich diktatorisch Budgetkürzungen durchzusetzen ohne sich selbst ins Aus zu kegeln. Entsprechendes gilt für Leistung von dem Staatsexterne Unterstützer profitieren. Auch hier gilt Hände weg.

Das gesagte gilt nicht nur für bestehende Ausgaben, sondern für auch für Ausgabewünsche, insbesondere wenn Budgetüberschüsse bestehen. Das hat wegen den konjunkturbedingten Schwankungen der Steuern eine fatale Wirkung. In guten Zeiten werden keine Spielräume geschaffen und in schlechten explodiert die Verschuldung. Seit 1950 ist es nicht gelungen Schulden abzubauen. Zu den hausgemachten Problemen kommen die demographischen. Der größte Ausgabenposten im Bundeshaushalt ist der Etat des Sozialministeriums. Dahinter verbergen sich nicht in erster Linie Zuwendungen für sozial Schwache, sondern Zuschüsse zu den Sozialversicherungen. Wegen dem demographischen Wandel wird dieser Posten weiter wachsen, will die Politik ihre Versprechungen einhalten.

Wenn also in den nächsten Jahren nicht etwas absolut neuartiges geschieht, wird der Staat in die Situation kommen, dass an den Märken nicht genügend Geld zur Verfügung steht, um die Ausgaben und das überrollen der alten Schulden (d.h. aufnehmen neuer Schulden um die alten zu begleichen) zu bezahlen. Eine andere Möglichkeit besteht darin, dass der Staat seine alten Schulden für Null und Nichtig erklärt. Für Entwickelte Staaten ist das jedoch sehr unwahrscheinlich, da sie dann viele Privilegien verlieren würden, die darauf beruhen, dass man annimmt, dass sie genau das nicht tun werden. Natürlich wird schon dann dem Staat der Kredit verwehrt, wenn sich abzeichnet dass es mittelfristig zur Überschuldung kommt. Niemand will auf den alten Schulden sitzen bleiben, die dann nicht bedient werden können. Genau das ist mit Griechenland passiert.

Eine Option den Zahlungsausfall zu vermeiden ist es, die Zentralbank die Schulden aufnehmen zu lassen, die nicht mehr am Markt platziert werden können. So wie es die EZB mit den Altschulden einiger Währungsunions-Staaten macht. Die Notenbanken refinanzieren sich, indem sie Bargeld in Umlauf geben oder an Banken verleihen. Um den Kapitalbedarf zu denken, der sich aus der Übernahme der Staatsschulden ergibt, haben sie also zwei Möglichkeiten. Entweder sie erhöhen den Bargeldumlauf und sorgen so für Inflation oder sie schränken die Refinanzierungsmöglichkeiten der Banken ein. Die zweite Möglichkeit würde schnell zu einer Kreditklemme von historischem Ausmaß führen und kann sogar die Stabilität des Finanzsystems bedrohen. Auch das ist also keine dauerhafte Option.

Bleibt also die Inflation. Macht sich die Zentralbank keine Gedanken um die Kaufkraft, ist der reale Wert der zusätzlich in umlaufgebrachten Geldmenge ihr Gewinn (auch Seigniorage genannt), der verwendet werden kann, um die Staatsausgaben zu finanzieren. Es stellt sich die Frage warum dieses Instrument nicht häufiger eingesetzt wird, um Einnahmen zu generieren. Die Antwort ist, dass die möglichen Einnahmen in keinem Verhältnis zu den Schäden stehen, die eine solche Politik anrichtet. Langfristige Kreditgeschäfte werden hoch riskant. Diejenigen die feste Einkommen beziehen müssen Einbußen hinnehmen usw. Die langanhaltenden Effekte einer Inflationsrate unter 5% beeinflussen das Wirtschaftsgeschehen zwar nur relativ gering, aber mit ihr lassen sich auch nur niedrige Einnahmen erzielen, sodass solide Staaten fast gänzlich darauf verzichten.

Begibt sich der Staat auf den Weg seine Einnahmen durch Geldschöpfung zu erzielen, erreicht er bald ein Punkt ab dem es kein Zurück mehr gibt. Da alle anderen Einnahmen zu Beginn einer Periode eintreffen, die Ausgaben aber in deren Verlauf anfallen, sink mit steigender Inflation die Ergiebigkeit der anderen Einnahmen. Die Seigniorage verdrängt die anderen Einnahmen und bleibt schließlich als einzige übrig.

Natürlich sind auch die Einnahmen die über die Geldschöpfung generiert werden können begrenzt. Es kann nicht mehr an Einkommen errungen werden als die Wirtschaftssubjekte bereit sind, an realen Werten in Bargeld aufzubewahren. Je niedriger das Bedürfnis nach Kassenhaltung ist, desto niedriger fallen auch die Einnahmen aus Seigniorage aus. Da die Kassenhaltung mit steigender Inflation zurückgeht, besteht die Gefahr einer außer Kontrolle geratenen Feedbackloop: Der Staat reagiert auf sinkenden Erträgen mit höheren Inflationsraten, die Wirtschaftssubjekte auf höhere Inflationsraten mit niedrigerer Kassenhaltung, was sinkende Erträge zur Folge hat. Der größte Ertrag, der sich erzielen lässt, ist der, der die Feedbackloop geradeso noch nicht auslöst. Ist sie einmal ausgelöst führt die Feedbackloop zu explodierenden Inflationsraten: Hyperinflation.

Aber es geht noch schlimmer. Der Staat versucht für die Lasten, die sich für die Bevölkerung ergeben, einen Sündenbock zu finden. Dies gelingt ihm meistens recht gut. In der Regel müssen Spekulanten und Wucherer dafür hinhalten. Diese Legenden flankiert der Staat mit Maßnahmen die oberflächlich gesehen, dazu dienen die Inflation einzudämmen. Oft sind das Preiskontrollen. Das Ergebnis dieser Maßnahmen ist natürlich nicht, dass die Hyperinflation beendet wird, denn die ist durch die Geldmenge getrieben, sondern das auf den legalen Märkten keine Güter mehr angeboten werden. Die Situation hatten wir bis vor kurzen in Simbabwe. Dort reagierte die Bevölkerung indem sie aus dem Lang floh.

Der einzige echte Ausweg aus einer Hyperinflation ist eine Währungsreform. Die kann nur dann erfolgreich sein, wenn die Schulden der alten Währung nur zum Teil in die Neue übernommen werden und sich der Staat somit entschulden kann. Geschieht das nicht, wird der Wert der neuen Währung genauso schnell zerfallen wie der der alten.

Dass die EU den hier gezeichneten Weg bis an sein bitteres Ende geht, halte ich für eher unwahrscheinlich. Aber jeder Versuch ihn zu verlassen ist mit erheblichen Kosten und großen Widerständen verbunden. Wie zahlreich historischen Beispiele zeigen ist der Weg in die Hyperinflation der Weg des geringesten Widerstands.

Schaden die Exporte aus Deutschland anderen europäischen Volkswirtschaften?

März 30, 2010

Durch die Kritik der Französischen Finanzministerin Christine Lagarde, dass die Exportüberschüsse aus Deutschland kein nachhaltiges Modell seien, fühlen sich viele Linke bestätigt. Sie brachte die hohe Wettbewerbsfähigkeit ausdrücklich mit niedrigen Lohnstückkosten in Verbindung. Für Linke war das natürlich ein gefundenes Fressen. Endlich kann man aus Solidarität mit den europäischen Nachbarn hohe Löhne einfordern. Eine Frage bleibt dabei jedoch kaum beantwortet: Wie kam es eigentlich dazu, dass die Lohnentwicklung in Deutschland hinter den in anderen europäischen Staaten zurückblieb?

Linke erklären solche Entwicklungen in der Regel durch politische Auseinandersetzungen und gehen davon aus, dass durch eine geeignete Politik auch stärker steigende Löhne möglich wären. Hält man die Entwicklung der Löhne für eine Folge anderer wirtschaftlicher Begebenheiten, wird man der Politik einen solchen Einfluss nicht zutrauen. Im Gegenteil, wenn die Entwicklung der Löhne handfeste Ursachen hat, wird der Versuch politisch genehme Löhne durchzusetzen, nur dann gelingen, wenn man einige Menschen in die Arbeitslosigkeit abdrängt. In diesem Artikel werde ich mich mit einem Aspekt auseinandersetzen, der die hohen Exporte aus Deutschland sinnvoll erscheinen lässt.

Quelle: Jonas Dovern, Nils Jannsen und Joachim Scheide: "Die Bedeutung monetärer Größen für die deutsche Wachstumsschwäche 1995–2005" Kiel Working Paper 1492, March 2009.

Die Rede ist von der Zinskonvergenz. Wie den meisten wahrscheinlich bekannt ist, waren die Zinsen in Deutschland niedriger als in anderen Ländern, vor allem niedriger als in den Südeuropäischen Ländern. (Siehe Abbildung). Ein Grund dafür war das Abwertungsrisiko der südeuropäischen Währungen, das mit der Euroeinführung weggefallen ist. Mit der Euroeinführung haben sich die Zinsen in Europa angeglichen. Für die meisten Euroländer außer Deutschland führte das zu Zinssenkungen. Wenn man davon ausgeht, dass der Zins die Funktion hat Ersparnis und Investition auszugleichen, dann sind Zinssenkung dann gerechtfertigt, wenn in einem Wirtschaftsraum mehr Ersparnis zur Verfügung steht. Die Zinssenkung würde dann dafür sorgen,  dass sich mehr Investitionen rentieren, die Menge an Investitionen also zunimmt und so die erhöhte Ersparnis ausgeglichen werden kann.

In unserem Wirtschaftsystem wird der Zins jedoch nicht durch Marktkräfte festgelegt, sondern durch Planungsbehörden (sprich die EZB). Die Folge ist, dass ein Ungleichgewicht von Ersparnis und Investition nicht durch eine Anpassung der Zinsen behoben wird, sondern durch Änderungen der Geldmenge. Daher kann die Investition kurzfristig die Ersparnis übersteigen, allerdings zu dem Preis, dass nicht alle Investition zu Ende geführt werden können und eine Konjunkturkrise droht. (Das ist kurz zusammengefasst die monetäre Überinvestitionstheorie der Österreichischen Schule.)

Es stellt sich also die Frage welcher Natur, die Zinssenkung durch die Euroeinführung waren. Standen ihnen reale Ersparnisse gegenüber oder war es nur ein Artefakt, hervorgerufen durch eine Erhöhung der Geldmenge? Ein Indiz dafür, dass es sich um ein Artefakt handelt liefern die Inflationsraten. Nach der Euroeinführung war sie in den Südeuropäischen Ländern durchgehend höher als in Deutschland (siehe zweite Graphik). Da Inflation auf eine Ausweitung der Geldmenge folgt, spricht die höhere Inflation dafür, dass die Zinssenkung durch eine solche zustande kam. Wer die Wirtschaftsnachrichten verfolgt hat wird in einigen Ländern der Eurozone die Merkmale einer monetären Überinvestition festgestellt haben, etwa die Immobilienblase in Spanien.

Andererseits kann ein Wirtschaftsraum, was an eigener Ersparnis nicht vorhanden, ist importieren. Hier kommen die Exporte aus Deutschland ins Spiel. Bei ausgeglichen Wechselkursen entspricht ein Export von Gütern und Dienstleistungen immer auch ein Export von Kapital (sprich Ersparnis). In einem Einheitlichen Währungsraum wäre auch denkbar, dass sich die Geldmenge zu der Exportierenden Nation hin verschiebt, aber genau das ist nicht der Fall, wie die niedrige Inflation in Deutschland zeigt. Die Exporte aus Deutschland bringen Ersparnis und Investition also wieder näher ans Geleichgewicht und verhindern oder mildern so zukünftige Konjunkturelle Krisen.

Die Vorrausetzung für die Exporte aus Deutschland war jedoch, dass sich die Preise und Gehälter langsamer steigen als in der restlichen Eurozone, der Wirtschaftsraum in Deutschland also real abwertet. Genau diese Voraussetzungen wurden dadurch geschaffen, dass die Inflation innerhalb von Deutschland, der in der übrigen Eurozone hinterherhinkt. Das verminderte Wachstum der Geldmenge hatte einen dämpfenden Effekt auf die Wirtschaftsentwicklung, sodass der Effekt sich nicht nur in den nominalen Preisen und Gehältern wiederspiegelt, sondern auch im Wachstum („kranker Mann Europas“) und in den Reallöhnen.

Wenn wir diese Zusammenhänge im Hinterkopf behalten stellt sich die Situation im Rückblick folgendermaßen dar: Wegen der Euroeinführung sinken die Zinsen im Euroraum auf das Niveau der Zinsen in Deutschland. Dadurch geraten in einigen Ländern der Eurozone Ersparnis und Investition aus dem Gleichgewicht. Die Lücke wird geschlossen, indem die Geldmenge stärker wächst. Da die Geldmenge in Deutschland vergleichbar langsam wächst, wertet der Wirtschaftsraum Deutschland gegenüber dem Rest der Eurozone Real ab und schafft so die Grundlage für hohe Exporte, die die Lücke zwischen Ersparnis und Investition teilweise wieder schließt. Das erscheint mir dann doch plausibler, als die „neoliberale“ Politik für die Entwicklung verantwortlich zu machen.

Vergleiche auch folgendes Paper.