Archive for the ‘Ökonomie’ Category

Vom Reichtum einzelner profitieren alle!

Oktober 5, 2012

Mit der Veröffentlichung des Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung mehren sich wieder einmal die Stimmen, die nach mehr Umverteilung und mehr Besteuerung verlangen. Meiner Meinung nach zeugen solche Forderungen von einem schiefen Wertesystem. Es ist leicht zu durchschauen, dass das Motiv hinter diesen Forderungen nicht ist, das es den Armen besser geht, sondern den Reichen schlechter. Das erkennt man daran, dass durch Umverteilung gar nicht die Mittel bereitgestellt werden können, die nötig wären, um den Lebensstandard der breiten Bevölkerung dauerhaft zu beeinflussen. Die Umverteilung als Mittel für das vorgegebene Ziel also völlig ungeeignet ist.

So liegt das Gesamtvermögen in Deutschland bei etwa 8 Billionen Euro, pro Deutschem rund 100000 Euro. Auf den ersten Blick recht viel, aber das relativiert sich, wenn man überlegt, was man damit anfangen würde. Sicher angelegt würden 10000 Euro ein passives Einkommen von weniger als 170 Euro im Monat bedeuten, würde man das Vermögen der Welt auf jeden Erdenbürger verteilen reicht es sogar nur für ein passives Einkommen von 30 Euro. 170 Euro ist nicht wenig, aber nicht genug um von einem anderen Lebensstandard sprechen zu können. (Dank an Zettel für dieses Argument)Also ist in letzter Konsequenz das Ziel der Umverteilungsdebatte den Reichtum zu zerstören.

Ein weitaus besseres Mittel um den Lebensstandard der Armen zu heben, dürfte es sein den Reichen ihren Reichtum zu lassen und produktiv einsetzten zu lassen. Denn hinter dem Vermögen der Reichen steht letzten Endes der Kapitalstock, der erst die hohen Arbeitseinkommen der entwickelten Welt ermöglichen. Allein durch Investitionen in leistungsfähige Arbeitsmittel, wie etwa Maschinen oder Transportmittel kann die hohe Produktivität erreicht werden,  die sich in hohen Löhnen niederschlägt. Wird der Kapitalstock zerstört, wird auch die Basis für den Wohlstand der breiten Masse vernichtet.

Selbst dann, wenn gar nicht versucht wird den Kapitalstock zu zerstören, sondern ihn durch politische anstatt durch marktwirtschafliche Mittel zu organisieren, ist das Ergebnis die Zerstörung des Kapitalstocks. In der reinsten Form mussten diese Erfahrung die Kommunisten machen. Der Grund ist, dass das Kapital sich nur dann erhalten kann, wenn es wirtschaftlich eingesetzt wird. Das ist nur dann sichergestellt, wenn diejenigen, die über den Einsatz des Kapitals entscheiden, auch von den Erträgen, die das Kapital abwirft profitieren, kann. Andernfalls werden die Entscheidungsträger ihre Entscheidungen nach anderen Kriterien treffen, etwa um ihnen nahestehende Personen zu protegieren oder um politische Vorteile zu gewinnen.

Neben den gesellschaftlichen Nutzen, spricht auch die Moral gegen Umverteilung. Ob jemand Vermögen erwirbt oder nicht hängt direkt von den Entscheidungen ab, die er trifft. Wenn jemand trotz gutem Einkommen, er dieses lieber verkonsumiert, dreimal im Jahr in den Urlaub fliegt und sich ein großes Haus gönnt und kein eben Vermögen bildet, kann derjenige schlecht Ansprüche gegen jemanden anmelden, der sparsam lebt und sein Erspartes klug investiert. Große Vermögen entstehen durch unternehmerisches Engagement. Wer sich nicht unternehmerisch engagiert, kann nicht erwarten ein großes Vermögen aufzubauen und auch nicht von denen, den ein großes Vermögen gelingt, Entschädigung dafür verlangen, dass ihm kein großes Vermögen gelingt.

Vermögen setzt letztlich unternehmerisches Geschick, Risiko und Glück voraus. Glück wird meines Erachtens überschätzt, denn nur der kann sein Glück nutzen, der fähig ist seine Chancen zu erkennen und der sein Kapital im Risiko stehen hat. Ein Vermögen ist oft die Kompensation für das Risiko das man eingegangen ist. In der Regel bedeutet unternehmerisches Risiko wieder bei null anfangen zu müssen, wenn das Geschäft scheitert. Man hat also nur sehr wenige Chancen im Leben, ein großes Vermögen zu machen. Wenn Leute bereit sind ein derartiges Risiko auf sich zu nehmen, um eine Change auf Reichtum zu erhalten, tut man ihnen Unrecht, wenn man versucht sie im Erfolgsfall um ihren Erfolg zu betrügen. Auch Unternehmerisches Geschick fällt niemanden in den Schoß. Man muss es mühsam erwerben und sich dabei mit eher unspannenden Themen, wie Buchhaltung und Wirtschaftsrecht auseinandersetzten. Die Zeit die man opfert um ein guter Unternehmer zu werden, hätte man auch nutzen können um seine Persönlichkeit auf anderen Gebieten weiter zu entwickeln. Der Aufbau eines großen Vermögens ist also immer mit erheblichen Mühen und Risiken verbunden, daher wird ein großes Vermögen immer etwas Seltenes bleiben. Wer die Mühen und Risiken scheut kann auch kein Recht erwerben, an den Vermögen anderer beteiligt zu werden, er erleidet keine Ungerechtigkeit, wenn ihm kein Vermögen zufällt.

Natürlich hat nicht jeder Reiche sein Reichtum auf rechtschaffende Art erworben. Subventionen und Schutz vor Wettbewerbern spielen oft eine große Rolle. Daraus jedoch eine Forderung an jeden aus der Gruppe der Wohlhabenden zu konstruieren, ist dumpfster Kollektivismus. Wichtiger als sich in Vorurteilen gegen Vermögen zu ergötzen ist es die Bedingungen zu bekämpfen unter denen auf unrechtsschaffende Art und Weise Vermögen entstehen kann. Das heißt vor allem den Einfluss der Politik auf die Wirtschaft zurück zu drängen. (Siehe Nutz Wettbewerb den Starken mehr als den Schwachen?)

Wir haben also gesehen, dass Umverteilung im Endeffekt niemanden nützt, außer denen, die durch sie politische Macht erlangen. Dass sie den gesamtgesellschaftlichen Wohlstand bedroht, da mit zunehmender Umverteilung, die Kapitalbildung zurückgeht und das Kapital weniger effektiv eingesetzt wird. Schließlich dass das Vermögen des Einzelnen von seinen Lebensentscheidungen abhängt und die pauschale Verurteilung der Vermögenden, die man in der Reichtumsdebatte oft sieht, nicht gerechtfertigt ist. Rationaler als eine Umverteilung des Vermögens wäre eine Besteuerung der Intelligenz oder der sexuellen Attraktivität.

(Siehe auch Ars Libertatis zur Umverteilung)

Die wahren Kosten der Inflation

August 27, 2012

Ein Thema das das Zeitgeschehen zumindest unterschwellig prägt ist die Frage, ob es zu einer Inflation kommen wird und welche Folgen sie haben wird. Zumeist stehen die wirtschaftlichen und sozialen Folgen im Vordergrund. In meiner derzeitigen Abendlektüre „Masse und Macht“ von Elias Canetti bin ich auf ein sehr Interessantes Kapitel gestoßen. Canetti beschäftigt sich hier mit den psychischen Folgen der Inflation von 1923. Schenkt man den Ausführungen Canettis Glauben, muss man zu den Schluss kommen, das die psychologischen Kosten einer Hyperinflation beträchtlich sind und leicht die sozialen und wirtschaftlichen Kosten übersteigen können.

Canetti führt aus: “Was früher eine Mark war, heißt jetzt 10 000, dann 100 000, dann eine Million. Die Gleichsetzung des einzelnen Menschen mit seiner Mark ist dadurch unterbunden. Sie hat ihre Festigkeit und Grenze verloren, sie ist jeden Augenblick etwas anderes. (…) Der Mensch der ihr früher Vertraut hat kommt nicht umhin, ihre Erniedrigung als seine eigene zu empfinden. (…) der Mensch fühlt sich so schlecht wie das Geld, das immer schlechter wird; und alle zusammen sind diesem schlechten Gelde ausgeliefert und fühlen sich zusammen ebenso wertlos. “ (Elias Canetti: „Masse und Macht“ S. 217f.)

Laut Canetti ist der Wertverlust des Geldes unmittelbar mit der Demütigung derjenigen verbunden, die es verwenden. Canetti führt zwei Motive an die diesen Zusammenhang begründen. Das erste ist die der Verlust des Vermögens: „Der Prozess der Schatzbildung hat sich in sein Gegenteilverkehrt. (…)Es kommt nicht mehr dazu, es wird alles immer weniger, jeder Schatz verschwindet.“ (ebd.) Das zweite der Verlust der Verlässlichkeit des Geldes. Das diese Erlebnisse eine so schwere psychologische Wirkung haben können lässt sich meiner Meinung nach folgendermaßen erklären: Das Vermögensbildung ist für viele ein Teil ihrer Lebensplanung. Das Vermögen bietet Sicherheit in Zeiten des Umbruchs und Einkommen; um es zu erlangen sind Jahre der Disziplin erforderlich. Durch den plötzlichen Verlust des Vermögens erweisen sich die Mühen als vergebens. Damit entzieht sich dieser Teil der Lebensplanung auf einmal der Kontrolle. Das Ergebnis vor den man steht ist unabhängig von den eigenen Handlungen. Wie ich in einem früheren Artikel zur erlernten Hilflosigkeit dargelegt habe wecken solche Erlebnissen Zweifel an der Sinnhaftigkeit überhaupt zu handeln. Es ist daher plausibel, dass Inflation die Bevölkerung depressiv macht.

Die Wirkung, die der Verlust des Vermögens hat, ist leicht nachzuvollziehen wirkt jedoch nur auf bürgerliche Existenzen. Aber Inflation beeinträchtigt psychisch auch diejenigen, die nicht bewusst Vermögen bilden. Da in einer Hyperinflation das Geld seine Verlässlichkeit verliert, ist wirklich jeder von ihr betroffen. Das Einkommen, das zuvor eine Konstante war, ist nun abhängig von ständigen Neuverhandlungen. Wofür es diesen Monat reicht kann kein Mensch sagen, wofür nächsten noch weniger. Auf diese Weise geht die Fähigkeit verloren für die Zukunft zu planen. Man ist zum Spielball äußerer Mächte geworden. Es liegt auf der Hand, dass einen auch diese Situation Hilflosigkeit lehrt.

Canetti zufolge hat die psychische Situation der Bevölkerung in der Inflation auch politische Folgen: „Alle Massen, die sich in Inflationszeiten bilden (…) stehen unter dem Druck der entwerteten Million. So wenig man allein gilt, so wenig gilt man auch zusammen. Wenn die Millionen in die Höhe klettern, wird ein ganzes Volk, das aus Millionen besteht, zu nichts.“ (Canetti, S.218)

Die Menschen wissen, dass sie zum Spielball von Kräften geworden sind, die sie nicht kontrollieren können. Da Inflation immer auf politischen Entscheidungen beruht, ist sie eine Machtdemonstration des Staates gegenüber der Bevölkerung. Allerdings eine in der die Autoritäten ihre Verantwortung verleugnen. In der Inflation zeigt sich das demokratische Kontrolle nur eine Illusion ist. Da die ökonomische Bildung, die nötig ist um die Hintergründe der Inflation zu verstehen nicht sehr weit verbreitet ist, gelingt es der Politik die Schuld Sündenböcken in die Schuhe zu schieben. Sie kann ihre Entscheidungen treffen ohne Sanktionen durch Wähler oder ähnliche demokratische Kontrollmechanismen fürchten zu müssen. (Ähnlich verhält es sich mit allen Entscheidungen die von der Politik an sogenannte Experten delegiert wird.)

Die Inflation führt schließlich zu Spannungen und Ressentiments in der Bevölkerung: „Keine plötzliche Erniedrigung der Person wird je vergessen, sie ist zu schmerzlich. Man trägt sie ein Leben lang mit sich herum, es sei denn, man kann sie auf einen anderen werfen. Aber auch die Masse als solche vergißt ihre Entwertung nicht. (…) Als Objekt für diese Tendenz fand Hitler während der deutschen Inflation die Juden. (…) In der Behandlung der Juden hat der Nationalsozialismus den Prozeß der Inflation auf das genauste wiederholt. (…) Man hätte sie [die Deutschen] schwerlich so weit bringen können, wenn sie nicht wenige Jahre zuvor eine Inflation erlebt hätten, bei der die Mark bis auf ein Billionstel ihres Werts sank. Es ist die Inflation als Massenphänomen, die von ihnen auf die Juden abgewälzt wurde.“(Canetti, S.218ff.)

Canettis Argumentation mag spekulativ sein, aber wenn man bedenkt, dass die Politik darauf angewiesen ist, Sündenböcke zu präsentieren (früher die Juden heute Banker und Spekulanten), um von ihrer Verantwortung abzulenken, erhält der Zusammenhang zwischen Inflation und Genozid erhebliche Plausibilität.

Wie wir sehen gehen die Folgen der Inflation weit über das ökonomische hinaus. Selbst wenn wir darüber hinweg sehen, dass Inflation Genozide begünstigen kann, wirft sie weite Teile der Bevölkerung in einen Zustand der Unmündigkeit und beschädigt die Demokratie. Inflation bleibt ein Spiel mit dem Feuer, lassen wir die Politiker nicht damit davonkommen.

Literatur: Elias Canetti: „Masse und Macht“.

Der Sargnagel der Klimapolitik

März 3, 2012

Wenn man versucht unvoreingenommen die deutsche Klimapolitik zu betrachten, kommt man nicht darum herum bestimmte Dinge in Zweifel zu ziehen. Der Grund ist das viele Maßnahmen in sich widersprüchlich sind. So wird das Ziel den CO2-Ausstoß zu senken, dadurch konterkariert, dass man ohne Not die Elektrizitätserzeugung aus den CO2-armen Kernkraftwerken beendet. Dazu kommt das viele Maßnahmen unnötig teuer sind und die Ressourcen zur CO2-Minderung nicht da eingesetzt werden, wo sie den größten Effekt hätten.

So kann man an den Preisen für CO2-Emissionszertifikaten ablesen, das die Grenzvermeidungskosten für eine Tonne CO2 zwischen 14 und 18 Euro liegen. (Durch den überhasteten Ausstieg aus der Kernenergie sind die Kosten von 14 auf etwa 17 Euro gestiegen.) Dennoch werden aus Gründen des Klimaschutzes Maßnahmen gefördert, deren Vermeidungskosten weit darüber liegen. So betragen die CO2-Vermeidungskosten für Windenergie bei 40 Euro je Tonne und bei Photovoltaik sogar 800 Euro (Stand 2010, Quelle). Mit anderen Worten hätte man auf den Ausbau der Erneuerbaren Energien verzichtet, hätte man mit dem gleichen Aufwand an andere Stelle deutlich höhere Einsparungen erreichen können.

Wäre die Politik ernsthaft an einer Behandlung des CO2-Problems interessiert, dann würde sie versuchen ihre Ressourcen mit maximaler Effektivität einzusetzen, um die beste Wirkung zu erzielen. Da der Politik die Effektivität der gewählten Maßnahmen offenbar egal ist, können wir davon ausgehen, dass die Politik den Klimawandel nicht wirklich ernst nimmt, sondern ihn vorschiebt, um andere Ziele zu erreichen; etwa ihr Klientel zu alimentieren oder um mit sichtbaren, aber unwirksamen Maßnahmen beim Wähler zu punkten.

Gründe warum das CO2-Problem nicht ernst zunehmen wäre, gibt es viele, sie haben aber alle den Nachteil äußerst umstritten zu sein. So kann man anzweifeln, dass die Wirkung des CO2 auf das Klima wirklich so stark ist, wie der IPCC behauptet. Man kann anzweifeln, dass die Folgen des Klimawandels überwiegend negative Auswirkungen oder derart starke Auswirkungen auf die Menschheit hätten, wie behauptet. Und man kann anzweifeln, dass die Erderwärmung eine Folge der Änderung von klimatischen Prozessen ist und stattdessen davon ausgehen, dass die Erderwärmung nicht statistisch signifikant ist. Aber selbst wenn man davon ausgeht, dass das CO2-Problem in der anerkannten Form besteht, ist die Klimapolitik zum Scheitern verdammt.

Um eine erfolgreiche Klimapolitik zu betreiben, müsste man, wenn alle angenommenen Wirkmechanismen tatsächlich so existieren, den CO2-Ausstoß nicht nur in Deutschland und Europa sondern in der ganzen Welt kontrollieren. Das muss jedoch daran scheitern, dass eine solche Klimapolitik für eine große Anzahl an Ländern gar nicht rational ist. Die Rede ist von den Schwellen- und einigen Entwicklungsländern.

Für die Schwellenländer stellt sich die Frag ob es sich wirklich lohnt hohe Lasten in der Gegenwart auf sich zu nehmen, um Schäden in der fernen Zukunft abzuwenden. In der Regel lohnt es sich nicht die Lasten in Kauf zu nehmen, weil genau diese Lasten die Fähigkeit vermindern würden mit zukünftigen Schäden zurecht zukommen. Um gut mit zukünftigen Schäden umgehen zu können, benötigen Völker eine hohe wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Dies zeigt sich beispielsweise daran, dass Naturkatastrophen in  wohlhabenden Ländern deutlich weniger Opfer nachsichziehen als in armen.

Ein anderes Beispiel: Selbst wenn der Klimawandel in einigen Ländern starke Einschnitte in der landwirtschaftlichen Produktivität verursacht, würden diese durch eine Übergang zu fortschrittlicheren Methoden mehr als ausgeglichen. In Nordamerika und Europa liegen für Getreide die Erträge pro Hektar zwischen 6 und 7 Tonnen, während sie in Afrika nur zwischen 1 und 2 Tonnen liegen (siehe S. 13). Man geht hingegen davon aus, das durch die Folgen des Klimawandels in den Entwicklungsländern das Landwirtschaftliche Potential um 21% zurückgehen, in den am stärksten  betroffenen Ländern wie Indien, wird das Potential um etwa 30% zurück gehen. Der Effekt von Produktivitätssteigerungen durch intensivere Bewirtschaftung der Anbauflächen ist also deutlich größer, als die durch den Klimawandel verursachten Einbußen.

Diese Beiden Beobachtungen sind keine Sonderfälle. Der wirtschaftliche Wohlstand ist immer das Spiegelbild der technischen Möglichkeiten einer Gesellschaft. Mit steigendem Wohlstand wachsen also auch die Möglichkeiten Risiken zu bewältigen, die dem Klimawandel entspringen oder von Natur aus auftreten.  Gerade arme Gesellschaften haben das Potential ihren Wohlstand um Größenordnungen zu steigern. Daher hat das wirtschaftliche Wachstum für die Länder höhere Priorität als Klimapolitik zu betreiben.

Da wir Zeiträume von 40 bis 100 Jahren und darüber hinaus betrachten, ist der Zinseszinseffekt von entscheidender Bedeutung. Dieser bewirkt dass schon eine kleine Verringerung des Wirtschaftswachstums langfristig enorme Auswirkungen hat. Der Effekt ist umso größer je höher das prozentuale Wachstum ist. Angenommen in einem Schwellenland haben wir ein Wachstum von 5% Jährlich und das Wachstum würde durch Klimaschutzmaßnahmen um 1% gesenkt, dann würde der Wohlstand in 40 Jahren vom siebenfachen des heutigen Werts auf das fünffache sinken, also um das zweifache des heutigen Werts zurückgehen. In einer Industrienation in der das Wachstum von vielleicht 2% auf 1% zurückgehen würde, würde der Wohlstand in 40 Jahren nur um 70% des heutigen Werts sinken.

Wachstumseinbußen zugunsten des Klimaschutzes hinzunehmen, ist also nur für Industrienationen attraktiv. In Schwellenländern würden sich zum einen die Wachstumseinbußen stärker auswirken, zum anderen wird hier das Wachstum dringender benötigt. Daher ist eine Politik, wie sie in der EU verfolgt wird, nicht im Interesse der Schwellenländer. Nun ist eine Klimapolitik durch Reduktion der  CO2-Emissionen nur sinnvoll, wenn sie weltweit betrieben wird. Ansonsten werden die Einsparungen in den Industrieländern durch steigende Emissionen in den Schwellenländern zunichte gemacht. Da aber die Wirkung des CO2 auf das Klima logarithmisch ist, das heißt die Wirkung einer zusätzlichen Tonne CO2 dramatisch niedriger ist, wenn sich bereits viel CO2 in der Atmosphäre befindet,  werden die Einsparungen in den Industrienationen keinen nachweisbaren Effekt haben, wenn die Schwellenländern nicht zu erheblichen Einschnitten bereit sind.

Aus den genannten Gründen kann es einen nicht wundern, wenn in Deutschland und der EU noch nicht einmal der Versuch unternommen wird, eine effektive Klimapolitik zu betreiben. Das macht die Versuche unter dem Deckmantel der Klimapolitik sekundäre Ziele zu verfolgen nicht weniger gefährlich. Zum einen sind da diejenigen, die von den umgesetzten Maßnahmen finanziell profitieren, zum andern erhoffen sich einige Ideologische Bewegungen mit Hilfe der Klimapolitik ihre Wertvorstellungen der Gesellschaft aufzupressen zu können. Ich komme also zu dem Schluss, dass Klimapolitik auch in den Industrienationen riskanter ist, als ihr möglicher Nutzen rechtfertigen würde.

Nutz Wettbewerb den Starken mehr als den Schwachen?

Januar 22, 2012

Der Artikel schereimkopf  bei den Freiheitsfabrikanten lässt etwas bei mir klingeln. Stefan Blankertz geht dort der Frage nach, ob Umverteilung wirklich das richtige Mittel ist gegen materielle Ungleichheit vorzugehen. Den Spielball den ich auffangen möchte ist jedoch seine Beobachtung, dass die Einkommensschere mit Kapitalismus assoziiert wird, obwohl das Gegenteil die Ursache für Ungleichheit bei dem Interventionismus zu suchen viel naheliegender ist.  Dennoch geht die landläufige Meinung dahin, dass mehr Wettbewerb die Reichen reicher und die Armen ärmer machen würde. Diese Meinung ist so weit verbreitet, dass sie kaum noch hinterfragt wird und es ist anzunehmen, dass sie massiven politischen Schaden verursacht hat. Im Grunde handelt es sich bei dieser Vorstellung um ein Ressentiment.

Dass Wettbewerb nicht den Privilegierten nutzt, sieht man leicht, wenn man überlegt was passiert, wenn ein Bereich der vom Wettbewerb abgeschirmt wurde, wieder in den freien Markt eingegliedert wird. Die naheliegende Entwicklung schein zu sein, dass diejenigen die Profitabel wirtschaften konnten auf Kosten schwächerer expandieren können. Das also die Schwächeren davor beschützt wurden niederkonkurriert zu werden. Zu beobachten ist jedoch etwas anderes, nämlich dass neue Anbieter in den Markt eintreten, die Preise sinken und obwohl die abgesetzten Mengen oft steigen, die Gewinne der zuvor hochprofitablen Unternehmen sinken. Bestes Beispiel für solche Umweltzungen ist die Liberalisierung des Telekommunikation-Marktes am Anfang dieses Jahrtausends.

Wer sind diese neuen Anbieter? Sind es Unternehmen die noch profitabler noch „stärker“ waren als die bestehenden Unternehmen? Sicher nicht denn viele dieser Unternehmen sind erst in der Liberalisierung neu entstanden. Außerdem warum sollte ein hochprofitables Unternehmen enorme Anstrengungen unternehmen um niedrigere Preise in einem neuen Markt anbieten zu können, also anfangen weniger profitabel zu arbeiten. Sich in einen neuen Markt hinein zu konkurrieren, macht nur dann Sinn, wenn man mangels Alternativen bereit ist geringere Renditen als die Unternehmen hinzunehmen, die sich den Markt bisher aufgeteilt haben. Mit anderen Worten es wurden die Starken von der Konkurrenz durch schwächere beschützt.

Diese Art von Protektion ist ein großes Thema des Ökonomen Mancur Olson. Er untersuchte warum manche Staaten dynamischer wachsen als andere und höhere Durchschnittseinkommen erreichen. Die Verantwortung dafür sah er vor allem bei Verteilungskoalitionen. Gruppen die sich organisieren, um Vorteile durch Protektion oder andere Interventionen zu erlangen. Je mehr Verteilungskoalition ein Staat ansammelt desto geringer fällt dort das Wachstum aus, und desto geringer ist die Fähigkeit der Wirtschaft sich auf neue Situationen einzustellen. Verteilungskoalitionen sind meines Erachtens die wichtigste Ursache der Regulierung. Dies zeigt sich z.B. darin, dass es niemanden zu stören scheint wenn Regulierungen ihr offizielles Ziel verfehlen.

Zu den sozialen Folgen der Verteilungskoalitionen schreibt Olson: „In Wirklichkeit werden viele, wenn nicht die meisten Umverteilungen durch ganz andere Motive [als egalitäre] ausgelöst, und die meisten von ihnen haben eher arbiträre als egalitäre Wirkungen auf die Einkommensverteilung – nicht selten werden Einkommen von Personen mit niedrigerem zu Personen mit höherem Einkommen umverteilt.“ Und etwas weiter: „Es gibt vermutlich größere Ungleichheit bei den Möglichkeiten, Verteilungskoalitionen zu schaffen, als bei den angeborenen produktiven Fähigkeiten der Menschen.“ (M. Olson, Aufstieg und Niedergang von Nationen, S.229 f.) Damit stellt Olson die Vorstellung, dass durch Interventionen Ungleichheit eingedämmt wird in Frage.

Die Frage wie Ungleichheit mit Interventionen oder andersherum mit wirtschaftlicher Freiheit zusammenhängt wurde auch empirisch untersucht. Eine Schwierigkeit bei solchen Untersuchungen ist das man unter wirtschaftlicher Freiheit ein Bündel verschiedener Indikatoren verstanden. Etwa der Anteil des Außenhandels oder ob es erlaubt ist Devisen zu halten. Gerald W. Scully konnte zum Beispiel zeigen, dass wirtschaftliche Freiheit langfristig zu mehr wirtschaftlicher Gleichheit führt (Scully, 2002). Allerdings konnte auch gezeigt werden, dass der Effekt dadurch überlagert wird, das hohe Transfereinkommen und hohe Besteuerung, die als negativ für die wirtschaftliche Freiheit gelten, die Ungleichheit senken. Einfache Test führen also oft zu keinem systematischen Zusammenhang von wirtschaftlicher Freiheit und Gleichheit. Wenn man die Unterschiedlichen Bestandteile der Wirtschaftlichen Freiheit untersucht kommt man zu dem Ergebnis, dass direkte staatliche Interventionen in die Wirtschaft die Ungleichheit besonders stark erhöhen. Das deckt sich mit den oben angeführten Überlegungen. Scully konnte fest stellen das der Einfluss der wirtschaftlichen Freiheit die Einkommen in den untersten beiden Fünftel erhöht und im obersten senkt.

Ein weites interessantes Ergebnis der Studie ist, dass unerwartete Inflation die Ungleichheit erhöht. Die orthodoxe Ökonomie kann diesen Umstand nicht erklären, da sie davon ausgeht, dass das Geld in erster Nehrung neutral ist, also keinen Einfluss auf die relativen Preise hat. Aus der Österreichischen Schule ergibt sich der Einfluss der Inflation ganz natürlich. Hier geht man davon aus, dass Inflation ungleichmäßig auf die Preise wirkt und einige Preise schneller steigen als Andere. Damit geht eine Verzerrung der Einkommen einher, die wie empirische Untersuchungen zeigen, die Ungleichheit erhöht.

Zusammenfassend lässt sich also feststellen, dass die landläufige Meinung, dass Wettbewerb die Ungleichheit erhöht und Interventionen sie senken, falsch ist. Das Gegenteil trifft zu.  Dass dennoch an dieser Meinung festgehalten wird, muss man historisch und psychologisch erklären.

 Literatur: Gerald W. Scully “Economic Freedom, Government Policy and the Trade-Off Between Equity and Economic Growth”. Springer Netherlands, 2002.

Haben geistiges Eigentum und physisches Eigentum gemeinsame Wurzeln?

Oktober 23, 2011

Es ist kein Geheimnis, dass die mit dem Internet großgewordene Generation ein anderes Rechtsverständnis gegenüber dem Geistigen Eigentum zeigt, als die älteren. File-Sharing und andere Methoden, um Inhalte auszutauschen erfreuen sich großer Beliebtheit und machen dabei auch vor den Grenzen des Gesetzgebers keinen Halt. Dabei scheinen die Beteiligten noch nicht einmal ein allzu großes Unrechtsbewusstsein entwickelten. Unter Konservativeren Zeitgenossen wird diese Entwicklung mit Sorge betrachtet. Ihnen gilt die Erosion des Respekts vor dem geistigen Eigentum als Niedergang des Respekts vor dem Eigentum allgemein. Doch ist das tatsächlich so oder sind geistiges und physisches Eigentum nicht vielmehr völlig unterschiedliche Dinge?

Ein oft gebrauchtes Argument für eine solche Verbindung ist, dass das Recht auf Eigentum der Leistung entspringt, die ein Einzelner erbracht hat. Ebenso, wie der Bauer ein Anspruch auf die Saat erhält, weil er für sie den Boden bestellt hat, habe ein Dichter ein Anrecht auf das Gedicht, das er erdachte. Es handelt sich also um ein Gerechtigkeitsargument. An diesem Argument ist einiges auszusetzen.

So entspricht es kaum mehr der Lebenswirklichkeit der meisten Menschen, die in der Regel keinen Landwirtschaftlichen Betrieb führen. (Relevant ist diese Betrachtung tatsächlich nur im Primärsektor) Ein Arbeitnehmer oder Selbständiger erhält einen Anspruch auf seinen Lohn, weil er mit seinen Arbeitgeber bzw. Kunden einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen hat. Die Quelle des Eigentums sind hier also freiwillige Vereinbarungen. Aber welche freiwillige Vereinbarung habe ich mit einem Erfinder getroffen, dass er das Recht erhält mich an dem Nachbau seiner Erfindung zu hindern?

Ob eine Handlung als Leistung zählt muss sich daran zeigen, dass andere bereit sind für diese Leistung eine Gegenleistung zu erbringen oder ob der Handelnde selbst ein Nutzen daraus ziehen kann. Bestehen diese Voraussetzungen nicht, kann der Handelnde auch nicht erwarten für sein Handeln eine Abgeltung zu erhalten. Übertragen auf unseren Fall bedeutet das, dass das Gerechtigkeitsargument nicht greift, da dem Schöpfer eines Werks im Vornherein klar sein muss, was er als Gegenleistung für sein Schaffen erhalten kann und seine Leistung mit Erhalt des Vereinbarten Lohns abgegolten ist. Um die Gerechtigkeit einzuhalten ist es also unerheblich, ob geistiges Eigentum besteht oder nicht. Natürlich lässt sich an der Stelle einwenden, ob es in der Summe mehr Nutzen schafft, wenn man Geistiges Eigentum definiert, nur ist das kein Gerechtigkeitsargument mehr. Mit dem Nutzargument werde ich in einem späteren Artikel auseinandersetzten.

Das Gerechtigkeitsargument geht von der Annahme aus, dass der Eigentumsbegriff so geschaffen wurde, dass Leistungen in den gesellschaftlichen Interaktionen angemessen berücksichtigt werden. Wir haben jedoch gesehen, dass der Ursprung des Eigentums nicht die Leistung ist, die jemand erbringt, sondern vielmehr der Eigentumsbegriff bestimmt, was als Leistung gelten kann. (Genauer: der Eigentumsbegriff stellt den Rahmen für die Integrationen, die bestimmen was Leistung ist.)Es stellt sich also die Frage, wodurch das Eigentum begründet wird.

Weiter oben polemisierte ich gegen das Geistige Eigentum mit der Frage: „welche freiwillige Vereinbarung habe ich mit einem Erfinder getroffen, dass er das Recht erhält mich an dem Nachbau seiner Erfindung zu hindern?“ Kommunisten verschärfen, diese Argumentation noch indem sie fragen: „welche freiwillige Vereinbarung habe ich mit einem Eigentümer getroffen, dass er das Recht erhält mich an der Nutzung der Gegenstände die ihn gehören zu hindern?“ Wenn geistiges und physisches Eigentum tatsächlich den gleichen Ursprung hätten, müsste man das Prinzip, das hinter der jeweiligen Frage steht, auf die gleiche Weise behandeln.

Versuchen wir die Prinzipien mit Hilfe eines verallgemeinerter kategorischen Imperatives zu beurteilen: Ist es denkbar, dass das den Fragen zugrunde liegende Prinzip allgemeine Geltung haben? Das hinter der ersten Frage stehende Prinzip ist, dass das Recht eine Erfindung zu nutzen nur aufgrund einer freiwilligen Vereinbarung eingeschränkt werden kann. Dies ist sicherlich der Fall, eine Idee anzuwenden beansprucht keine Ressourcen, die an anderer Stelle fehlen würden. Anderes das Prinzip hinter der zweiten Frage: Die Nutzung physischer Gegenstände darf nur aufgrund von freiwilligen Vereinbarung eingeschränkt werden. Dieses Prinzip kann unmöglich allgemein gelten, da es rein logisch nicht denkbar ist, dass zwei Personen gleichzeitig die physische Kontrolle über den gleichen Gegenstand ausüben. Ebenfalls ist es unmöglich gleichzeitig den gleichen Gegenstand zur Nutzung bereitzuhalten ohne eine Vereinbarung über mögliche Konfliktfälle zu treffen.

Wenn man nun fordert, dass der Umgang miteinander durch allgemeine Prinzipien geregelt sein soll, muss zu diesen Prinzipien eine Norm über physisches Eigentum gehören. Ähnliches lässt sich über geistiges Eigentum nicht sagen. Damit ist klar, dass die gesetzlichen Bestimmungen zum Schutz des physischen Eigentums Normen nachbilden, die sich auch durch freiwillige Interaktionen herausbilden würden, während die Bestimmungen zum Schutz des geistigen Eigentums eine reine juristische Fiktion darstellen. Aus diesen Gründen ist es meines Erachtens absurd zu erwarten, dass ein „Raubmordkopierer“ plündernd durch die Lande ziehen wird. Die Achtung des Eigentums wird durch die Missachtung des geistigen Eigentums nicht tangiert, da es sich um grundsätzlich unterschiedliche Dinge handelt.

Der Josephspfennig und seine Verspätung

August 24, 2011

In dieser von Währungskrisen geschüttelten Zeit ist die Anekdote vom Josephspfennig populär geworden.  Die Überlegung die dahinter steht ist folgende: Angenommen zu der Zeit Jesu hätte jemand einen Pfennig für 5% angelegt, dann wäre sein Vermögen im Laufe der Jahrhunderte auf gigantische 10 hoch 40 Euro angewachsen. Nimmt man zum Vergleich das weltweite Vermögen so findet man heute 10 hoch 14 in Worten einhundert Billionen Euro vor. Aus diesem Missverhältnis werden verschiedene Schlussfolgerungen gezogen.

Die sogenannten Zinskritiker argumentieren, dass es regelmäßig zu Krisen und Währungsreformen kommen muss, die das Geldvermögen immer wieder auf Null setzen, um derartige Übertreibungen zu verhindern. Da es unmöglich ist, die enormen Beträge zusammen zu tragen, müssen derartige Katastrophen jedem System immanent sein, dass das Zinsnehmen zulässt. Der Versuch den Zusammenbruch zu verhindern führe zu einem sogenannten Wachstumszwang und damit verbunden zu Umweltverschmutzung, Konsumterror usw.

Die Gegner der Zinskritiker weisen diese Argumentation zurück, ihnen zufolge werden die astronomischen Summen nicht erreicht, da es immer jemanden geben muss, der diese auch zahlt. Schulden würden nur aufgenommen, wenn es sich für den Schuldner lohnt. Die Zinskritiker verwechselten Ursache und Wirkung. Die Vermögen wachsen, weil sie es können, nicht weil der Zins das erzwingt. Verschätzen sich die individuellen Marktteilnehmer, gehen sie Bankrott und der Geldverleiher verliert sein Vermögen. Die Existenz des Zinses macht Krisen also mit Nichten unausweichlich.

So weit haben die Gegner der Zinskritiker recht, nur bleibt das Rätsel des  Josephspfennig damit noch ungelöst. Wenn der Kapitalstock jedes Jahr um 5% wächst, warum verfügen wir nicht über einen Kapitalstock in astronomischer Höhe? Wenn man annimmt, dass auch nach Abzug der Risikovorsorge ein Zinsüberschuss bleibt, müsste das exponentielle Wachstum des Kapitals im Laufe der Menschheitsgeschichte zu schier unglaublichen Vermögenssummen geführt haben. Nur ist von diesen kaum etwas zu sehen, zumindest nicht in der Höhe die der Josephspfennig nahe legt.

Die eigentliche Lösung des Rätsels ist nicht, dass das Vermögen immer wieder vernichtet wird. Das Kapital über das die Menschheit verfügt, ist allen Katastrophen zum Trotz recht stetig gewachsen. Natürlich gab es häufig Krisen, die viel Kapital vernichtet haben (oder besser aufgedeckt haben, dass Kapital nicht so werthaltig ist wie man dachte). Aber nach jeder Krise blieb mehr Kapital als nach der vorhergehenden. Selbst Kriege machen nur eine kleine Delle im langfristigen Wachstumstrend aus. Die eigentliche Lösung ist, dass bisher die Zeit gefehlt hat um astronomische Vermögen aufzubauen.

Wir müssen daran denken, dass zu Jesu Zeiten kaum jemand bereit gewesen wäre Geld für produktive Zwecke auszuleihen. Damals bestand Vermögen vor allem aus Ackerland, etwas anderes ist für eine agrarisch geprägt Gesellschaft kaum vorstellbar. Kapital im heutigen Sinne wurde nur von Handelsreisenden gebildet, aber hier war der Kapitalbedarf begrenzt.

Diese Situation hat sich erst im Frühkapitalismus geändert. Mit dem Ausbau des Fernhandels wuchs der Kapitalbedarf und neue es entstanden kapitalintensive Produktionsweisen wie beim Übergang vom Verlagswesen zur Manufaktur. Immer mehr Menschen verließen die Subsistenzwirtschaft und wurden Teil der arbeitsteiligen Wirtschaft. Erst ab diesen Zeitpunkt wurde es interessant betriebliches Kapital anzusammeln, erst jetzt konnten Privatpersonen mit beträchtlichen Vermögen, wie die Fugger, auftreten.

Durch den verkürzten Zeitspann ändert sich auch unser Zahlenspiel, der Josephspfennig 1500 angelegt wächst nur noch auf knapp 200 Millionen Euro. Oder ziehen wir ein realistischeres Beispiel zu rate. Jakob Fugger hinterließ 1525 ein Vermögen von 2 Millionen Gulden, was heute 125 Millionen Euro entspricht. Verglichen mit dem Vermögen der heutigen Spitzenreichen, wie Bill Gates mit 50 Milliarden, mag das moderat erscheinen. Man muss sich jedoch verdeutlichen, dass das etwa 10% der Wirtschaftsleistung des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation ausmachte, während ein Bill Gates nur über 0,5% der Wirtschaftsleistung der USA verfügt. Seinem Erben Anton Fugger gelang es dieses Vermögen in 40 Jahren zu verdreifachen, was einer durchschnittlichen Rendite von 2,5% entspricht. Schreiben wir diese Rendite bis auf die heutige Zeit fort, würde das Vermögen der Fugger auf 25,4 Billionen Euro wachsen. Dies wäre zwar immer noch sehr viel, aber ist mit dem heutigen Vermögen der Menschheit von 111 Billionen Euro vergleichbar. Wenn es den Fuggern gelungen wäre über einen so langen Zeitraum tatsächlich als Einheitliche Kapitalformation zu bestehen, wäre es durchaus denkbar, das ihr Kapital einen Betrag in dieser Größenordnung erreicht.

Wir sehen also, dass sich das Mysterium des Josephspfennig in Luft auflöst, wenn man realistische Annahmen zu Grunde legt. Dazu gehören, das man nur den Zeitraum betrachtet in dem auch wirklich Kapitalbildung betrieben wurde und man von einem Zinssatz ausgeht, der sich realistischer Weise langfristig erzielen lässt. Das heißt mit ausreichender Risikostreuung und über die booms and busts der Zeiten gemittelt. Eine Katastrophentheorie wie die Zinskritik ist nicht erforderlich. Vielmehr ist davon auszugehen, dass ebenso wie die heutige Vermögensfülle für eine Person der Vergangenheit unvorstellbar ist die Vermögensfülle der Zukunft für uns unvorstellbar bleibt.

Droht jetzt Hyperinflation?

Mai 25, 2010

Mit der Entwicklung in den letzten Wochen ist massiv Vertrauen in den Euro verloren gegangen. Grund genug sich genauer mit den Hintergründen von Inflation zu beschäftigen. Die wichtigsten Ziele, die mit der Inflation verfolgt werden, sind den Konjunkturzyklus zu manipulieren und dem Staat zusätzlich Einnahmen zu beschaffen. Meines Erachtens kann das erste Ziel nicht ohne dauerhafte Schäden erreicht werden. In unserer Situation ist das zweite Ziel jedoch viel wichtiger.

Um zu verstehen wie es zu Inflation und Hyperinflation kommen kann, muss man sich zunächst klar darüber sein, was der Staat als Einnahmen auffasst. Denn anders als private Akteure muss der Staat nicht darauf achten echte Einnahmen von buchhalterischen Fiktionen zu unterscheiden. Die Haftung für solche Fiktionen übernimmt stets der Bürger. Die Folge ist, dass der Staat alle Gelder als Einkommen begreift, die er unmittelbar ausgeben kann. Und der Staat ist dazu gezwungen auszugeben was er nur kann. Das ergibt sich aus dem Informationsproblem.

Anders als den auf dem Markt gehandelten Gütern sieht der Staat den meisten, der von ihm in Anspruch genommenen Leistungen, nicht an, was ihre Erzeugung wert ist. Den Preis, den er zahlen muss, wird von denselben Spitzenbeamten ermittelt, die ein Interesse daran haben ihn möglichst hoch anzusetzen, da dieser ihren eigenen Einflussmöglichkeiten entspricht. Die Beamten auf der höheren Ebene wissen nicht wie sehr sie das Budget kürzen können ohne Leistungseinbußen zu verursachen. Das Problem wiederholt sich auf jeder Hierarchiestufe.

Zu dem Informationsproblem kommt das Bündnisproblem. Jeder Politiker und Spitzenbeamte ist auf einen weiten Kreis von Unterstützern angewiesen, um seine Ziele erreichen zu können. Aussicht eines Ministers gehört natürlich auch die Ministerialbürokratie zu seinem Unterstützerkreis, mit dem er es sich nicht verderben darf. Es ist ihm also nicht möglich diktatorisch Budgetkürzungen durchzusetzen ohne sich selbst ins Aus zu kegeln. Entsprechendes gilt für Leistung von dem Staatsexterne Unterstützer profitieren. Auch hier gilt Hände weg.

Das gesagte gilt nicht nur für bestehende Ausgaben, sondern für auch für Ausgabewünsche, insbesondere wenn Budgetüberschüsse bestehen. Das hat wegen den konjunkturbedingten Schwankungen der Steuern eine fatale Wirkung. In guten Zeiten werden keine Spielräume geschaffen und in schlechten explodiert die Verschuldung. Seit 1950 ist es nicht gelungen Schulden abzubauen. Zu den hausgemachten Problemen kommen die demographischen. Der größte Ausgabenposten im Bundeshaushalt ist der Etat des Sozialministeriums. Dahinter verbergen sich nicht in erster Linie Zuwendungen für sozial Schwache, sondern Zuschüsse zu den Sozialversicherungen. Wegen dem demographischen Wandel wird dieser Posten weiter wachsen, will die Politik ihre Versprechungen einhalten.

Wenn also in den nächsten Jahren nicht etwas absolut neuartiges geschieht, wird der Staat in die Situation kommen, dass an den Märken nicht genügend Geld zur Verfügung steht, um die Ausgaben und das überrollen der alten Schulden (d.h. aufnehmen neuer Schulden um die alten zu begleichen) zu bezahlen. Eine andere Möglichkeit besteht darin, dass der Staat seine alten Schulden für Null und Nichtig erklärt. Für Entwickelte Staaten ist das jedoch sehr unwahrscheinlich, da sie dann viele Privilegien verlieren würden, die darauf beruhen, dass man annimmt, dass sie genau das nicht tun werden. Natürlich wird schon dann dem Staat der Kredit verwehrt, wenn sich abzeichnet dass es mittelfristig zur Überschuldung kommt. Niemand will auf den alten Schulden sitzen bleiben, die dann nicht bedient werden können. Genau das ist mit Griechenland passiert.

Eine Option den Zahlungsausfall zu vermeiden ist es, die Zentralbank die Schulden aufnehmen zu lassen, die nicht mehr am Markt platziert werden können. So wie es die EZB mit den Altschulden einiger Währungsunions-Staaten macht. Die Notenbanken refinanzieren sich, indem sie Bargeld in Umlauf geben oder an Banken verleihen. Um den Kapitalbedarf zu denken, der sich aus der Übernahme der Staatsschulden ergibt, haben sie also zwei Möglichkeiten. Entweder sie erhöhen den Bargeldumlauf und sorgen so für Inflation oder sie schränken die Refinanzierungsmöglichkeiten der Banken ein. Die zweite Möglichkeit würde schnell zu einer Kreditklemme von historischem Ausmaß führen und kann sogar die Stabilität des Finanzsystems bedrohen. Auch das ist also keine dauerhafte Option.

Bleibt also die Inflation. Macht sich die Zentralbank keine Gedanken um die Kaufkraft, ist der reale Wert der zusätzlich in umlaufgebrachten Geldmenge ihr Gewinn (auch Seigniorage genannt), der verwendet werden kann, um die Staatsausgaben zu finanzieren. Es stellt sich die Frage warum dieses Instrument nicht häufiger eingesetzt wird, um Einnahmen zu generieren. Die Antwort ist, dass die möglichen Einnahmen in keinem Verhältnis zu den Schäden stehen, die eine solche Politik anrichtet. Langfristige Kreditgeschäfte werden hoch riskant. Diejenigen die feste Einkommen beziehen müssen Einbußen hinnehmen usw. Die langanhaltenden Effekte einer Inflationsrate unter 5% beeinflussen das Wirtschaftsgeschehen zwar nur relativ gering, aber mit ihr lassen sich auch nur niedrige Einnahmen erzielen, sodass solide Staaten fast gänzlich darauf verzichten.

Begibt sich der Staat auf den Weg seine Einnahmen durch Geldschöpfung zu erzielen, erreicht er bald ein Punkt ab dem es kein Zurück mehr gibt. Da alle anderen Einnahmen zu Beginn einer Periode eintreffen, die Ausgaben aber in deren Verlauf anfallen, sink mit steigender Inflation die Ergiebigkeit der anderen Einnahmen. Die Seigniorage verdrängt die anderen Einnahmen und bleibt schließlich als einzige übrig.

Natürlich sind auch die Einnahmen die über die Geldschöpfung generiert werden können begrenzt. Es kann nicht mehr an Einkommen errungen werden als die Wirtschaftssubjekte bereit sind, an realen Werten in Bargeld aufzubewahren. Je niedriger das Bedürfnis nach Kassenhaltung ist, desto niedriger fallen auch die Einnahmen aus Seigniorage aus. Da die Kassenhaltung mit steigender Inflation zurückgeht, besteht die Gefahr einer außer Kontrolle geratenen Feedbackloop: Der Staat reagiert auf sinkenden Erträgen mit höheren Inflationsraten, die Wirtschaftssubjekte auf höhere Inflationsraten mit niedrigerer Kassenhaltung, was sinkende Erträge zur Folge hat. Der größte Ertrag, der sich erzielen lässt, ist der, der die Feedbackloop geradeso noch nicht auslöst. Ist sie einmal ausgelöst führt die Feedbackloop zu explodierenden Inflationsraten: Hyperinflation.

Aber es geht noch schlimmer. Der Staat versucht für die Lasten, die sich für die Bevölkerung ergeben, einen Sündenbock zu finden. Dies gelingt ihm meistens recht gut. In der Regel müssen Spekulanten und Wucherer dafür hinhalten. Diese Legenden flankiert der Staat mit Maßnahmen die oberflächlich gesehen, dazu dienen die Inflation einzudämmen. Oft sind das Preiskontrollen. Das Ergebnis dieser Maßnahmen ist natürlich nicht, dass die Hyperinflation beendet wird, denn die ist durch die Geldmenge getrieben, sondern das auf den legalen Märkten keine Güter mehr angeboten werden. Die Situation hatten wir bis vor kurzen in Simbabwe. Dort reagierte die Bevölkerung indem sie aus dem Lang floh.

Der einzige echte Ausweg aus einer Hyperinflation ist eine Währungsreform. Die kann nur dann erfolgreich sein, wenn die Schulden der alten Währung nur zum Teil in die Neue übernommen werden und sich der Staat somit entschulden kann. Geschieht das nicht, wird der Wert der neuen Währung genauso schnell zerfallen wie der der alten.

Dass die EU den hier gezeichneten Weg bis an sein bitteres Ende geht, halte ich für eher unwahrscheinlich. Aber jeder Versuch ihn zu verlassen ist mit erheblichen Kosten und großen Widerständen verbunden. Wie zahlreich historischen Beispiele zeigen ist der Weg in die Hyperinflation der Weg des geringesten Widerstands.

Schaden die Exporte aus Deutschland anderen europäischen Volkswirtschaften?

März 30, 2010

Durch die Kritik der Französischen Finanzministerin Christine Lagarde, dass die Exportüberschüsse aus Deutschland kein nachhaltiges Modell seien, fühlen sich viele Linke bestätigt. Sie brachte die hohe Wettbewerbsfähigkeit ausdrücklich mit niedrigen Lohnstückkosten in Verbindung. Für Linke war das natürlich ein gefundenes Fressen. Endlich kann man aus Solidarität mit den europäischen Nachbarn hohe Löhne einfordern. Eine Frage bleibt dabei jedoch kaum beantwortet: Wie kam es eigentlich dazu, dass die Lohnentwicklung in Deutschland hinter den in anderen europäischen Staaten zurückblieb?

Linke erklären solche Entwicklungen in der Regel durch politische Auseinandersetzungen und gehen davon aus, dass durch eine geeignete Politik auch stärker steigende Löhne möglich wären. Hält man die Entwicklung der Löhne für eine Folge anderer wirtschaftlicher Begebenheiten, wird man der Politik einen solchen Einfluss nicht zutrauen. Im Gegenteil, wenn die Entwicklung der Löhne handfeste Ursachen hat, wird der Versuch politisch genehme Löhne durchzusetzen, nur dann gelingen, wenn man einige Menschen in die Arbeitslosigkeit abdrängt. In diesem Artikel werde ich mich mit einem Aspekt auseinandersetzen, der die hohen Exporte aus Deutschland sinnvoll erscheinen lässt.

Quelle: Jonas Dovern, Nils Jannsen und Joachim Scheide: "Die Bedeutung monetärer Größen für die deutsche Wachstumsschwäche 1995–2005" Kiel Working Paper 1492, March 2009.

Die Rede ist von der Zinskonvergenz. Wie den meisten wahrscheinlich bekannt ist, waren die Zinsen in Deutschland niedriger als in anderen Ländern, vor allem niedriger als in den Südeuropäischen Ländern. (Siehe Abbildung). Ein Grund dafür war das Abwertungsrisiko der südeuropäischen Währungen, das mit der Euroeinführung weggefallen ist. Mit der Euroeinführung haben sich die Zinsen in Europa angeglichen. Für die meisten Euroländer außer Deutschland führte das zu Zinssenkungen. Wenn man davon ausgeht, dass der Zins die Funktion hat Ersparnis und Investition auszugleichen, dann sind Zinssenkung dann gerechtfertigt, wenn in einem Wirtschaftsraum mehr Ersparnis zur Verfügung steht. Die Zinssenkung würde dann dafür sorgen,  dass sich mehr Investitionen rentieren, die Menge an Investitionen also zunimmt und so die erhöhte Ersparnis ausgeglichen werden kann.

In unserem Wirtschaftsystem wird der Zins jedoch nicht durch Marktkräfte festgelegt, sondern durch Planungsbehörden (sprich die EZB). Die Folge ist, dass ein Ungleichgewicht von Ersparnis und Investition nicht durch eine Anpassung der Zinsen behoben wird, sondern durch Änderungen der Geldmenge. Daher kann die Investition kurzfristig die Ersparnis übersteigen, allerdings zu dem Preis, dass nicht alle Investition zu Ende geführt werden können und eine Konjunkturkrise droht. (Das ist kurz zusammengefasst die monetäre Überinvestitionstheorie der Österreichischen Schule.)

Es stellt sich also die Frage welcher Natur, die Zinssenkung durch die Euroeinführung waren. Standen ihnen reale Ersparnisse gegenüber oder war es nur ein Artefakt, hervorgerufen durch eine Erhöhung der Geldmenge? Ein Indiz dafür, dass es sich um ein Artefakt handelt liefern die Inflationsraten. Nach der Euroeinführung war sie in den Südeuropäischen Ländern durchgehend höher als in Deutschland (siehe zweite Graphik). Da Inflation auf eine Ausweitung der Geldmenge folgt, spricht die höhere Inflation dafür, dass die Zinssenkung durch eine solche zustande kam. Wer die Wirtschaftsnachrichten verfolgt hat wird in einigen Ländern der Eurozone die Merkmale einer monetären Überinvestition festgestellt haben, etwa die Immobilienblase in Spanien.

Andererseits kann ein Wirtschaftsraum, was an eigener Ersparnis nicht vorhanden, ist importieren. Hier kommen die Exporte aus Deutschland ins Spiel. Bei ausgeglichen Wechselkursen entspricht ein Export von Gütern und Dienstleistungen immer auch ein Export von Kapital (sprich Ersparnis). In einem Einheitlichen Währungsraum wäre auch denkbar, dass sich die Geldmenge zu der Exportierenden Nation hin verschiebt, aber genau das ist nicht der Fall, wie die niedrige Inflation in Deutschland zeigt. Die Exporte aus Deutschland bringen Ersparnis und Investition also wieder näher ans Geleichgewicht und verhindern oder mildern so zukünftige Konjunkturelle Krisen.

Die Vorrausetzung für die Exporte aus Deutschland war jedoch, dass sich die Preise und Gehälter langsamer steigen als in der restlichen Eurozone, der Wirtschaftsraum in Deutschland also real abwertet. Genau diese Voraussetzungen wurden dadurch geschaffen, dass die Inflation innerhalb von Deutschland, der in der übrigen Eurozone hinterherhinkt. Das verminderte Wachstum der Geldmenge hatte einen dämpfenden Effekt auf die Wirtschaftsentwicklung, sodass der Effekt sich nicht nur in den nominalen Preisen und Gehältern wiederspiegelt, sondern auch im Wachstum („kranker Mann Europas“) und in den Reallöhnen.

Wenn wir diese Zusammenhänge im Hinterkopf behalten stellt sich die Situation im Rückblick folgendermaßen dar: Wegen der Euroeinführung sinken die Zinsen im Euroraum auf das Niveau der Zinsen in Deutschland. Dadurch geraten in einigen Ländern der Eurozone Ersparnis und Investition aus dem Gleichgewicht. Die Lücke wird geschlossen, indem die Geldmenge stärker wächst. Da die Geldmenge in Deutschland vergleichbar langsam wächst, wertet der Wirtschaftsraum Deutschland gegenüber dem Rest der Eurozone Real ab und schafft so die Grundlage für hohe Exporte, die die Lücke zwischen Ersparnis und Investition teilweise wieder schließt. Das erscheint mir dann doch plausibler, als die „neoliberale“ Politik für die Entwicklung verantwortlich zu machen.

Vergleiche auch folgendes Paper.

Wie würde Free Banking heute aussehen?

August 11, 2009

Wir haben ein Finanzsystem das regelmäßig zu schweren Krisen führt. Durch die aktuelle Krise ist dieses Problem wieder deutlicher ins Bewusstsein gerückt und das Nachdenken über Alternativen, insbesondere Free Banking gewinnt wieder an Stärke. Während ich mit letzteren sehr zufrieden bin, gibt es einen Punkt der mich sehr stört. Das ist das sich unter den Verfechtern der Bankfreiheit sich eine Free Banking Theorie breitmacht, die von Ökonomen kaum ernst genommen werden kann. Ich rede von der besonders von Neo Austrains hochgehaltenen These, dass mit den Eingriffen der Staaten auch das Teilreservesystem beendet würde und Gold wieder zum eigentlichen Zahlungsmittel wird. Wie sich ein Finanzwesen unter Bankfreiheit genau entwickelt weiß mit Sicherheit niemand, dennoch hat sich in diesen Punkt bei einigen ein gewisser Dogmatismus gebildet. Dass auf das Teilreservesystem verzichtet würde, halte ich für sehr unwahrscheinlich und den meisten Menschen mit ökonomischer Vorbildung dürfte der Gedanke sogar abwegig vorkommen, sodass meines Erachtens dem Free Banking-Gedanken Schaden entsteht, wenn man sich genau auf diese Variante fest legt.

In der Free Banking Theorie gab es verschiedene Spekulationen wie sich Free Banking heute auswirken würde auf eine Auswahl werde ich im Folgenden näher eingehen und diese kommentieren. Wer mit der Free Banking Idee nur wenig vertraut ist dürfe im entsprechenden Wikipediaartikel, dessen Inhalte zum größtenteils aus meiner Feder stammt, die wichtigsten Grundlagen finden.

Die Ansicht der Neoaustrians wird beispielsweise in J.G. Hülsmanns ‚Die Ethik der Geldproduktion‘ S.110 ff. dargestellt. Hülsmann zufolge begaben sich die ersten Banking eigentlich Geldlagerhäuser in die Illegalität als sie mehr Noten in Umlaufbrachten, als sie mit dem Gold in ihrer Kasse hätten begleichen können. Dieses Vorgehen wurde von den Staaten später Legalisiert, sei jedoch objektiv gesehen Betrug, wenn die Marktteilnehmer nicht hinreichend über sie aufgeklärt würden. Das Teilreserveverfahren habe negative Auswirkungen es führt zu Inflation und schwört das Risiko von Bank Runs herauf. Ähnlich wie Teilreservebanknoten funktionieren Sichteinlagen, die als Zahlungsmittel verwendet werden können, ihren Wert jedoch dadurch erhalten, dass sie in eigentliches Geld umgewandelt werden können. Hier argumentieren die Neoaustrians, dass das gegen Eigentum verstoßen wird, da sich sowohl die Person, die die Sichteinlagen hält, als auch diejenige, an die das an die Bank geliehene Geld weiterverliehen wird, sich für die Eigentümer des Geldes halten.

Der Einwand das Teilreservesystem verstoße gegen Rechte lässt sich kaum aufrechterhalten. Ist die Praxis verbreitet kann man davon ausgehen, dass die Halter von Teilreservenoten ihr stillschweigendes Einverständnis gegeben haben. Im Fall der Sichteinlagen ist der Fall noch eindeutiger, die Verantwortung ob sie als Geld fungieren können, liegt nicht bei den Banken, die dazu höchstens Beihilfe geben, sondern bei denjenigen die es zulassen, dass ihre Forderungen mit Sichteinlagen beglichen werden. Da sie Sichteinlagen anstelle von Geld akzeptieren liegt auch kein Verstoß gegen Eigentumsrechte vor.

Auch die negativen Folgen relativieren sich bei näheren hinsehen. Zur Inflation führt das Teilreserveverfahren wenn es eingeführt wird und während es läuft führt es dazu, dass sich die Geldmenge stärker bewegt, als es in einem System mit Vollreserve der Fall wäre. Aber diese Bewegungen der Geldmenge können notwendig sein, um den Wert des Geldes stabil zu halten. In einem System mit Vollreserve gibt es keinen Mechanismus mit dem die Geldmenge mit der Nachfrage nach Kassenhaltung abgeglichen werden kann, versuchen die Menschen in Zeiten von Unsicherheit die Kassenhaltung auszuweiten muss der Wert Geldes steigen. Deflation und eine Verzerrung der Wirtschaftstruktur sind die Folge. Das Risiko von Bank Runs kann mit sogenannten

Optionsklausen ausgeschlossen werden. Durch solche Klausen geben sich die Banken das Recht die Auszahlung von Noten aufzuschieben, müssen dafür jedoch einen festgelegten Zins zahlen. Durch Optionsklauseln sind Banken vor dem Risiko gefeilt illiquide zu werden, solange ihre Bilanzen ausgeglichen bleiben.

Kevin Dowd beschreibt in Laissez-Faire Banking S.62 ff. eine Entwicklung die das Finanzsystem ausgehend vom Teilreservesystem nehmen könnte. In einem ersten Schritt würde Noten zunehmend nicht gegen Gold sondern gegen andere Anlageformen eingelöst, etwa Forderungen gegenüber anderen Banken oder Firmen. Die Öffentlichkeit würde das akzeptieren solange die angebotenen Anlageformen wertstabil und als Zahlungsmittel akzeptiert seien. Sie würde diese sogar dem Gold vorziehen, da sie einfacher zu handhaben sind. Die Banken haben zunächst den Vorteil, dass es billiger ist solche Rückzahlungsmedien (redemption medium) aufzubewahren als Gold. Bedeutender ist, dass die Banken die Rückzahlungsmedien auf breiteren Märkten einkaufen können und es ihnen möglich ist, mit ihren Noten höhere Preise als die Parität zum Goldpreis zu zahlen. Mit ihren Noten weniger Gold zu kaufen als es dem Nennwert entspricht ist den Banken vertraglich untersagt, da sie den Wert der Noten zum Gold stabil halten müssen. Die Wahrscheinlichkeit das sie auf den Märken neue Tilgungsmedien einkaufen können steigt, was den Banken ermöglicht die Reservequote zurückzufahren. Für die Volkswirtschaft als Ganzes ist ein solcher Schritt positiv, da das Finanzsystem auf großflächige Rückzahlungsforderungen nicht mehr mit dem Anheben der Zinsen reagieren muss, was negative ökonomische Auswirkungen hätte.

In einem zweiten Schritt kann die Verpflichtung Noten gegen Gold einzutauschen gegen die Verpflichtung ersetzt werden, Noten gegen Finanzinstrumente mit dem gleichen Wert von Gold einzutauschen. Einer solchen Verpflichtung können die Banken nachkommen in dem sie am Goldmarkt oder billiger am Futuremarkt für Gold intervenieren. Wenn eine Bank mehr Noten ausgibt als von anderen gehalten werden würde (Geld überemittiert), wird das den Wert der Noten senken; davon wird schließlich auch das Austauschverhältnis von Noten und Gold betroffen sein. Durch geeignete Geschäfte auf den Goldmärkten müsste die Bank das Austauschverhältnis wieder stabilisieren. Durch solche Geschäfte wird die Anzahl ausstehender Noten (also Verbindlichkeiten der Bank) reduziert, zugleich müsste sie Aktiva verkaufen, um die Geschäfte zu finanzieren. Die überemittierten Gelder werden also wieder vom Markt genommen. Die Banken sind nicht mehr darauf angewiesen Goldreserven zu halten, sondern benötigen lediglich hinreichend liquide Aktiva.

In einem dritten Schritt kann die Rolle von Gold durch eine Wahre oder Warenkorb ersetz werden, deren Wert im Verhältnis zu anderen Gütern weniger schwankt als es bei Gold der Fall ist. Da die Aktiva der Banken von dem Wert aller möglichen Güter abhangen, die Passiva jedoch in Gold notiert sind, entsteht ihnen durch einen Standard mit schwankender Kaufkraft ein Risiko. Daher ist es für sie sinnvoll den Standard zu ersetzen. Ein stabiler Standard hat auch für die Allgemeinheit positive Auswirkungen, da die Preissignale zuverlässiger werden und Fehlallokationen vermieden werden können.

Dowds Überlegungen halte ich für sehr gut durchdacht. Allerdings ist damit zu rechnen, dass es zu einer Inflation kommt, wenn sich die Banken im Laufe des zweiten Schritts von ihren Goldreserven trennen. Die Vorstellung, dass es möglich ist den Wert des Geldes zu garantieren ohne Massenweise ungenutzte Güter herumliegen zu haben, empfinde ich hingegen als sehr positiv.

Auch Hayek hat über Free Banking spekuliert. Seine Vorstellung beschreibt er in ‚Denationalisation of Money‘. Anders als Dowd geht Hayek davon aus, dass die Banken keine vertraglichen Verpflichtungen eingehen, den Wert ausgegebener Noten zu stabilisieren. Es wäre ausreichend das die Öffentlichkeit Währungen von Banken abweist, denen es nicht gelingt den Wechselkurs stabil zu halten. Die Banken müssten den Wert des Geldes aufrechterhalten, um im Geschäft zu bleiben. Die Methode mit der sie diese Ziel verfolgen unterscheidet sich von der die Dowd vorgeschlagen hat. Da es den Banken möglich ist ihre Währung zum Marktwert zurückzukaufen und nicht auf einen Wertstandard festgelegt sind, ist es für sie sinnvoll die Verpflichtungen, die aus den Noten entstehen, durch Aktiva auszugleichen, deren Wert proportional zu den der Noten ist. Geeignet wären kurzfristige Kredite. Um den Wert der Noten zu regulieren würden die Banken das Angebot an kurzfristigen Krediten ausdehnen oder einschränken, ähnlich wie es die Zentralbanken heute tun. Auf diese Weise würden die Banken die Risiken vermeiden, die entstehen weil der Wert der Aktiva und Passiva zueinander schwanken kann.

Hayek weist in ‚Denationalisation of Money‘ auf ein Reihe interessanter Zusammenhänge hin. So würden die Banken einen negativen Zins in Kaufnehmen um Deflation abzuwehren. Außerdem betont er, dass Notenbanken eine dauerhafte Überrendite erzielen können, weil sie zu einem Zins von Null leihen können. Man kann sich das folgendermaßen verdeutlichen: Für ein Individuum sind Kassenhaltung und Investition getrennte Handlungen, nicht jedoch für die Wirtschaft als Ganzes, für die stellen alle Gelder, die nicht dem Konsum dienen, Ersparnis dar. Eine Notenbank kann auf die Ersparnisse zugreifen, die entstehen wenn jemand Bestände an einer Währung aufbaut, indem sie die Geldmenge ausweitet und damit die Ersparnisse entwertet. Eine Notenbank, die den Wert ihrer Währung konstant hält, kann die Geldmenge nur ausweiten, wenn die Nachfrage nach Beständen an dieser Währung wächst. Die Ersparnisse, die die Halter der Währung bilden, entsprechen genau den Geldern die die Notenbank neu in Umlauf gibt und für die sie Anlagen einkaufen kann. Greifen die Halter wieder auf ihre Ersparnisse zu und bauen ihre Währungsbestände ab, muss die Notenbank im gleichen Ausmaß Gelder zurückkaufen. In diesem Sinne haben die Halter der Notenbank ihre Ersparnisse geliehen. Hayek befürchtet, dass die Überrenditen zu politischen Begehrlichkeiten führen. Meines Erachtens würde ein passivseitiger Zinssatz eigeführt werden, wenn der irgendwie praktikabel ist, und damit die Überrenditen beseitigt. Offenbar lässt Free Banking freiwirtschaftliche Experimente zu.

Obwohl ein Finanzsystem nach Hayek wohl funktionieren würde sehe ich einige Nachteile. Erstens würden die Notenbanken ihre Bilanz und damit die Geldmenge fast ausschließlich über die Vergabe kurzfristiger Kredite steuern. Es würde wohl so kommen, dass einige diese Kredite nutzen um langfristige Kredite zu vergeben. Wenn die Notenbank die Kreditvergabe zu sehr einschränkt, könnte das die Stabilität des Systems gefährden. Zweitens würden die Banken ohne Verpflichtung ihr Geld zu einem bestimmten Kurs zurückzukaufen allein auf die Informationen angewiesen sein, über die sie verfügt. Gäbe es eine solche Verpflichtung würde die Geldmenge zum Teil durch Arbitragegeschäfte gesteuert und die Kenntnisse einer sehr viel größeren Anzahl an Menschen wiederspiegeln. Von den beschriebenen Free Banking Konzepten halte ich das von Kevin Dowd für das überzeugendste.

Edit: Ein Teil des Artikels habe ich auch in den Wikipediaartikel Free Banking eingearbeitet.

Stimmt der Libertarismus mit wissenschaftlichen Erkenntnissen überein?

März 11, 2009

Es ist die Meinung weit verbreitet, dass man einer Weltanschauung nicht von falsifizierbaren Argumenten anhängt, sondern wegen ihren Werturteilen. Das mag im Großen und Ganzen zutreffen, verdeckt aber die Tatsache, dass auch Weltanschauung eine große Anzahl falsifizierbarer Aussagen macht. Daher der Anspruch des Marxismus ein wissenschaftlicher Sozialismus zu sein. Allerdings kann der Marxismus diesen Anspruch nicht einlösen. So haben sich fast alle seine wesentlichen Aussagen als falsch herausgestellt. (Um nicht zu sagen alle wesentlichen Aussagen die mir bekannt sind.) Die Arbeitswertlehre ist falsch. Es gibt keinen Trent zur Verelendung und hat ihn wahrscheinlich auch niemals gegeben. Das Elend der industriellen Revolution war eine Folge der demographischen Umwälzung, nicht des Kapitalismus. Überakkumulation ist nicht dazu geeignet Wirtschaftskrisen zu erklären. Noch gibt es einen Trent zu Kapitalkonzentration. Soviel zum Marxismus, es stellt sich die Frage ob es um den Libertarismus tatsächlich besser steht.

Um diese Frage zu beantworten ist ein kurzer Überblick über die Grundaussagen des Libertarismus nötig. Die moralphilosophischen Aussagen blenden wir aus, denn das sind tatsächlich reine Werturteile. Die erste Grundaussage ist der Antikollektivismus oder auch methodische Individualismus: das Handeln von kollektiven Entitäten kann auf das Handeln von Einzelnen zurückgeführt werden. Zweitens die Triebfeder staatlichen Handelns ist nicht der Gesamtwille, sonder das Eigeninteresse der Verantwortlichen. Drittens staatliches Handeln tendiert dazu diejenigen auf Kosten von anderen zu bevorteilen, die Einfluss auf Staat ausüben können. Viertens staatliche Leistungen lassen sich ohne oder bis auf wenige Ausnahmen auch von privaten Institutionen erbringen. Es handelt sich hier um sehr allgemeine Aussagen, sodass eine eindeutige Antwort nur mit extremem Aufwand zutage treten dürfte, eine oberflächliche Überprüfung sollte jedoch eventuelle eklatante Widersprüche aufdecken können.

Solche Widersprüche können ausgeschlossen werden, wenn die genannten Aussagen mit Modellen übereinstimmen, die nicht falsifiziert wurden und die Erklärungskraft für empirische Befunde haben. Als wissenschaftliche Referenz ziehe ich Charles B. Blankarts „Öffentliche Finanzen in der Demokratie“, 7.Auflage,München 2008 heran. Es handelt sich hierbei um eine Einführung in die Finanzökonomie, der ökonomischen Theorie des Staates, wie sie in den letzten Jahren entwickelt wurde. Der theoretische Rahmen dieser Disziplin wird durch vier Grundannahmen definiert: 1. Der methodische Individualismus 2. Die Eigennutzannahme 3. Die Annahme gegebener Präferenzen und veränderter Beschränkungen (d.h. das man Verhaltensänderungen eher auf eine Veränderung der Situation zurückführt, als darauf das sich die Handelnden es sich anders überlegt haben, ändert sich die Situation wird der Einzelne auch über einen anderen Umfang an Ressourcen, seinen Beschränkungen, verfügen.) 4. Die Annahme der Existenz relevanter Alternativen (d.h. man geht davon aus, dass wenn sich die Beschränkungen ändern, Einzelne durch Verhaltensänderungen darauf reagieren können. Laut Blankart wird diese Annahme in Marxistischen Theorien verworfen, was zu Zusammenbrucherwartungen und determinierten Geschichtsbild führe.) Zumindest der Antikollektivismus scheint noch aktuell zu sein, wenn auch erwähnt werden muss, dass außerhalb der Finanzökonomie noch Ansätze verfolgt werden, die den methodischen Individualismus verwerfen.

Auch die zweite These ‚die Triebfeder staatlichen Handelns ist nicht der Gesamtwille, sonder das Eigeninteresse der Verantwortlichen‘ ist im Finanzökonomischen Modell enthalten. In späteren Kapiteln wird dieser Punkt weiter ausgeführt und etwa die Wirkung verschiedener Mehrheitsregeln auf die Entscheidungsfindung diskutiert. Interessant ist, dass der Finanzökonomie zufolge staatliches Handeln durch ein zweistufiges Prinzipal-Agent-Verhältnis bestimmt wird; der Prinzipal ist zunächst der Wähler der Politiker verhält sich ihm gegenüber als Agent. Der Politiker kann jedoch nicht selbst handeln, sondern gibt der Verwaltung Anweisungen. Geht man die Hierarchie der Verwaltung durch wird man auf weitere Prinzipal-Agent-Verhältnisse stoßen. Ein etwaiger Gesamtwille der Wähler würde in der konkreten Entscheidungsfindung und Ausgestaltung immer weiter verwässert werden.

Im Zusammenhang mit der dritten These ‚staatliches Handeln tendiert dazu diejenigen auf Kosten von anderen zu bevorteilen, die Einfluss auf Staat ausüben können‘ ist insbesondere das Wagnersche Gesetz zu erwähnen. Es sagt aus das der Staat im Vergleich zur gesamten Wirtschaftlichen Aktivität überproportional wächst. Aufgestellt wurde es bereits im 19. Jahrhundert noch bevor es zu dem massiven Anstieg des Staatsanteils von ungefähr 10% auf um die 50% im 20. Jahrhundert kam. Blankart geht anhand von Einkommens- und Preiselastizitäten der Frage nach ob dieser Anstieg den Wünschen der Bürger entsprechen kann, also die Nachfrage nach Gütern, die vom Staat monopolisiert wurden, im Vergleich zu anderen angestiegen ist und kommt zu dem Ergebnis das nur etwa die Hälfte des Staatswachstums darauf zurückzuführen sind, was der libertären Erwartung entspricht.

Eine Studie (Bjørnskov, Christian; Dreher, Axel; Fischer, Justina, ‘The bigger the better? Evidence of the effect of government size on life satisfaction around the world’, Public Choice, Volume 130, Numbers 3-4, March 2007 , pp. 267-292(26)) hat gezeigt, dass sich die Größe der Staatsausgaben negativ auf die Lebenszufriedenheit der Bürger auswirkt. Besonders stark ist der Effekt auf Männer und Personen mit niedrigen oder mittleren Einkommen, wenn die Regierung von der Linken gestellt wird. Auch das stützt die dritte These.

Die vierte These ‚ staatliche Leistungen lassen sich ohne oder bis auf wenige Ausnahmen auch von privaten Institutionen erbringen‘ wird von Blankart nicht unterstütz: Er führt an dass öffentliche Güter vom Staat bereit gestellt werden müssen. Er geht davon aus, dass die Verfassung Regeln enthält die von jedem als gerecht angesehen werden und vertritt die Meinung, dass Umverteilung die auf Basis dieser Regeln beschlossen wird gerecht sei. Allerdings zeigt er ebenso, dass Umweltprobleme durch das Zuteilen von Verschmutzungsrechten auch ohne Regulierung gelöst werden können. Die Argumente die Blankart zugunsten des Staates aufführt überzeugen mich jedoch nicht, ein ökonomisches Modell kann kaum alle Möglichkeiten abdecken, die Privatanbieter einfallen, um Trittbrettfahrerprobleme zu lösen. Möglicher Weise liegt auch eine ähnliche Situation vor, wie in der Banktheorie, dort geht man davon aus, dass dem Bankwesen immanente Instabilitäten zu eigen sind, ohne das es dafür ausreichende theoretische oder empirische Belege gebe.

Blankarts Buch behandelt eine Vielzahl weiterer interessanter Modell und Untersuchungen, die libertäre Ideen stützen oder mit denen sich Libertäre auseinander setzten sollten. Daher kann ich es allen die tief in die ökonomische Beschreibung des Staates einsteigen wollen nur empfehlen.