Congratulations, Mr Trump

November 11, 2016

In der Regel ist die Wahl des amerikanischen Präsidenten ein Nicht-Ereignis. Werden im Wahlkampf, die noch die Unterschiede beton, zeichnet sich die Amtsführung durch eine Konstanz zwischen den einzelnen Amtsinhaber aus, die es kaum ermöglich zwischen ihnen zu differenzieren. Kaum ein Präsident dürfte das deutlich gemacht haben wie Barak Obama. Ich erwarte auch unter einem Präsidenten Trump business as usual. Dennoch erfüllt mich die Wahl Trumps mit einer gewissen Genugtuung.

Um es von Anfang an klar zu stellen: Trump ist für mich unwählbar. Zwar kann man mit einiger Zuversicht hoffen, dass seine Pläne eine Mauer nach Mexiko bauen zu lassen und ein Einreiseverbot für Muslime zu verhängen, dem Wahlkampf geschuldet waren und nie wirklich seinen Absichten entsprachen, jedoch haben diese Manöver gezeigt, dass Trump bereit ist sich über das Gebot des Anstandes hinwegzusetzten, wann immer er sich davon einen Vorteil verspricht.

Die Gegenkandidatin Clinton ist allerdings moralisch genau so wenig für das Amt geeignet. Ihre Verfehlungen in der eMail-Affäre erfüllen offenbar mehrere Straftatbestände. Darüber hinaus ist sie von einer an Menschenverachtung grenzende Empathielosigkeit geprägt.

Trump dürfte seinen Wahlsieg vor allem zwei Dingen verdanken. Die Unbeliebtheit seiner Gegenkandidatin und Obamacare. Allen muss klar gewesen sein, dass Clinton die Regierung „weiter so“ geführt hätte wie es die Vorgängerregierungen taten. Die amerikanischen Wähler tolerieren das immer weniger. Schon Obama wurde vor allem deswegen gewählt, weil er sich als Gegner des Establishments ausgeben konnte. Dadurch dass Trump von der meisten Medien angefeindet wurde und durch seinen Bruch mit der Political Correctness, war Trump als Gegner des Establishments deutlich glaubwürdiger als Obama.

Die meisten Europäer halten Obamacare für einen lange überfälligen Schritt, der vielen Amerikanern Zugang zu Leistungen ermöglicht, die in Europa für selbstverständlich gelten. In den USA hingegen ist ObamaCare extrem unpopulär. Für den Großteil der Amerikaner haben sich die Gesundheitskosten stark erhöht. Leistungen die zuvor die Arbeitgeber getragen haben müssen die Arbeitnehmer nun selbst stemmen. Eine große Mehrheit fordern daher Anpassungen oder die Rücknahme der Reform. Auch hier wurde von Trump erwartet, dass er eher im Sinne der Wähler agiert als es Clinton tun würde.

Beide Punkte verdeutlichen: den Wahlsieg verdankt Trump mehr den Umständen denn der eigenen Persönlichkeit. Vermutliche hätten jede der beiden Parteien haushoch gewonnen, wenn sie als Kandidaten einen Besenstiel aufgestellt hätten. Ein Besenstiel hätte auch den Vorzug, dass man ihm abnimmt nicht Teil der politischen Eliten zu sein, ohne dass er zuvor Minderheiten beleidigen muss.

Alles im einen erwarte ich von Trump nicht viel. In seinem protektionistischen Glauben sehe ich sogar eine ernsthafte Gefahr. Meine Genugtuung speist sich daraus das die Waffen der politischen Empörung stumpf geworden sind. In den letzten Jahren gelang es durch die Sexismus- bzw. Rassismuskeule quasi beliebige Personen aus ihren Öffentlichen Ämtern vertreiben. Dass das Establishment alles getan hat um Trump zu verhindern lag vor allem daran, dass kein Präzedenzfall geschaffen werden durfte, in dem ein Amtsträger oder Anwärter den Sexismusvorwuft überlebt. Dass es nicht gelungen ist Trump zu verhindern, zeigt wie weit die Legitimationskrise von Politik und Medien bereits fortgeschritten ist.

Was die Förderung der Elektromobilität über unsere politischen Eliten aussagt – Teil 3

November 3, 2016

Im ersten Teil dieser Serie haben wir gesehen, dass es unwahrscheinlich ist, dass sich Elektroautos aus eigener Kraft durchsetzen können. Im zweiten Teil zeigte sich, dass ein erzwungener Umstieg von den Verbrennern auf das Elektroauto mit erheblichen gesellschaftlichen Risiken und Belastungen verbunden ist. Die diesen Teil der Serie werde ich der Frage nachgehen, was die Fehlentscheidung, massiv auf die Elektromobilität zu setzen, über den Charakter unsere politischen Eliten aussagt.

Die Apologeten der Elektromobilität würden gegen die Argumente, die ich in dieser Serie vorgebracht habe, einwenden, dass die Einsparung an CO2, die Risiken und Belastungen wert sei. Dieser Einwand ist zu hinterfragen: woher kann man wissen, dass die Einsparungen das wirklich wert sind? Was auf den ersten Blick nach einer Übung in komplizierten technischen Berechnungen aussieht, hat eine verblüffend einfach Antwort: Die Einsparungen sind es wert, wenn der Verkehr in den CO2-Handel einbezogen wird und sich unter diesen Bedingungen das Elektroauto gegen die Verbrenner durchsetzt.

Der CO2-Handel hat den Zweck die Anstrengungen, CO2 einzusparen, dort zu fokussieren, wo dies mit dem kleinsten Aufwand den größten Effekt erzielt. Dazu werden die Wirtschaftssubjekte mit der Menge an Rechten, CO2 freizusetzten ausgestattet, die unsere weisen Staatlenker für angemessen halten. Jeder Emittent von CO2 ist dann mit der Frage konfrontiert, ob seine CO2 freisetzenden Aktivitäten sich noch lohnen wenn sie mit Verschmutzungsrechten hinterlegt werden müssen. Die Folge dieser Institution ist, dass die Aktivitäten eingestellt werden, die bezogen auf die gleiche Menge an CO2-Emission am wenigsten Wert schaffen und dass die CO2-Emissionen, die mit am wenigsten Aufwand vermieden können, eben auch vermieden werden. Es spielt dabei keine Rolle, auf wen die Emissionsrechte anfänglich verteilt wurden.

Der Verkehr könnte in den CO2-Handel eingebunden werden. Dazu wäre es ausreichen, wenn für sämtlichen in Verkehr gebrachten Kraftstoff einer Menge an Emissionrechten hinterlegt werden muss, die seinem Kohlenstoffgehalt entspricht. Diese Maßnahme kann zu unterschiedlichen Ergebnissen führen: Die Verkehrsteilnehmer können zu dem Schluss kommen, dass sich Elektroautos doch mehr lohnen als Verbrenner, sie können sich dafür entscheiden, dass ihnen die bessere Tauglichkeit der Verbrenner wichtiger ist, als die finanziellen Vorteile eines Elektroautos, so dass das entsprechende CO2 an anderer Stelle eingespart werden wird oder die Industrie reagiert mit technischen Maßnahmen, durch die die Verbrenner auch trotz CO2-Handels wirtschaftlicher werden als das Elektroauto.

Der Vorteil einer solchen Regelung wäre, dass die Abwägung individuell erfolgt. Es wäre nicht die Politik die für alle entscheidet, was die bessere Technologie ist, sondern jeder kann anhand seiner eigenen Bedürfnisse selbst entscheiden. Niemand wäre gezwungen den Vorgaben der Mehrheit zu folgen, ein Teil der Verkehrsteilnehmer würde so entscheiden und die übrigen anders. Es stellt sich also die Frage warum das nicht der von der Politik angestrebte Weg ist.

Es fällt auf, dass die Politik dadurch, dass sie sich zur Unzeit auf eine Technologie festlegt, die Kontrolle über Entscheidungen an sich reißt, die optimaler Weise an anderer Stelle getroffen werden sollte. Die Politik kennt weder alle Motive, die bei einem Autokauf eine Rolle spielen, noch kennt sich die technischen Rahmenbedingungen, die sich in den nächsten Jahren ergeben. Dennoch steht das Ziel, das der Verbrenner dem Elektroauto weichen muss schon fest. Der Politik muss also zu minderst fehlende Demut bescheinigt werden. Sie hat kein Gespür für die eigenen Grenzen und Unzulänglichkeiten.

Des Weiteren zeugt das starre Festhalten an einem einmal gewählten Mittel, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen von Engstirnigkeit. Eine einmal getroffene Entscheidung kann nur noch kaum revidiert werden. Ein ähnliches Verhalten sehen wir in der Flüchtlingsfrage. Die Ursache für diese Engstirnigkeit ist weniger in persönlichen Charaktereigenschaften der einzelnen Politiker zu sehen, sondern darin, dass in der Politik Sachfragen als Medium für Machtkämpfe dienen. Sachfragen dienen dazu Allianzen zu bilden, das Ansinnen, eine Beschlussfassung zu revidieren, muss auf Angriff der sie tragende Allianz interpretiert werden.

Schließlich ist das Verhalten der Politik durch ein an Kontrollwahn grenzendes Misstrauen gegenüber den Untertanen gekennzeichnet. Sie traut es den Untertanen nicht zu angemessene Entscheidungen zu treffen, obwohl diese über überlegeneres Wissen verfügen. Diese kennen die eigenen Bedürfnisse besser, als die Politik je könnte, weil das Wissen über die Bedürfnisse über alle Köpfe verteilt ist und sie kennen den aktuellen technischen Stand, während die Entscheidungen der Politik immer ein Stück weit zurückliegen und politische Entscheidungsprozesse ohnehin zu langsam sind um mit den neusten Technischen Entwicklungen mitzuhalten.

Fehlende Demut, Engstirnigkeit und übersteigertes Kontrollbedürfnis sind Merkmale einer narzisstischen Persönlichkeit. Grundlegend für eine narzisstische Störung ist die Unfähigkeit die Bedürfnisse anderer zu erkennen. Für einen Narzissten sind diese nicht nur zweitrangig, sie sind nicht existent. Tatsächlich kann man sich nicht dem Eindruck erwehren, dass die Bedürfnisse der breiten Bevölkerung für die Politik nur dann interessant sind, wenn sie der Projektion eigener Bedürfnisse dienen.

Was die Förderung der Elektromobilität über unsere politischen Eliten aussagt – Teil 2

Oktober 27, 2016

Im ersten Teil dieser Serie haben wir gesehen, dass es unwahrscheinlich ist das sich Elektroautos auf lange Sicht durchsetzen. Zwar werden sie für den Endanwender möglicher Weise ähnlich wirtschaftlich wie Verbrenner, aber es ist absehbar dass sie ihren Zweck nur in eingeschränkter Weise erfüllen. Wenn also kein technologisches Wunder geschieht, werden sich die Elektroautos nur dann durchsetzen, wenn sie vom Staat massiv begünstig werden. Leider sieht es tatsächlich so aus, als würden unsere politischen Eliten gerade dies beabsichtigen. In diesem Teil werde ich daher der Frage nachgehen welche gesellschaftlichen Auswirkungen die Förderung der Elektromobilität nach sich ziehen wird.

Die Auswirkungen die ich für wahrscheinlichsten halte lassen sich mit den Schlagworten weniger Mobilität für die Masse, steigende Gesamtwirtschaftliche Kosten und veränderte Wertschöpfungsketten zusammenfassen.

Nimmt man den Vorschlag des Bundesrats beim Wort, läuft er darauf hinaus, Verbrenner prohibitiv hoch zu besteuern, so dass die Autofahrer vor der Wahl stehen entweder gar kein Auto oder ein Elektroauto anzuschaffen. Die Tauglichkeit eines Elektroautos hängt jedoch sehr viel stärker von seinem Preis ab, als es bei Verbrennern der Fall ist. Während Verbrenner im Wesentlichen gleich tauglich sind und man sich in den höheren Preisklassen in erster Linie mehr Komfort erkauft, steigt bei Elektroautos in den höheren Preisklassen Reichweite und sinkt dank höherer Ladeströme die Ladezeit. Wählt die Regierung also den vom Bundesrat angedachten Weg wird das Groß der Bevölkerung dazu gezwungen weniger Mobilität zu höheren Kosten zu erwerben.

Hinzukommen Einschränkungen in der Handhabung. Ein Elektroauto ist nur dann einigermaßen Praktikabel, wenn man die Möglichkeit hat es im eignen Heim aufzuladen. Für viele Mieter ohne festen Stellplatz gibt es diese Möglichkeit nicht, ein Zwang zur Elektromobilität wäre für sie mit zusätzlichen Ärgernissen verbunden. Sie müssten alle zwei bis drei Tag eine öffentliche Ladestation aufsuchen und sehen wie sie die Stunden verbringen, die das Auto für den Ladevorgang braucht. Wer freut sich nicht darauf abends nach Feierabend irgendwo in der Stadt rumzusitzen? Das Elektroauto scheint speziell für einen bestimmten grünbügerlichen Lebensstil konzipiert zu sein.

Selbst wenn sich das Elektroauto für den Einzelnen rechnet, ist abzusehen dass es mit höheren gesamtwirtschaftlichen Kosten verbunden ist. Der Grund dafür ist, dass das Elektroauto nur daher billiger ist, weil Benzin viel höher besteuert wird als Strom. Gesamtwirtschaftlich gesehen wäre der Verbrenner immer noch günstiger. Die Kosten für den Umstieg auf ein Elektroauto werden jedoch nicht vom Einzelnen allein getragen sondern belasten auch die Staatkasse. Wenn immer mehr Fahrer auf das Elektroauto umsteigen geht dem Staat Energiesteuer verloren. Den Wegfall dieser Einnahmen wird er auf lange Sicht wieder zu Lasten der Untertanen kompensieren.

Die höheren gesamtwirtschaftlichen Kosten erklären sich durch die komplexere Energiebereitstellung im Fall der Elektroautos. Elektroautos und Verbrenner benötigen fast die gleiche mechanische Energie. In Teil eins haben wir gesehen, dass Elektroautos etwa 20 kWh / 100 km benötigen; bei einem Wirkungsgrad von 95% werden davon 19 kWh in Bewegung umgesetzt. Bei Verbrennern sieht das ähnlich aus 6l auf 100 km entsprechen einem Heizwert von etwa 52 kWh; bei einem Wirkungsgrad von 30% werden davon etwa 15,7 kWh in Bewegung umgesetzt. Der niedrigere Wert für Verbrennern ergibt sich daraus, dass bei einem vergleichbaren Elektroauto wegen dem Gewicht der Batterien mehr Masse bewegt werden muss.

Nun ist jedoch die Bereitstellung von elektrischer Energie mit einem höheren wirtschaftlichen Aufwand verbunden als der von Kraftstoff. Zwar ist der Well-To-Wheel-Wirkungsgrad, also das Verhältnis von aufgewendeter Primärenergie zu in Bewegung umgesetzter Energie, von Elektroautos besser als der von Verbrennern. Jedoch ist die kWh Kraftstoff mit etwa 12 cent deutlich günstiger als die kWh elektrischer Energie. Elektrischer Energie ist die technisch wertvollste Form von Energie und entsprechend lohnt sich für ihre Erzeugung ein höherer Aufwand. In die Kosten für den Sekundärenergieträger geht eben nicht nur der Primärenergieverbrauch ein, sondern auch Personal- und Kapitalkosten, sowie Abschreibungen. Diese Fallen im Fall der elektrischen Energie offensichtlich deutlich höher aus als für die Herstellung von Kraftstoff.

Mit den Umstieg von Verbrennern auf Elektroautos verändern sich auch die Wertschöpfungsketten. Trivialer Weise müssen an Stelle von Otto- und Dieselmotoren Elektromotors und Akkumulatoren gefertigt werden. Das hat weitreichende Auswirkungen. Produktions- und Produktwissen im Bereich der Verbrennungsmotoren wird entwertet während es im Bereich Elektromotoren und Akkumulatoren erst aufgebaut werden muss. Da die Wettbewerbsvorteile deutscher Automobilhersteller zu wesentlichen Teilen auf diesem Wissen beruht, ist mit dem Umstieg ein hohes Risiko für die Wettbewerbsposition dieser Unternehmen verbunden. Die Auswirkungen setzen sich weiter in der Wertschöpfungskette fort. Da im Elektroauto der mechanische Antriebstrang wegfällt, fällt auch ein weites Betätigungsfeld für Werkzeugmaschinen weg. Was entsprechende Auswirkungen im Maschinenbau nach sich zieht.

Diese Veränderungen wird auch in der Nachfrage nach Arbeitskräften wiederspiegeln, während der Bedarf nach Beschäftigten in der Metallverarbeitung sinkt, steigt möglicher Weise der Bedarf für Lithiumverarbeitung. Dies hat zur Folge das bestimmte Qualifikationen an Wert verlieren während andere stark begehrt sein werden. Das Einkommen und die Sicherheit der Arbeitsplätze von vielen werden entsprechend belastet.

Zwar sind Veränderungen in den Wertschöpfungsketten schon immer eine Folge des technischen Fortschritts gewesen. Die mit den Umstellungen verbundenen Kosten und Risiken sind jedoch nur daher gerechtfertigt, weil sie mit einem höheren Kundennutzen einhergehen. Wenn die Umstellungen jedoch politisch verordnet werden, haben wir es mit Belastungen zu tun den kein adäquater Mehrwert gegenübersteht.

Wir haben also gesehen, dass ein erzwungener Umstieg auf Elektromobilität mit zahlreichen Belastungen für die breite Bevölkerung verbunden wäre. Das fängt bei Ärgernissen in der alltäglichen Handhabung an, geht über die Belastung mit höheren Kosten hin zu erhöhten Risiken für die Beschäftigung. Angesichts dieser Nachteile stellt sich die Frage, warum die Politik immer noch so fixiert auf Elektromobilität ist. Antworten darauf versuche ich im dritten Teil dieser Serie zu finden.

Nachtrag: Inzwischen hat sich VW meiner Kritik angeschlossen, dass die Umstellung auf Elektroautos die Beschäftigung in der Automobilindustrie negativ beeinflusst.

Was die Förderung der Elektromobilität über unsere politischen Eliten aussagt – Teil 1

Oktober 20, 2016

Überraschend hat der Bundesrat in seiner Sitzung vom 23. September die EU dazu aufgefordert, mittels dem Einsatz von Abgaben und steuerrechtlichen Instrumenten zu erwirken, dass spätestens ab 2030 nur noch emissionsfreie PKW zugelassen werden. Die Nachricht wurde in den meisten Medien nur als Randnotiz behandelt. Allerdings steht sie wie keine andere für den intellektuellen Niedergang unserer politischen Eliten.

Mit emissionsfreien PKW sind natürlich Elektroautos gemeint. Diese sind zwar nicht emissionsfrei, da CO2-Emissionen entstehen, wenn elektrische Energie, mit der sie geladen werden, bereitgestellt wird. Auch die zum Kriechgang verkommene Energiewende wird daran auf absehbare Zeit nichts ändern. Der bisher erfolge Ausbau hat in erster Linie dazu geführt, dass effiziente Grundlast- bzw. Gaskraftwerke weniger elektrische Energie bereitstellen und Braunkohlekraftwerke dementsprechend mehr, sodass der CO2-Ausstoß nicht gesunken ist. Dennoch erfreut sich die Förderung der Elektromobilität bei unseren Politikern großer Beliebtheit.

Die Logik ist auf den ersten Blick bestechend: Da der Anteil erneuerbarer Energien 2015 bei der Bereitstellung elektrischer Energie über 30% betrug, waren es im Bereich Verkehr weniger als 6%. Daher wäre es naheliegend mehr elektrische Energie im Verkehr einzusetzen um den Anteil erneuerbarer Energie am Gesamtenergieverbrauch zu steigern. Aus diesem Kalkül heraus hat sich die Politik auf die Idee fixiert, Benziner und Dieselfahrzeuge vollständig durch elektrische zu ersetzen.

Das Problem dieser Strategie ist, dass Elektroautos noch weit davon entfernt sind einen Ersatz für Verbrenner darzustellen. Trotz Subventionen machen sie bei den Neuzulassungen unter 1% aus. Die Gründe für schlechte  Akzeptanz der Elektroautos sind vor allem höhere Kosten, niedrige Reichweite und die umständliche Handhabung im Vergleich zu Verbrennern.

Die Gründe für diese Nachteile sind in der deutlich weniger effizienten Speicherung der elektrischen Energie zu suchen. Die bisher effizienteste Technik dafür sind die Lithium-Ionen-Akkumulatoren. Im Mobilitätsbereich werden dabei Batterien mit einer Energiedichte von 160 bis 180 Wh/kg eingesetzt 300 Wh/kg gelten als Obergrenze. Zum Vergleich Benzin hat eine Energiedichte von 8760 Wh / l. Die Energiedichte muss dabei gegen andere Faktoren wie Sicherheit, Leistungsdichte und Lebensdauer abgewogen werden, so dass die eingesetzte Technologie immer ein Kompromiss darstellt. Gleichzeitig bewegt sich die Akkumulatorentechnik dicht an den physikalischen Limits, so dass nicht mehr mit gravierenden Verbesserungen zu rechnen.

Die Folge der niedrigeren Energiedichte ist, dass ein Elektroauto das das gleiche leisten soll wie ein Verbrenner mit deutlich mehr Gewicht unterwegs ist. In der Praxis verzichtet man auf Reichweite und limitiert das Gewicht der Batterien auf einige hundert Kilogramm. Das Fahrzeug wird durch die Batterien nicht nur schwerer, wodurch der Verbrauch steigt, das Volumen der Batterien schränkt die Größe der Fahrgastzelle und/oder des Kofferraums ein. Die Kosten für die Batterien sind es auch, die Elektroautos gegenüber Verbrennern deutlich teurer machen.

Besser hat sich die Wirtschaftlichkeit entwickelt. Die Preise für Akkumulatoren sind schneller gesunken als erwartet und werden auf 190 Euro pro kWh geschätzt. Aufgrund der hohen Besteuerung von Benzin sind Elektroautos im laufenden Betrieb günstiger. Elektroautos benötigen typischer Weise 20 kWh / 100 km. Bei einem Stromprei von 25 cent pro kWh ergibt, dass Kosten von 5 Euro pro 100 km. Wenn man bei einem Verbrenner von einem Verbrauch von 6 l / 100 km ausgeht, kommt man auf Kosten von 6 bis 7 Euro. (Für diejenigen die mit Autogas fahren gilt das nicht, Autogas ist günstiger als Strom.) Daher ist denkbar, dass in den kommenden Jahren Elektroautos so günstig werden, dass sie bei den Kosten über den gesamten Lebenszyklus die Verbrenner schlagen. Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit von Elektroautos ist die Lebensdauer der Batterien. Sollte diese deutlich kürzer sein, als die Lebensdauer des Autos würde das Elektroautos wieder unwirtschaftlich machen.

Selbst wenn man davon ausgeht, dass Elektroautos ähnlich günstig wie Verbrenner werden, ist absehbar, dass sich ein Großteil der Autofahrer gegen das Elektroauto entscheidet, weil es nicht die gleiche Flexibilität wie ein Verbrenner bietet. Die Kombination von kurzen Reichweiten und lange Ladenzeiten von mehreren Stunden macht das Elektroauto für mehr als nur kurze Stecken unbrauchbar.

Angesichts dieser Faktoren ist also davon auszugehen, dass mit sinkenden Kosten der Anteil der Elektoautos weiter steigen wird. Es ist jedoch fraglich ob Elektromobilität mehr als nur eine paar Nischen besetzten kann oder gar von der Mehrheit der Autofahrer adaptiert wird, geschweige denn Benziner komplett verdrängen kann.

Im Zweiten Teil werde ich die gesellschaftlichen Auswirkungen der Elektromobilität und im Dritten die Rolle der Politik in diesem Thema diskutieren.

Macht der Kapitalismus krank?

Oktober 12, 2016

Auf faz.net ist vor einiger ein äußerst interessantes Interview mit dem Titel „Macht der Kapitalismus uns krank“ erschienen. In dem Interview vertritt der Soziologe und Politikwissenschaftler Hartmut Rosa die These, dass „Der Kapitalismus […] Verhältnisse [befördert], unter denen Burnout oder Depressionen zunehmen“. Während der Soziologe, Psychologe und Psychotherapeut Martin Dornes diese These bestreitet.

Rosa führt als Belege für seine These den Anstieg schwerer psychischer Krankheiten an und erklärt diesen damit, dass sich im heutigen Kapitalismus im Gegensatz zu dem früherer Tage die Zukunftshorizonte eingetrübt haben. „In den heutigen Industriegesellschaften sagt die Mehrzahl der Eltern nicht, wir müssen hart arbeiten, damit es den Kindern bessergeht. […] Sie sagen: Wir müssen hart arbeiten, damit es ihnen nicht schlechtergeht.“ Der Umstand, dass die eigenen Anstrengungen keine Verbesserungen zur Folge haben, führe zu einer zynischen Haltung und Burnout.

Der Mechanismus den Rosa anführt, dass die Entkopplung zwischen eigenem Bemühen und Erfolg die Menschen krank macht, ist in der Psychologie anerkannt und wird als das Konzept erlernte Hilflosigkeit zur Erklärung von Depressionen verwendet. So gesehen wäre Stress die Folge dessen, dass in den letzten Jahren die Reallöhne stagniert sind.

Man würde Rosa jedoch unrecht tun wenn man seine Argumentation auf diesen Punkt einengt. Sein eigentliches Thema ist die Zeit. Für ihn stellt ein mehr an Freizeit ein Verlust derselben dar, da überproportional zu dem Maß, in dem die Freizeit wächst, die Pflichten anwachsen, die in dieser abzuleisten sind. Für Rosa steht der Einzelne immer unter dem Druck der Konkurrenz, der dazu führt, dass die Ansprüche immer höher geschraubt werden. Dieser Umstand ist nach Rosa untrennbar mit dem Kapitalismus verbunden. Als Ausweg sieht er einzig die Umgestaltung der Gesellschaft.

Wie sich Rosa eine bessere Alternative vorstellt bleibt wie gewohnt im Dunkeln. In dem Interview erfahren wie nicht mehr als, dass er den Kapitalismus überwinden will. Es bleibt den Leser überlassen zu überlegen wie eine Gesellschaft aussehen müsste. Wenn man bedenkt, dass es in einer solchen Gesellschaft die Möglichkeit eingeschränkt wäre, Ansprüche an seine Handelspartner und Mitmenschen zu stellen, wäre sie wohl in vielerlei Hinsicht weniger frei.

Interessanterweise diskutiert Rosa nicht, inwiefern die voranschreitende Optimierung von Arbeitsabläufen zu weniger Totzeiten und damit zu einer Verdichtung der Arbeit führt und wie sich das auf die mentale Belastung der Beschäftigten auswirkt. Möglicherweise führt das ihn zu weit von seinem eigentlichen Forschungsinteresse, wie sich das Individuum organisiert, weg.

Dornes bestreitet bereits, dass die Zunahme der Burnout-Diagnosen auf einen tatsächlichen Anstieg dieser Erkrankungen zurückzuführen sei. Vielmehr würden Depression und Burnout heute besser erkannt und bereits bestehende Erkrankungen eher in das diagnostische Hellfeld überführt. Einen Anstieg an Diagnosen habe es im „semisozialistischen“ Schweden genauso gegeben. Seinen Beobachtungen zufolge ist es auch nicht so, dass wir den Belastungen heute weniger gewachsen wären, im Gegenteil er attestiert dass die psychosoziale Kompetenz von Eltern zugenommen hat.

Betrachtet man die Argumentation Rosas und Dornes‘ genauer, stellt man fest, dass Rosas Begründungen darauf beruhen, dass er die Phänomene in eine möglichst konsistente Erzählung einbettet und quasi die Funktionsweise der Gesellschaft auf wenige Grundmotive zurückführt, eben den Kapitalismus. Es ist wenig überraschend, dass ein linker Politikwissenschaftler wenig Wert auf empirische Beweisführung legt.

Rosas Argumentation ist rein qualitativer Natur. Die Mechanismen, die er benennt, mögen einen Plausibel vorkommen, es lässt sich anhand seiner Argumentation nicht feststellen, ob sie wirklich stark genug sind, um einen dominierenden Einfluss auf einen auszuüben. Dornes hingegen begründet seine Position eher mittels Statistiken und lässt seine Praxiserfahrung in seiner Argumentation einfließen. Er sieht eine Häufung psycho-sozialer Störungen eher bei den unteren Schichten. Es ist nicht auszugehen, dass an die unteren Schichten höhere Ansprüche gestellt werden, daher ist es seht unwahrscheinlich, dass die von Rosa beschriebenen Mechanismen ursächlich für den Großteil psycho-sozialer Störungen sind und andere Ursachen viel entscheidender sind.

Rosas Argumentationsweise ist sicherlich besser geeignet eine öffentliche Debatte für sich zu gewinnen. Da er jedoch völlig auf empirische Belege verzichtet muss man Dornes‘ Argumentation größere Beweiskraft zugestehen.

In Rosas Sicht der Dinge leitet sich alles von wenigen Grundprinzipien ab, der Stress des Einzelnen ist nur eine Erscheinungsform des Weltübels Kapitalismus. Die Gestaltungsmöglichkeiten des Einzelnen verschwimmen in dieser Sichtweise; eine Besserung der Lage bietet allein das kollektive Aufbegehren gegen die herrschenden Zustände. Dornes hingegen fragt nach den spezifischen Umständen und fragt was kann der Einzelne im Hier und Jetzt tun damit es ihm besser geht. Ironischer Weise ist es die zweite Sichtweise von der man sich eher gesellschaftliche Veränderungen erhoffen kann. Wenn viele im Einzelnen bessere Arbeitsbedingungen durchsetzen, führ das eher zu einer besseren Arbeitskultur als ideologische Agitation und Klassenkampf.

Jenseits der Schuld

November 22, 2013

Schuld ist ein erstaunlich unnötiges Konzept. Zwar scheint die Unterteilung in richtiges und falsches Verhalten, den meisten Menschen die notwendige Orientierung zu geben. Aber näher betrachtet schadet das Konzept mehr als es nutzt. Die Idee der Schuld ist, dass es allgemeine, vorgegebene Normen gibt, die einen vor Verletzungen und Verlusten aller Art schützen. Gleichzeitig haben diejenigen die an die Schuld glauben Angst davor, diese Normen zu verletzen. Das Problem an diese Denkweise ist sie die Kreativität erstickt, zur Unmündigkeit erzieht und es erschwert Kompromisse zu finden.

Im Zusammenleben von Menschen gibt es weniger allgemeinen Normen als man vielleicht annehmen würde. Zwar sind die Normen im Umgang mit Fremden sehr allgemein und unveränderlich, aber auch diese variieren von Region zu Region und von Kontext zu Kontext. Wenn man dann den Sprung über das Fremdsein hinaus wagt kann es keine allgemeinen Normen geben, Weil die Menschen aufgrund ihrer unterschiedlichen Erfahrungen auf die gleichen Dinge sehr unterschiedlich reagieren. Was für den einen ein notwendiges Zeichen von Nähe ist, ist für den anderen schon eine Grenzverletzung. Im Umgang mit anderen sind Frustrationen daher unvermeidlich. Wir kennen die Bedürfnisse unsers Gegenübers nicht und müssen uns erst daran herantasten. Bei diesem Prozess finden wir uns in unsere Rollen hinein. Diese Rollen definieren wie wir mit welchen Menschen auf welche Weise umgehen. Wir fühlen uns in unseren Rollen wohl, weil wir wissen, dass andere unser Verhalten in dieser Rolle akzeptieren. Wenn jemand aus seiner Rolle ausbricht setzt sein Umfeld dem meistens Widerstand entgegen, weil es vom dem ungewohnten Verhalten irritiert wird. Wie wir unsere Rollen definieren liegt allein in unserer Verantwortung. Auf dem Weg dahin wird es Irritationen und Verletzungen geben, aber der Weg kann uns nicht von anderem abgenommen werden. Wenn wir versuchen uns lediglich im Rahmen allgemeiner Normen zu bewegen bleiben entweder unsere Beziehungen auf einem sehr niedrigen Level oder wir müssen uns auf den Mut anderer verlassen zu dem Preis, dass wir sehr passive Rollen einnehmen.

Das Denken in der Kategorie Schuld ist auch der Versuch die Verantwortung von sich abzuwälzen. In unserer Kindheit waren diejenigen, die uns schaden wollten, die Bösen und Papi hat uns vor ihnen beschützt. Anstatt unsere Probleme selbst zu lösen, mussten wir diese Aufgabe an andere delegieren. Auch im Erwachsenenalter finden wir an der Idee gefallen, dass ein Held das Böse bestraft und die Guten beschützt. Diese Idee ist immerhin das Grundgerüst von zahlreichen Filmen und anderer Unterhaltung. Es ist attraktiv andere als schuldig zu darzustellen, wenn uns ihr Verhalten nicht passt, weil wir dann erwarten, dass unsere Probleme dann von anderen gelöst werden. Wenn andere diese Sichtweise übernehmen, kann das sogar stimmen. Der Versuch auf diese Weise unser Zusammenleben zu organisieren führt jedoch dazu ein Korsett von Regeln aufzubauen, dass in den meisten Situationen nicht angebracht ist und unter dem manche Bedürfnisse nicht ausgelebt werden können. Eine erwachsene Umgangsweise mit Verhalten das uns stört, ist zu kommunizieren was uns stört und entsprechende Konsequenzen zu ziehen, wenn  das Verhalten beibehalten wird. Der Unterschied zwischen diesem Verfahren und dem sanktionieren durch Schuld besteht in zwei Punkten: Erstens müssen wir die Verantwortung übernehmen und selbst die Konsequenzen ziehen. Zweitens nehmen wir das störende Verhalten nicht persönlich. Wenn jemand bereit ist die Konsequenz zu ertragen, kann er sich ruhig weiter störend verhalten.

Wenn wir uns an Schuldfragen orientieren geht viel Energie für wichtigere Dinge verloren. Wenn wir Fehler gemacht haben und damit konfrontiert werden, ist unsere erste Reaktion uns vor Vorwürfen zu schützen. Die Reaktion kann darin bestehen unsere Verantwortung für den Fehler kleinzureden oder die Bedeutung des Fehlers zu relativieren. Meistens werden durch diese Handlungen andere mit echtem oder angeblichem Fehlverhalten konfrontiert, die ihrerseits Abwehrreaktionen zeigen. Anstatt sich damit zu beschäftigen wie der Fehler behoben und zukünftig vermieden werden kann, ist bereits viel Kreativität dafür verausgabt worden, sich Ausreden auszudenken. Um nicht in diese unproduktiven Verhaltensmuster zu fallen ist es hilfreich zu akzeptieren, dass es normal ist Fehler zu machen und das wir deswegen keine Schuldgefühle haben brauchen. Nichts kann so befreiend sein wie einmal zu sagen: „Du hast Recht, tut mir Leid, es wird nicht wieder vorkommen“, wenn es wirklich ernstgemeint ist und glaubhaft kommuniziert werden kann. Auch kann es sehr frustrierend sein, wenn wir mit jemand eine konstruktive Lösung suchen und die betroffene Person Verhalten verteidigt, das wir gar nicht als Fehlverhalten wahrgenommen haben. In allen diesen Fällen stehen Schuldgefühle der Suche nach besseren Lösungen im Weg.

Auch wenn wie gezeigt es oft einfacher wäre ohne Schuldgefühle auszukommen, ist dieser Weg oft schwer zu beschreiten weil es tief in unseren Köpfen verankert ist, auf Vorwürfe mit Schuldgefühlen zu reagieren. Um reifere Menschen zu werden, bessere Beziehungen zu pflegen und unsere Ziele effizienter zu erreichen ist aber notwendig unsere Schuldgefühle hinter uns zu lassen und es zu unterlassen andere mit Schuldgefühlen zu manipulieren.

Ein Tag im Park

Oktober 17, 2013

Eine Freundin von mir hat mich auf den sehr guten Comic-Strip „a Day at the Park“ aufmerksam gemacht. In dem Comic werden zwei Lebensauffassungen gegenübergestellt, die einen interessanten Kontrast ergeben. Die Handlung besteht eigentlich nur einem einzigen Dialog von zwei Protagonisten, die sich zufällig auf einer Bank in einem Park begegnen und ins Gespräch kommen. Es stellt sich heraus, dass das beide eine Leidenschaft für das Sammeln haben, allerdings sammeln sie gegenteilige Dinge: Während der eine Fragen sammelt, sammelt der andere Antworten. Da dies jeweils auf das Unverständnis ihres Gegenübers trifft, entbrennt eine Diskussion über den Wert von Fragen und Antworten.

Der die Fragen sammelt führt an, dass sich das ganze Universum laufend ändert und Fragen an diesen Veränderungen teilhaben, ihr Wert kann dadurch sogar steigen. Antworten hingegen veralten und ihr Wert kann nur fallen. Der die Antworten sammelt erwidert, dass Fragen irgendwann auf Antworten treffen und dann selten etwas von ihnen übrig bleiben. An dieser Stelle fühlt sich der Fragen sammelnde gezwungen zuzugeben, dass auch er Antworten sammelt, ohne Antworten könnte man keine Entscheidungen treffen und wäre nicht fähig zu handeln. Aber er sehe keinen Grund Antworten wertzuschätzen, denn es kommt die Zeit an der die Antworten die Fragen nicht mehr richtig bedienen und sie fortgeschickt werden sollten. Eine falsche Antwort könne einen daran hindern zu den richtigen Fragen zurück zu kehren. Personen, denen die Frage fehlt, zu der sie zurück kehren können, neigen dazu sich mit starken Überzeugungen zu verteidigen. Daher ist er bei den großen Antworten, die schon da waren bevor wir gekommen sind, besonders vorsichtig. Sie verschaffen sich gewaltsam Eintritt und wir akzeptieren sie, weil sie die Fragen vieler andere beantworten. Er bevorzugt Antworten, die seinen eigenen Fragen entsprungen sind. Sie  verletzen seine Fragen nicht und lassen sich ohne Probleme wieder entfernen.

Nach einigem hin und her kommen sie schließlich auf die Bedeutung hinter den Fragen und Antworten zu sprechen. Der Fragen sammelnde vermutet, dass es die Abwesenheit der Bedeutung ist, die allem die Chance lässt Bedeutung zu haben und dass alle Antworten zu besitzen sei wie nach dem Ende aller Bedeutung zu verlangen. Die Fragen, die meisten wert sind gefragt zu werden, seien nicht dazu da beantwortet zu werden, denn definitive Antworten auf solche Fragen würden uns unserer Freiheit berauben zu entscheiden was  wertvoll ist und was nicht und für diese Entscheidungen verantwortlich zu sein. Um unendliches Potential aufrecht zu erhalten, darf man niemals vollständig sein.

Der die Antworten sammelt, fühlt sich von diesen Ausführungen sehr angegriffen. Er fragt den anderen, ob diese Rede nur ein umständlicher Weg sei, ihm zu sagen, dass er Müll sammle. Bevor er Wut entbrannt verschwindet, stellt er seinem Gegenüber ein letzte Frage: „Wenn ‚wertlose‘ Antworten das einzige sind, das zu Handlungen führt, das einzige das Dinge geschehen macht, was ist die eigentliche Verwendung für deine geschätzten Fragen?“

Der die Fragen sammelt ist alles andere als von dieser Frage getroffen. Im Gegenteil er freut sich wieder eine Frage gefunden zu haben, die es wert ist aufbewahrt zu werden.

Ich finde die Anekdote interessant, weil sie einen dazu bringt, darüber nachzudenken, auf welche Weise wir unser Leben betrachten. Durch die beiden Protagonisten werden zwei Sichtweisen charakterisiert und man fühlt sich aufgefordert zu überlegen welcher man am ehesten zustimmt. Dabei ist das Thema der Unterhaltung so abstrakt und wage, dass sich noch nicht einmal eindeutig sagen lässt worum es bei ihr eigentlich ging. Vordergründig geht es um die Frage, ob man eher Fragen oder Antworten aufbewahren sollte. Da sich nicht ohne weiteres sagen lässt, was das Aufbewahren von Fragen bzw. Antworten konkret bedeuten soll, muss man überlegen welche Lebenseinstellung sich eigentlich dahinter verbirgt.

Beide Protagonisten stimmen darin überein, dass es die Antworten sind, die erst Handlungen und Entscheidungen ermöglichen. Mit Antworten sind also nicht Antworten aus dem Bereich des Wissens, Lösungen von Rätseln, sondern unsere Handlungsgründe gemeint. Das ist die Perspektive aus der ich die sehr vielschichtige Geschichte analysiere.

 Fragen aufzubewahren, heißt in diesem Kontext nichts anderes als sich die Möglichkeit offen zu halten, die gegebenen Antworten nochmal zu revidieren. Für diese Einstellung spricht, dass sie es erlaubt auf falsche Urteile zu reagieren und sich nochmal umzuentscheiden. Eine derartige Flexibilität muss aktiv aufrechterhalten werden. Der eine Protagonist berichtet von seinem Kampf gegen die großen Antworten, die sich ungefragt einschleichen könnten. Gemeint ist meines Erachtens die Konventionalität. Es ist einfach dem zuzustimmen, dass alle für wahr halten. Sich die Fragen aufzubewahren, läuft also darauf hinaus auch das scheinbar naheliegende zu hinterfragen. Daraus ergibt sich eine offene Haltung, die in der Schlusspointe sehr schön Illustriert wird. Selbst ein Angriff auf grundlegende Überzeugungen, wird nicht Gefahr wahrgenommen, sondern als eine Position, die ihre Berechtigung hat und berücksichtigt werden muss. Der Protagonist, der die Fragen aufbewahrt, erhebt ferner den Anspruch selbst zu entscheiden, was von Bedeutung ist und lässt sich hier keine Vorgaben machen. Geht also die Haltung sich alle Möglichkeiten offen zu halten, mit Selbstbestimmung einher?

Im Umkehrschluss heißt Antworten aufzubewahren, dass man an einmal getroffenen Entscheidungen festhält und an Glaubenssetzten auch dann festhält, wenn die Fakten zeitweise dagegen sprechen. Die Argumente die uns der Comic für diese Position gibt, sind leider etwas knapp. Der Protagonist der von dieser Position eingenommen ist, beansprucht wenig Redezeit, wird emotional und macht insgesamt keine gute Figur. Das wichtigste Argument wird in der letzen Frage nur angedeutet, aber nicht wirklich erklärt. „Wenn ‚wertlose‘ Antworten das einzige sind, das zu Handlungen führt, das einzige das Dinge geschehen macht, was ist die eigentliche Verwendung für deine geschätzten Fragen?“, In anderen Worten nur auf den Fragen zu beharren und nie eine Antwort zu geben, führt nur ins Nichts.

Man kann es sich nicht aussuchen keine Antworten zu sammeln.  Jeden Tag bietet das Leben unzählige Optionen, sich für bestimmte zu entscheiden heißt genauso sich gegen andere zu entscheiden, aber die einmal getroffene Entscheidung lässt sich nicht mehr revidieren. Wenn wir versuchen uns der endgültigen Entscheidung zu entziehen, läuft dass in vielen Fällen darauf hinaus unsere Chancen ungenutzt verstreichen zu lassen. Wenn wir uns nicht festlegen können welchen Beruf wir ergreifen, werden Jahre unseres Lebens ohne Weiterkommen an uns vorüberziehen. Wenn wir uns nicht entscheiden können wen wir heiraten, heißt das nie zu heiraten und nie eine Familie zu gründen. Wenn wir zu derartigen Entscheidungen nicht in der Lage sind, sind wir nicht selbstbestimmt, sondern werden von unseren Ängsten bestimmt, etwas zu verpassen.

Der eine Protagonist postuliert, dass um unendliches Potential aufrecht zu erhalten, man niemals vollständig sein dürfe. Die Tatsache ist jedoch, dass der Mensch kein unendliches Potential hat, er ist endlich. Wegen dieser Endlichkeit müssen wir unser Potential auch nutzen, bevor es verrinnt. Wenn ich also überlege welcher Haltung ich eher zustimme komme ich zu dem Schluss, dass Autonomie, Unkonventionalität und Reflexion zwar wichtige Tugenden sind, die das Leben lebenswerter machen, aber man sollte ihretwillen nicht die Augen vor der eignen Begrenztheit verschließen, sondern mit Mut auch endgültige Entscheidungen treffen.

Kompetenz und Neid

Juni 10, 2013

Neid ist eigentlich nichts anderes als der Versuch die Verantwortung für seine eigene Unzufriedenheit auf äußere Umstände zu verlagern. Neid bedeutet, dass man anderen ihren Erfolg missgönnt, weil man glaubt, dass sie diesen nicht verdient hätten, dass man ihn mindestens genauso verdient hätte. Dieser Glaube dient dazu das eigene Selbstbild zu schützen. Man hofft insgeheim zu den Besten zu gehören auch wenn man eigentlich nur Mittelmaß ist. Aus dem Grund versucht man den Erfolg anderen zu relativeren und kleinzureden.

Die Wege die der Neid geht, um den Erfolg anderer kleinzureden ist durchaus amüsant. So hat die Redewendung „Geld macht nicht glücklich“ ihren Sinn ausschließlich darin, diejenigen zu erbauen, die der finanzielle Erfolg anderer bedrückt: „Du magst zwar mehr Geld haben als ich, ABER glücklich…“ Dabei macht Geld sehr wohl glücklich, wenn auch Dinge wie Freundschaft und Familie wesentlich wichtiger sind. Wenn die Überlegenheit anderer zu offensichtlich ist, versucht man mittels seichter Lügen das Spielfeld zu wechseln. Das Amüsante ist nun das die Überlegenheit der Neider auf dem neuen Spielfeld (wir sind wenigstens glücklicher) nur in ihrer Phantasie besteht. Man versucht sich diese Phantasie dadurch zu bewahrt, dass man sich gegenseitig in seiner kleinbürgerlichen Vorstellungswelt bestärkt.

Aus der Psychologie ist bekannt, dass diejenigen die für eine bestimmte Aufgabe die geringste Kompetenz haben, am ehesten dazu neigen sich selbst zu überschätzen. Das ist der Dunning-Kruger-Effekt. Teil dieses Effekts ist es, die überlegenen Fähigkeiten anderer nicht anzuerkennen. Jemand mit geringer Kompetenz seine Lebensziele zu erreichen, wird immer wieder in die Situation kommen, dass andere, denen er sich als ebenbürtig betrachtet, deutlich mehr Erfolg haben.  Es ist nachvollziehbar, dass diese Menschen sich oft benachteiligt fühlen und auch den Erfolg anderer nicht anerkennen möchten.

Ein Logischer Schritt in dieser Situation ist es, die Ursache für Erfolg oder Misserfolg nicht im eigenen Handeln zu suchen, sondern  Erfolg für das Produkt von Zufall oder übler Machenschaften zu halten. Anstatt anzuerkennen, dass man bei der Suche nach einem Partner aktiver werden muss, flüchtet man sich lieber in Glaubenssätze wie „Frauen stehen sowieso nur auf Arschlöcher“ oder ähnliches. Typisch für den Neider ist, dass er keine Vorstellung davon hat, wie man erfolgreich wird. Er missgönnt anderen ihren finanziellen Erfolg, scheut jedoch die Risiken und Mühen, die notwendig sind um diesen Erfolg zu erringen. Schlimmer ihm ist noch nicht einmal bewusst, welche Risiken und Mühen für den finanziellen Erfolg ausschlaggebend sind.

Das destruktive eigentlich fast tragische am Neiden ist, dass es von den eigentlich wichtigen Dingen ablenkt. Dass andere noch erfolgreicher sind, erschwert es nicht im Leben selbst Erfolg zu haben. Wenn andere nicht nur viel Geld haben, sondern ungerechter Weise auch noch glücklich sind, was soll es. Wichtig ist nur selbst glücklich zu werden, ob nun mit viel Geld oder wenig. Indem wir verstehen, wie wir unser Leben nach unseren Vorstellungen gestalten können, verlieren wir den Zwang andere für ihren Erfolg zu beneiden.

Das Übel Preisschranken

Mai 28, 2013

In der aktuellen politischen Diskussion spielen Preisschranken eine zunehmende Rolle etwa in der Gestalt von Mindestlöhnen oder in der von Mietobergrenzen. Preisschranken haben die Eigenschaft nicht nur dem Übel, wegen dem sie eingeführt werden, nicht nur nicht abzuhelfen, sondern es sogar zu verstärken. Durch Preisschranken wird durch den Staat ein Preis für ein Gut festgelegt der nicht über- bzw. unterschritten werden darf. Der Sinn ist meist bestimmte Produktionsstrukturen zu erhalten oder einem Sozialen Missstand zu beheben.

Das am häufigsten genannte Argument für Mindestlöhne, ist das er dafür sorge dass „die Menschen von ihrer Arbeit leben können“. Es geht keineswegs darum Armut zu bekämpfen, dass wird bereits durch die sozialen Sicherungssysteme geleistet. Vielmehr hält man es für moralisch geboten, dass jemand der arbeitet, auch ein bestimmtes (subjektives) Wohlstandsniveau durch das Arbeitseinkommen erzielt. Gut wünschenswert wäre das tatsächlich, entscheidend sollte jedoch sein, ob Mindestlöhne den betroffenen auch helfen würden. Nicht alles, das wünschenswert ist, ist auch moralisch geboten.

 Wenn jemand einem Arbeitsvertrag zustimmt, erwartet er, dass er sich durch diesen Arbeitsvertrag besser stellt als es durch sämtliche Alternativen der Fall wäre, also andere Arbeitsverträge einzugehen oder nicht zu arbeiten. Andernfalls würde er dem Vertrag gar nicht zustimmen. Ein Mindestlohn würde es den Arbeitssuchenden untersagen, bestimmte Arbeitsverhältnisse einzugehen, auch wenn diese aus ihrer Sicht die beste Alternative gewesen wäre. Sie müssten sich also für eine schlechtere Alternative entscheiden.

Die Apologeten des Mindestlohns gehen davon aus, dass es bessere Alternativen gäbe, diese aber den Arbeitssuchenden aus Profitgier vorenthalten werden. Nun müssen die Anbieter von Arbeitsplätzen selbst knapp kalkulieren. In einem freien Markt unterbieten sich die Anbieter eines Guts, bis die Nachfrage ein Niveau erreicht hat, durch dass das gesamt Angebot gedeckt ist. Wenn es auf einem höheren Lohnniveau genauso viel Nachfrage nach Arbeitskräften gäbe, hätten die Arbeitssuchenden keinen Grund sich bis auf das aktuelle Niveau runterzuziehen. Natürlich gibt es die Möglichkeit das auch große Menschengruppen systematisch danebenliegen, hier also die Arbeitssuchenden ihren Spielraum nicht ausnutzen, allerdings sind die Arbeitssuchenden und ihre Gegenpartei am ehesten in der Lage sich ein realistisches Bild über die tatsächlichen Begebenheiten zu machen. Alle Außenstehenden würden die Situation mit größerer Wahrscheinlichkeit falsch einschätzen. Daher müssen wir davon ausgehen, dass auf einem höheren Lohnniveau weniger Arbeitssuchende eine passende Stelle finden.

Was wäre also die Wirkung eines Mindestlohnes? Die Betroffenen würden in zwei Gruppen zerfallen. Der vermutlich größere Teil würde tatsächlich, den höheren Lohn bekommen. Der andere Teil jedoch, würde in die Arbeitslosigkeit entlassen. Ohne Mindestlohn würden sie es als bessere Alternative erachten, sich in den Arbeitsmarkt hineinzubitten. Durch den Mindestlohn werden sie gewaltsam daran gehindert.

 John Rawls postulierte ein Kriterium, das politische Maßnahmen  einhalten müssen, damit man sie als gerecht ansehen kann: Ein politisch Maßnahme muss den am wenigsten Begünstigten die meisten Vorteile bringen. Die am wenigsten Begünstigten besteht hier klar in der Gruppe, die am Eintritt in den Arbeitsmarkt gehindert wird. Sie werden benachteiligt indem man ihnen die Alternativen vorenthält, die sie ansonsten gewählt hätten. Im Sinne Rawls ist der Mindestlohn somit ungerecht.

Ein Mindestlohn muss auch deswegen negative Konsequenzen nach sich ziehen, weil er missachtet dass die Motive ein Beschäftigungsverhältnis einzugehen sehr unterschiedlich sein soll. Die Befürworter gehen von festen Vorstellungen aus wie die Beziehung zwischen Beschäftigten und Unternehmen aussieht. Sie missachten, dass es neben dem Norm auch andere Arten der Beziehung gibt. Sie unterstellen, dass jede Arbeit dazu dient ein Einkommen zu erzielen, dass den Lebensunterhalt deckt. Daneben gibt es jedoch auch den Fall, das sich jemand, dessen Lebensunterhalt schon anderweitig gedeckt ist, etwas hinzuverdienen möchte oder dass die Stelle nur dazu dient Erfahrung, Kontakte oder ähnliches zu sammeln und sie später in eine Stelle mit höherem Einkommen umgewandelt wird. Wenn man derartige Ziele verfolg, ist die Höhe des Lohns erst einmal nicht entscheidend. Für den Dazuverdiener sind praktische Erwägungen relevanter, für die Chancensammler die langfristigen Perspektiven. Gerade diese Gruppen sind dem Risiko ausgesetzt durch Mindestlöhne keine adäquaten Stellen zu finden. Daher besteht etwa auch ein deutlicher Zusammenhang zwischen Mindestlöhnen und der Jugendarbeitslosigkeit. Ein Mindestlohn kann durchaus den Interessen der etablierten Beschäftigten dienen, er tut es jedoch indem er den Interessen der Jugend schadet.

Auch Mietobergrenzen sind kontraproduktiv. Hier ist es das Ziel mehr „bezahlbaren Wohnraum“ zu schaffen. Das Problem Wohnraummangel lässt sich letztlich nur dadurch lösen, dass Wohnungen gebaut werden. Nun sind Wohnungen jedoch Investitionsobjekte, die eine gewisse Rendite erbringen müssen, damit sie überhaupt gebaut werden. Nimmt man den Vermietern die Chancen auf höhere Mieten stimmt das Verhältnis zu den Risiken nicht mehr, es lohnt sich weniger in Wohnraum zu investieren und in letzter Konsequenz werden weniger Wohnungen gebaut. Im Lauf der Jahre nimmt dann der Wohnraummangen sogar zu und die Qualität bestehender Wohnungen sinkt.

Kurzfristig kommt ein zweiter Effekt zum Tragen: Ein höherer Preis dient auch dazu, diejenigen mit höherer Zahlungsbereitschaft von denen mit niedrigerer Zahlungsbereitschaft zu trennen.  Für eine Wohnung ist man nur dann bereit eine teure Miete zu zahlen, wenn sie gut zu den eigenen Vorstellungen passt. Ein freier Mietmarkt ermöglicht es also denen die ein größeres Interesse an einer Wohnung haben, diejenigen zu überbieten, deren Interesse weniger hoch ist. In einem regulierten Mietmarkt ähnelt die Wohnungssuche einer Lotterie, da es viel mehr Interessenten gibt, als es ohne Mietobergrenzen der Fall wäre. Es kommen auf jedes Objekt mehr Interessierte und damit verlängert sich auch die Zeit bis man überhaupt eine Wohnung findet. Mietobergrenzen schaden also nicht nur den Vermietern, auch ein Teil der Mieter wird schlechter gestellt als es ohne Mietobergrenzen der Fall ist.

Besonders Linke Zeitgenossen werden natürlich einwenden, dass es nicht vom Geldbeutel abhängen darf, ob man eine schöne Wohnung bekommt. Dahinter steht natürlich die Vorstellung, dass die Einkommen ohnehin ungerecht verteilt sind und jeder Verteilungsmechanismus über die Einkommen selbst wieder ungerecht sei. Ohne die Debatte zu weit zu vertiefen sei erwidert, dass auch wenn Markteinkommen nicht in jedem Einzelfall gerecht sein können, sie immer noch der gerechteste Verteilungsmechanismus sind den wir haben und die Verteilung von Gütern über das Einkommen daher das relativ geeignetste Mittel ist.

Interessant ist die Denkweise die hinter der Forderung nach Mietobergrenzen steckt. Man kümmert sich nicht um die Konsequenzen, dessen was man fordert. Man könnte fast meinen Mietobergrenzen dienen dazu, Vermieter für ihr missliebiges Verhalten, zu wenige Wohnungen anzubieten, zu bestrafen. Es wird der Interessensgegensatz betont und missachtet, dass eine arbeitsteilige Gesellschaft auf den Interessensausgleich bedacht sein muss.

Wem es tatsächlich darum geht den Wohnraummangel anzugehen, der sollte sich für eine dichtere Bebauung einsetzten. Außer potentiellen Investoren und potentiellen Mietern hat daran jedoch kaum jemand ein Interesse, sodass derartige Ideen noch nicht einmal Diskutiert werden.

Was wir anhand von Mindestlöhnen und Mietobergrenzen diskutiert haben gilt auch allgemein für Preisschranken. Durch sie werden Übereinkünfte verhindert, die für die jeweiligen Beteiligten vorteilhaft sind und schaden damit mehr Menschen als von ihnen profitieren. Auch denjenigen die kurzfristig von Preisschranken profitieren, werden langfristig benachteiligt, da Preisschranken falsche Anreize setzen und damit die Produktionsstruktur verzerren. Daher sind Preisschranken oft nur ein Mittel um billige Zustimmung zu erzielen, ohne etwas an den eigentlichen Problemen zu ändern.

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Zypern: Der große Zock

März 19, 2013

Die Art wie mit Zypern umgegangen wird ist schwer nachzuvollziehen. Es wirkt fast so, als ob hier versucht wird bewusst einen möglichst hohen Schaden zu verursachen. Im Politiksprech werden nun die Inhaber von Bankeinlagen „an der Rettung des Banksystems beteiligt“, also enteignet. Man muss sich die langfristigen Schäden vor Augen halten, die das mit sich bringt: Um dem Risiko möglicher Enteignung zu entgehen, werden die Untertanen Europas versuchen ihr Vermögen so zu gestalten, dass es dem Zugriff des Staates möglichst gut entzogen ist. Es zum Beispiel im Ausland anlegen oder in anonymen Anlageformen wie Bitcoin oder Gold. Wenn die Kosten dafür zu teuer sind, werden sie vermutlich ihre Sparanstrengungen vermindern. Insbesondere erwarte ich, dass wieder verstärkt Kapital aus den Krisenstaaten abfließt und ihre Erholung damit in noch weitere Ferne rückt. Dies dürfte man an den Traget-Salden der nächsten Monate ablesen können.

Auch kurzfristig war der Plan extrem riskant, nicht nur stößt er auf so starken Wiederstand, dass er droht komplett zu scheitern. Er hätte auch dazu führen können, dass die Untertanen anderer Krisenstaaten ihre Einlagen in Sicherheit bringen und hätte damit einen großflächigen Zusammenbruch von Banken ausgelöst. Weltweit sanken die Aktienmärke aus Furcht vor diesem Ereignis und erholten sich teilweise, nachdem sich abzeichnet, dass es ausbleibt.

Schwerer dürfte der politische Schaden sein. Ohne Not wurde die vertragsgemäße Verteilung der Risiken durchbrochen: Die Gläubiger der Banken müssen Verluste tragen, die Eigentümer nicht. Die Verluste treffen also diejenigen, die die Risiken weder kennen, noch beeinflussen können. Für den Kunden einer solide wirtschaftenden Bank ist das besonders bitter, da er zur Haftung für Risiken herangezogen wird, mit denen er nichts zu tun hat und die er vielleicht sogar bewusst vermieden hat. Das ist die besondere Willkür dieser Enteignungen. Wer spart und klug investiert wird bestraft, wer sein Geld verprasst oder verspekuliert kommt davon. Die politische Klasse hat wieder einmal gezeigt, dass sie bereit ist, sich über alles hinwegzusetzen was Recht und Billig ist und vergrößert damit die Kluft zwischen sich und ihren Untertanen.

Damit aber nicht genug: Bankeinlagen sind eine der sichersten Anlageformen überhaupt und erfüllen damit einen bestimmten Zweck in der Finanzplanung der Einzelnen. Dadurch, dass den Bankeinlagen künstlich Risiken aufgeladen werden, können sie diesen Zweck nur noch unzureichend erfüllen. Damit wird die Ausführung der persönlichen  Finanzpläne ein Stück weit vereitelt. Ich würde soweit gehen zu sagen, dass Enteignungen Teile der Lebensgestaltung der Einzelnen gefährden.

Die Apologeten der Enteignungen verweisen zum einen darauf, dass ohne das „Rettungspacket“ die Zyprer wesentlich mehr verlieren würden, zum anderen dass es viele Steuerflüchtige und “Reiche“ trifft und daher gerecht sei. Den ersten Punkt widerspreche ich, da die Bankkunden sicher besser geschützt wären, wenn die Eigentümer und nachrangig besicherten Gläubiger die ersten Verluste tragen. Desweiteren ist es gar nicht sicher, dass es für das Land wirklich besser ist, einen unbezahlbaren Schuldenberg vorsich her zu schleppen. Das schlimmste, das der politischen Klasse passieren kann, ist, dass ein Land aus der Eurozone austritt und sich zügig erholt, so wie es Island vorgemacht hat. Den zweiten Punkt widerspreche ich, da er darauf hinausläuft, dass die Zyprer in kollektive Haftung genommen werden, die nicht durch die Verfehlung Einzelner gerechtfertigt werden kann.

Ein Grund, aus dem Schäuble Zypern die Enteignungen aufgezwungen hat, ist naheliegend: Er will den Finanzplatz Zypern auf Dauer beschädigen und damit eine Steueroase trockenlegen. Um dieses Ziel zu erreichen geht er, wie oben beschrieben, extreme Risiken ein und verursacht enorme Schäden. Er ist für mich ein verantwortungsloser Zocker.